Bundesbank: Lordkanzler Weidmann

KommentarBundesbank: Lordkanzler Weidmann

von Roland Tichy

Roland Tichy über die feierliche Amtseinführung des neuen Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann, Stabilitätsschwüre und das Fragezeichen hinter der Unabhängigkeit der deutschen Notenbank

Der Bedeutungsverlust der Deutschen Bundesbank ist augenscheinlich: Wurde Karl Otto Pöhl noch in der Frankfurter Paulskirche verabschiedet, als er 1991 das Präsidentenamt aufgab, tat's jetzt bei Axel Weber das Gästehaus der Bundesbank. Damals sprach Bundeskanzler Helmut Kohl, jetzt vertrat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Regierung. Er sprach von einer "labilen Situation bei nachhaltiger Geldwertstabilität und warnte damit vor einer Inflationsgefahr.

Damit der neue Bundesbank-Chef Jens Weidmann nicht vom Kurs abkommt, schenkte ihm Weber einen "Stabilitätskompass" mit einer Schraube für die Zielanpassung  zu mehr Inflation, warnte jedoch sofort: "Aber benutze das nie." Am Stabilitätsziel, das die Europäische Zentralbank auch bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent als erreicht einstuft, soll Weidmann nicht drehen.

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Jean-Claude ungeduzt

Der neue Bundesbank-Präsident verspricht denn auch: "Keine Kompromisse" bei der Geldwertstabilität. Und wie um Distanz zu wahren zum Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, bleibt Weidmann ihm gegenüber beim "Sie", obwohl der ihn demonstrativ duzt. Mehr noch: Weidmann gibt den Falken und steht damit in Weber'scher Tradition. Die Euro-Reformen griffen zu kurz, mahnt Weidmann und warnt: "Keine Verschiebung zu Lasten Dritter."

Bundesbank-Vize Zeitler vergleicht Weidmann mit Thomas Beckett. Der Lordkanzler des englischen Königs und Bischof von Canterbury blieb seinen Grundsätzen treu, wagte Widerspruch gegen die herrschende Meinung - und wurde geköpft.

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