Bundesbank: Schuldenkrise gefährdet deutsche Banken

Bundesbank: Schuldenkrise gefährdet deutsche Banken

, aktualisiert 10. November 2011, 17:15 Uhr
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Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret rief die Politik angesichts der immensen Risiken zu einer schnellen und umfassenden Krisenlösung auf.

Quelle:Handelsblatt Online

Trotz der inzwischen deutlich besseren Kapitalausstattung der Institute sorgt sich die Bundesbank wegen der Euro-Schuldenkrise um die Stabilität der deutschen Banken. Es fehle an Vertrauen in die Finanzindustrie.

FrankfurtDie Bundesbank sorgt sich wegen der Euro-Schuldenkrise um die Stabilität der deutschen Banken - trotz der inzwischen deutlich besseren Kapitalausstattung der Institute. „Die Risiken für das deutsche Finanzsystem haben in diesem Jahr deutlich zugenommen“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten jährlichen Finanzstabilitätsbericht der Notenbank. „Finanzstabilität kann es nicht geben, ohne dass die Staatsschuldenkrise grundlegend gelöst wird“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. „Das Wichtigste, was uns fehlt, ist das Vertrauen in die Finanzindustrie.“ Die aus den Problem einiger Euro-Peripherieländer resultierenden Ansteckungseffekte und die befürchtete Konjunkturflaute trübten die Ertragsaussichten der deutschen Geldhäuser spürbar ein, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger bei der Vorstellung des Berichts in Frankfurt. Allerdings seien die Banken in den vergangenen zwei Jahren dank einer besseren Kapitalausstattung widerstandsfähiger geworden. Beispielsweise betrage die Kernkapitalquote bei den 13 wichtigsten deutschen Kreditinstituten inzwischen 13,1 Prozent - berechnet nach dem aktuell noch gültigen Regulierungsstandard Basel II. Umgekehrt sei die Verschuldung der Institute zurückgegangen.

Dombret rief die Politik angesichts der immensen Risiken zu einer schnellen und umfassenden Krisenlösung auf. Es sei höchste Zeit für eine nachhaltige Finanzpolitik und flankierende Strukturreformen. „Auch in Deutschland muss die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte fortgesetzt werden.“ Das größte Risiko freilich geht von den Problemländern im Süden und Westen der Euro-Zone aus: „Die Bundesbank schätzt die Risiken aus den Forderungen gegenüber Griechenland, Irland und Portugal als insgesamt beherrschbar ein.“ Aber: volumenmäßig bedeutender und damit riskanter seien die Forderungen an Spanien und Italien.

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Der Bundesbank zufolge haben die deutschen Banken in Griechenland immer noch Außenstände in Höhe von 28 Milliarden Euro, in Irland und Portugal von 63 Milliarden Euro. Alleine der italienische Staat steht bei den deutschen Instituten mit 42 Milliarden Euro in der Kreide, der spanische mit 23 Milliarden. Dabei sind die beiden deutschen Bad Banks nicht berücksichtigt.


Dem Vertrauensverlust begegnen

Lautenschläger bekräftigte die positive Haltung der Bundesbank zum jüngsten Beschluss der EU-Staaten, ihre Banken mit zusätzlichem Kapital auszustatten und damit krisenfester zu machen. Das Vorgehen sei geeignet, „dem Vertrauensverlust im europäischen Bankensektor zu begegnen.“ Die EU-Staaten verlangen von ihren Banken ab Mitte kommenden Jahres eine Kernkapitalquote von neun Prozent. Für nicht wenige Institute bedeutet dies, dass sie sich zusätzliches Kapital besorgen müssen - entweder am Kapitalmarkt, durch Einbehaltung von Gewinnen, über Staatshilfen oder in letzter Konsequenz vom Euro-Rettungsschirm EFSF.

Die 70 größten europäischen Banken brauchen nach vorläufigen Berechnungen der EU-Bankenaufsicht EBA 106 Milliarden Euro, um auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen. Vier deutschen Instituten fehlen fünf Milliarden Euro. Lautenschläger sagte, die Summe werde sich noch etwas erhöhen, wenn in den nächsten Tagen die endgültigen Zahlen vorlägen. Betroffen sind unter den 13 größten deutschen Geldhäusern die Deutsche Bank, die Commerzbank, die LBBW und die NordLB. Dass sich daran noch etwas ändern könnte, sei nicht absehbar, sagte Lautenschläger.

Die Verschärfung der Kapitalanforderungen der EU hat in der Politik und bei Aufsehern Befürchtungen ausgelöst, dass die Banken als Reaktion die Kreditzufuhr an die Wirtschaft verknappen könnten. Die Bundesbank jedenfalls kann derzeit trotz der Belastungen durch die Euro-Schuldenkrise noch keine Anzeichen für langsam versiegende Kreditflüsse in Deutschland erkennen. „Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine Kreditklemme. Ich betone: derzeit“, sagte Lautenschläger.

Quelle:  Handelsblatt Online
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