Bundeskanzlerin: Merkels Computer war Ziel von Cyber-Attacke

Bundeskanzlerin: Merkels Computer war Ziel von Cyber-Attacke

, aktualisiert 15. Juni 2015, 06:12 Uhr

Von der Cyber-Attacke auf den Bundestag ist auch ein Computer von Kanzlerin Angela Merkel betroffen. Eine Folge: Im Bundestag tauchte in den Postfächern von Parlamentariern eine Fake-Mail mit Merkels Namen auf.

Während des Hacker-Angriffs auf den Bundestag hat eine gefälschte E-Mail mit dem Absender „Angela Merkel“ für Verwirrung unter Abgeordneten gesorgt. Bundestagssprecher Ernst Hebeker bestätigte am Sonntag die Existenz des Schreibens mit dem Betreff „Einladung Telko“ - was wohl für Telefonkonferenz stehen soll.

Auch er selbst habe es bekommen, sagte Hebeker. „Es ist aber vollkommen unklar, ob diese Mail im Zusammenhang mit dem Cyber-Angriff steht.“ Zeitgleich seien auch andere verdächtige Mails aufgetaucht - etwa eine vermeintliche Rechnung der Deutschen Telekom.

Anzeige

Die „Bild am Sonntag“ hatte als erstes darüber berichtet. Nach ihren Informationen war bei dem Hacker-Angriff ein Rechner aus dem Bundestagsbüro der Kanzlerin infiziert worden. Der Computer sei einer der ersten gewesen, bei dem der Trojaner festgestellt worden sei. Die Unbekannten hätten den Namen Merkels für das Versenden infizierter E-Mails benutzt.

Die absurdesten Spionage-Ziele

  • baumarktforschung.com

    Diese Webadresse gehört ibau, einem Dienstleister im Baubereich, der unter anderem eine Datenbank für Bauprojekte und Ausschreibungen unterhält und den jährlichen ibau-Fachkongress veranstaltet. Der war gerade wieder vor drei Wochen im alten Bundestag in Bonn. Wohlgemerkt: Im ALTEN(!) Bundestag – also eigentlich kein Grund, gleich den Geheimdienst zu schicken. Ibau wiederum gehört zur Schweizer Docu-Gruppe, die auf Bau-Fachinformationen spezialisiert ist. Die Docu-Tochter Baumarktforschung Deutschland GmbH schürft besonders tief: Ihre Informationen betreffen Straßen-, Ingenieur-, Brücken- sowie Garten- und Landschaftsbau. Ein Manager von Ibau hat nicht mehr zurück gerufen nach einem ersten freundlichen Gespräch. Ist nicht schlimm, hat sich erledigt!

  • brandstifter.com

    Klingt gefährlich, ist aber eine legal arbeitende Werbeagentur aus Berlin. Geschäftsführer Sven Barth erfuhr durch den WiWo-Anruf, dass er gerade eine Rolle im Geheimdienst-Skandal spielt. Sein Erklärungsversuch: Vielleicht sei der „provokante Name“, den er seiner Agentur bei der Gründung 1999 gab, irgendwie im Raster der Fahnder hängen geblieben. Das passt! Aber warum interessieren die Schlapphüte sich dann auch für seniorenheim.com und orgelbau.com? In die USA eingereist ist Brandstifter Barth übrigens nach dem Anschlag aufs World Trade 2001 problemlos – und kam unbehelligt wieder heraus.

  • feuerwehr-ingolstadt.org

    Erich Katschke, Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr in Ingolstadt, geht beim unerwarteten Anruf von wiwo.de erst mal auf Nummer sicher, ob wir uns nicht verwählt haben: „Meinen Sie vielleicht die Berufsfeuerwehr?“ Als ob die Berufs-Kollegen immer schon im Verdacht der Geheimdienste gestanden hätten. Aber nein: Laut der Liste im „Spiegel“, von der Katschke noch nichts wusste, interessieren sich BND und NSA nicht für die Ingolstädter Lösch-Profis, sondern ausschließlich für die 1863 gegründete Freiwillige Feuerwehr. Sie werden ihre Gründe haben. Oder auch nicht.

  • neue-einheit.com

    Das schwierigste Gespräch von allen: Eigentlich sollte die Telefonnummer, die die Homepage im Impressum angibt, Hartmut Dicke gehören. Der soll Inhaber des marxistisch-leninistischen, vielleicht auch trotzkistischen – oder maoistischen? – Verlages sein. Aber Dicke, der unter dem Pseudonym Klaus Sender sendete, sei 2008 „unter ungeklärten Umständen verstorben“, raunt eine weibliche Stimme am Telefon. Wie die Dame heißt, sagt sie nicht. Wem der Verlag jetzt gehört, fragen wir. Antwort: „Den Nachfolgern.“ Wer das ist? Keine Antwort. Die Neue Einheit ist jedenfalls KPD-nah und mit seeeehr weit links richtig eingeordnet. Ob der Verfassungsschutz die Redaktion schon mal im Visier hatte? „Das müssen Sie den Verfassungsschutz fragen“, sagt die weibliche Stimme am Telefon. Aber ist das wirklich ein Fall für die Internationale der Auslandsgeheimdienste oder für eine andere Anstalt?

  • orgelbau.com

    Hier stoßen wir bei der Recherche auf andere Geheimnisse. Die beiden Telefonnummern auf der Website führen ins Nichts. Urheber der „Website of german organ builders“ ist ein Heiko R. mit Adressen in Nordrhein-Westfalen und der Schweiz. Aber Thomas Jann, Vorsitzender des Bundes Deutscher Orgelbauer, kennt den vermeintlichen Kollegen nicht. Janns Verdacht: „Vielleicht hat sich da einer eine Web-Adresse gesichert und will sie verhökern.“ Warum das aber BND und NSA interessieren sollte? Keine Ahnung. Wir bleiben dran.

  • sachergmbh.com

    Ist das 25-Mann-Unternehmen aus Buchholz im Erzgebirge ein Fall für Industriespionage? Es ist immerhin ein Hidden-Champion der deutschen Wirtschaft. Feine Schmuck- und Uhrenkassetten aus dem Hause Sacher stehen in Juwelier-Geschäften und Nobel-Kaufhäusern in 42 Ländern, unter anderem bei Harrods in London. Und Unternehmerin Gerhild Sacher weiß: „Wenn man in der ersten Liga mitspielen will, geht das nur über Qualität. Die Chinesen können es billiger.“ Aber spioniert haben laut der NSA-Liste nicht die Chinesen, sondern Deutsche und Amerikaner. Sohn und Mit-Geschäftsführer Ulf Sacher kommt im Gespräch spontan ein Verdacht: „Vielleicht sind die ja wegen unserer Exporte in die Arabischen Emirate und an den Persischen Golf auf uns aufmerksam geworden.“ Aber was konnten sie dann bei dem Unternehmen finden? Sacher meint: „Nichts.“

  • seniorenheim.com

    Geschäftsführer Reiner Ebner hat wie alle Betroffenen erst durch wiwo.de erfahren, dass ausgerechnet sein Pflegezentrum im bayrischen Bischofsgrün ins Visier der Geheimdienst NSA und BND geraten sein soll. Auf die skeptische Frage, welche Klientel denn so wohne in seinem Haus „am Fuße des Ochsenkopfes in idyllischer Waldrandlage“, fällt Ebner aber nichts Verdächtiges ein: „Ganz normale pflegedürftige Leute, viele davon Sozialhilfeempfänger“, sagt er. Vielleicht suchten die Geheimdienstler ja auch im Eigeninteresse einen Platz für die Jahre nach dem stressigen Dienst? Die große Sonnenterrasse des Pflegezentrum verführt laut Seniorenheim-Homepage schließlich „zum Entspannen“, und man kann dort die „Seele baumeln lassen“.

Zu diesen Informationen sagte Hebeker: „Ich kann das nicht bestätigen.“ Ein Regierungssprecher äußerte sich ähnlich. Als gewählte Abgeordnete verfügt Merkel auch über ein Büro im Bundestag.

Der Cyber-Angriff auf das Parlament läuft seit rund vier Wochen. Das Computersystem wurde nach dem jüngsten Stand der Ermittlungen mit Hilfe von E-Mails angegriffen und mit Schadsoftware infiziert. Den Hackern ist es dabei gelungen, tief in die IT-Infrastruktur des Parlaments vorzudringen.

Nach bisherigen Erkenntnissen des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) handelt es sich bei der Schadsoftware um einen Trojaner, der in ähnlicher Form bereits seit Monaten bei Hacker-Attacken in mehreren Ländern zum Einsatz kam. Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass ein Staat hinter dem Angriff steckt.

weitere Artikel

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte am Donnerstag gesagt, er habe die Sorge, „dass es sich um einen Cyber-Angriff eines ausländischen Nachrichtendienstes handelt“. Er sagte nicht, um welches Land es sich handeln könnte, fügte aber hinzu: „Mein Dienst hat immer wiederholt bestätigt, dass jedenfalls die Cyber-Angriffe von russischen Diensten hochqualifiziert sind und uns große Sorge bereiten.“

Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, müssen sich auch Landtage regelmäßig gegen Hacker-Angriffe zur Wehr setzen. Allerdings sind diese bei weitem nicht so massiv. So werden etwa auf das Computernetzwerk des Landtags von Nordrhein-Westfalen nach Angaben eines Sprechers fast jeden Tag Angriffe gestartet.

In Niedersachsen registriert das Innenministerium eine Zunahme gezielter und professionalisierter Angriffe auf das Netz der Landesverwaltung. Auch die Landesparlamente in Bayern oder im Saarland waren in der Vergangenheit Ziel von Hackern.

Dass Angreifer enorme Schäden verursachen können, musste die Landesregierung von Sachsen-Anhalt 2013 mit ihrem Portal www.sachsen-anhalt.de erleben. Ein Hacker legte die Seite damals zeitweise lahm. Auch die Landtags-Webseite baut auf dieser Plattform auf. Durch eine Sicherheitslücke war ein schädlicher Code in die Datenbank eingeschleust worden - wochenlang gab es daraufhin Ausfälle. Dahinter steckte ein Schüler aus Hamburg.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%