Bundesbank: Jens Weidmanns Aufstieg in den Abstieg

Bundesbank: Jens Weidmanns Aufstieg in den Abstieg

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Fünf Jahre lang war er im Kanzleramt für Merkel eine Bank-jetzt soll er eine leiten.

von Henning Krumrey

Erst Merkel-Berater, nun Präsident: Jens Weidmann hat keine Chance – mit Ruhe und Überzeugungskraft will er sie nutzen.

Die nächsten zehn Wochen kann Jens Weidmann dem süßen Gift der privaten Inflation entgegensehen: In seinem neuen Job muss er vielleicht sogar etwas weniger leisten als bisher, aber die Geldmenge steigt kräftig.

Ab dem 1. Mai wird dann alles anders: Dann ist die echte Inflation sein Thema, ob er will oder nicht. Die Zukunft des Euro, die Kaufkraft der Deutschen – diese Sorgen werden Weidmanns erste Amtszeit als Präsident der Deutschen Bundesbank und als Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) prägen.

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Am Donnerstag vergangener Woche packte der 42-Jährige seine letzten privaten Habseligkeiten im Kanzleramt in die Umzugskartons, Freitag flog er ins Rheingau. Das Wochenende gehörte bereits der Familie. Diese Woche will er die Wohnung auflösen, mal ohne Stress und Termindruck durch die Hauptstadt schlendern – wann ging das schon in den vergangenen fünf Jahren, seit Angela Merkel ihn zu ihrem wichtigsten Berater in Sachen Ökonomie berief. Abgeworben hatte sie ihn, den Abteilungsleiter Geldpolitik bei der Bundesbank, auf Empfehlung des damaligen Präsidenten Axel Weber. Eine Finanz-, eine Wirtschafts- und eine Währungskrise später wird Weidmann nun dessen Nachfolger – an Erfahrung sollte das reichen.

Dass er zunächst an Webers Interpretation der Währungshüter-Rolle gemessen wird, macht dem Nachfolger kaum Sorgen. Manche würden zweifeln, weil er stiller und weicher daherkommt als der panzergleiche Vorgänger; andere fänden es sicher gut, wenn er nicht mit der Brechstange agiere, sondern auch etwas erreiche. Am Ende, darauf vertraut der Rückkehrer, werde man ihn an der Amtsführung, an der tatsächlichen Unabhängigkeit messen.

Sein Vor- und Nachteil gleichermaßen: Weidmann hat sich stets weniger Gedanken über den Auftritt als über den Inhalt gemacht. Berater ist nach seiner Definition einer, der die „wichtigsten Themen so aufarbeitet, dass die Kanzlerin eine Entscheidungsgrundlage hat“. Im Amt galt er zwar als Merkels Ordnungspolitiker, der aber auch die politischen Zwänge auflistete. Seine Krisenerfahrung: „Die Welt ist komplexer, als Angebot- und Nachfragetheoretiker manchmal glauben machen.“

Ein Wackeldackel?

Der Volkswirt, dessen akademische Leidenschaft seit Studientagen der Geldpolitik galt, muss vom Adlatus „hineinwachsen in die Statur, in der Öffentlichkeit zu überzeugen“, umreißt einer von Merkels Ministern den fälligen Mutationsprozess.

Weidmann ist sich der hohen Erwartungen bewusst. Als „Muttis Liebsten“, 100-prozentig loyal, charakterisiert ihn ein regierungsinterner Verhandlungspartner. „Ich kenne nach außen keine Äußerung, die ein Denken jenseits der Kanzlerin erkennen ließen.“ Weidmann also ein wirtschaftspolitischer Wackeldackel, der künftig stets im Sinne der früheren Chefin abnickt und durchwinkt? Alles sei eine Funktion des jeweiligen Amtes, das ist sein Selbstverständnis von der Rolle eines Spitzenbeamten. Die Regierungsentscheidungen zur Finanz- und Währungspolitik bereut er nicht. Aber er schließt nicht aus, dass den Bundesbank-Weidmann manches ärgern wird, was der Kanzleramts-Weidmann für die Regierungschefin vorgedacht und vorgeschlagen hat. Ob er schon bald das Aufkaufen von Anleihen schlapper Euro-Länder durch die EZB verfluchen wird wie Vorgänger Weber?

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