Bundesbankbilanz: "Niedrigzinsen können kein Dauerzustand sein"

ThemaNotenbanken

Bundesbankbilanz: "Niedrigzinsen können kein Dauerzustand sein"

Bild vergrößern

Bundesbankpräsident Jens Weidmann bei der Vorstellung des Jahresabschlusses 2013.

von Saskia Littmann

Eigentlich hat Jens Weidmann Grund zu lachen, der Gewinn der Bundesbank fiel 2013 überraschend hoch aus. Dennoch warnte der Bundesbank-Chef vor den langfristigen Nebenwirkungen der niedrigen Zinsen.

Bei strahlendem Sonnenschein bringt es Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schon zu Beginn der Pressekonferenz auf den Punkt. "Heute ist nicht nur das Wetter schöner als vor einem Jahr, unsere Bilanz ist es auch". Und tatsächlich kann Weidmann sich freuen. Die Bundesbank hat 2013 so viel Gewinn gemacht wie zuletzt 2008. "Wir haben den Jahresüberschuss heute in voller Höhe an den Bund überwiesen", erklärt Weidmann. Finanzminister Schäuble kann sich über 4,6 Milliarden Euro mehr in den Kassen des Bundes freuen.

Im vergangenen Jahr hatte es zur Präsentation der Bundesbank-Bilanz nicht nur heftig geschneit, auch die Zahlen fielen vergleichsweise mager aus. Nur 664 Millionen Euro Gewinn konnten die Frankfurter Währungshüter 2012 verbuchen. Grund für die Besserung ist vor allem die deutlich bessere konjunkturelle Situation in der Euro-Zone. Unter anderem musste die Risikoreserve nicht weiter erhöht werden, so blieb mehr Gewinn für den Bund übrig.

Anzeige

Um nicht zu viel gute Laune aufkommen zu lassen, war der Bundesbank-Präsident bemüht, auch die weiterhin bestehenden Risiken zu betonen. Ein Bild aus "Licht und Schatten gemischt mit einigen Grautönen", wie Weidmann erklärte. So seien weiterhin erhebliche Anstrengungen nötig, um die Krise endgültig zu überwinden. Weidmann mahnte dabei noch einmal, die Geldpolitik der Notenbanken könne zwar Symptome lindern - der Schlüssel zur Beseitigung der Krise sei aber die Politik, sie müsse die notwendigen Strukturreformen durchführen.

Entspannung der Krise Bundesbank mit höchstem Gewinn seit 2008

Die Bundesbank überweist ihm endlich wieder einen Milliardengewinn. Die Staatsschuldenkrise sei zwar noch nicht beendet. Aber die Währungshüter schätzen die Risiken geringer ein als vor einem Jahr.

Die Bundesbank überweist ihm endlich wieder einen Milliardengewinn. Die Staatsschuldenkrise sei zwar noch nicht beendet. Aber die Währungshüter schätzen die Risiken geringer ein als vor einem Jahr. Quelle: dpa

Ähnlich wie Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), betonte auch Weidmann, dass er zurzeit weder eine Deflation, noch sehr hohe Inflationsraten fürchte. "Insgesamt ist die expansive Geldpolitik im Euro-Raum angemessen", so der Bundesbank-Chef. Langfristig sei mit stabilen Preisen zu rechnen, zumal die niedrigen Inflationsraten auch durch die niedrigen Energiepreise bedingt seien, einem temporären Phänomen.

Doch auch beim Thema Niedrigzins gab Weidmann den Vermittler. Einerseits warnte er: "Die aktuellen Niedrigzinsen können kein Dauerzustand sein". Er könne auch verstehen, dass Sparer sich über die niedrigen Zinsen ärgerten, da ihnen die Renditechancen genommen würden. Weidmann warnte, das Niedrigzinsumfeld dürfe nicht zur langfristigen Erwartungsgrundlage von Anlegern und Schuldnern werden. Eine der Nebenwirkungen der niedrigen Zinsen sei das höhere Risiko, welches Anleger eingingen. Der Bundesbankchef warnt vor den Nachteilen einer verstärkten Jagd nach Rendite.

Dann aber sprang Weidmann der EZB und ihrem Chef Mario Draghi zur Seite. Schließlich gebe es ja auch Sparer, die davon profitierten, wie beispielsweise Bauherren. Gleichzeitig könnten sich sowohl Unternehmen als auch der Staat besser refinanzieren, was letztlich beides auch der Allgemeinheit zu Gute komme.

weitere Artikel

Auch gesamtwirtschaftlich sieht Weidmann zwar im Vergleich zum Vorjahr deutliche Verbesserungen. Dennoch könnten etwa die Energiewende und der geplante Mindestlohn den Aufschwung weiter belasten. "Der Mindestlohn stellt einen gewaltigen Eingriff ins System da", erklärt Weidmann. Zumindest mittelbar sei mit Auswirkungen zu rechnen, allerdings komme es dabei sehr auf die genaue Ausgestaltung der Reform an. Auch die aktuellen rentenpolitischen Pläne der Großen Koalition wurden vom Bundesbankchef deutlich kritisiert. "Das geht in die falsche Richtung".

Erst als es um die Goldreserven der Bundesbank ging, wurde Weidmann wieder entspannter und fast philosophisch. "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", zitiert Weidmann Goethe und kommentiert damit das enorme Öffentlichkeitsinteresse am Verbleib der deutschen Goldreserven. Ein großer Teil davon soll bis zum Jahr 2020 aus New York, Paris und London zurück nach Frankfurt geholt werden. Bisher ist das Programm zwar langsam angelaufen, Weidmann kündigte aber für dieses und die nächsten Jahre "deutlich umfangreichere" Verlagerungen an. 2013 waren erst 37 Tonnen Gold nach Frankfurt gekommen. Das habe an den "sorgfältigen und zeitintensiven" Vorbereitungen gelegen, die für einen sicheren Transport notwendig waren. Kritiker befürchten, das im Ausland gelagerte Gold sei gar nicht mehr da. Diese Verschwörungstheoretiker dürfte Weidmann mit seinen Ausführungen kaum beruhigt haben.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%