Bundeskonferenz der Grünen: Verunsicherte Partei auf dem Weg in die Mini-Opposition

ThemaWahlen 2017

KommentarBundeskonferenz der Grünen: Verunsicherte Partei auf dem Weg in die Mini-Opposition

von Cordula Tutt

Die Ökopartei vermeidet bei ihrer Bundeskonferenz offene Konflikte. Die neue Führung bekommt ein mäßiges Ergebnis. Die Wahlverlierer müssen erst den Ton gegenüber einer übergroßen Koalition im Bund finden.

Opposition ist Mist. Vor allem, wenn die Regierung so über-groß ist, wie es die schwarz-rote Koalition wohl im Vergleich zur Mini-Opposition aus Linken und Grünen im Bundestag werden wird. Diese unbequeme Aussicht versuchen die meisten Grünen, die sich an diesem Wochenende beim Parteitag in Berlin zu Wort melden, schönzureden. Es stimmt ja auch, dass die Sonnenblumenpartei nach der Wahlschlappe und dem Austausch eines Gutteils der eigenen Führungsleute reichlich durcheinander ist. Gegenüber der Union voller Kraft und taktischer Meister wie Angela Merkel und Horst Seehofer hätten sie schlechte Aussichten. Doch die wesentlichen Entscheidungen beim Umbau der Energieversorgung werden in den nächsten vier Jahren gefällt - ohne die Partei, die die Wende als eigenes Modell beansprucht.

Die große Unsicherheit zeigt sich bei der Bewerbungsrede der neuen Ko-Parteichefin Simone Peter. Die Grüne aus dem Saarland folgt Claudia Roth nach, der manchmal schrillen Langzeitvorsitzenden mit emotionaler Kampfkraft. Die 47jährige Saarländerin bleibt eher farblos, eckt nirgendwo an und will sich als promovierte Biologin auf grüne Kernthemen rund um die Ökologie besinnen. Entsprechend verhalten bleibt der Applaus und mäßig das Ergebnis. Rund 75 Prozent Ja-Stimmen und 13 Prozent Enthaltungen stehen am Ende der Wahl ohne Gegenkandidatin.

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CDU und Grüne sondieren weiter Ring frei für Runde zwei

Die Union hält sich alle Türen offen: am Dienstag gibt es ein zweites Sondierungsgespräch mit den Grünen. Doch sollte es tatsächlich zu einer Koalition kommen, könnte den Grünen das Schicksal der FDP drohen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) (vorne rechts) spricht neben dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer (l) in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin bei ersten Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir und der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Quelle: dpa

Kämpfen muss Cem Özdemir, der als bisheriger Ko-Parteichef fürs schlechte Abschneiden bei der Wahl mit verantwortlich gemacht wird. Er lobt die Basis und die Landesverbände, die oft genauer wüssten, was die Leute bewege. Er selbst sei zu ängstlich gewesen und habe manchen Streit vermieden statt für das zu kämpfen, was er für richtig halte. Ans Hallenpublikum gewandt fordert er zugleich, die Grünen dächten noch zu stark in Lagern und folgten eher Leuten aus dem eigenen Flügel von Linken oder Realos statt zuerst die besten Argumente anzuerkennen.
Özdemir bekommt gut 71 Prozent der Stimmen, deutlich weniger als beim letzten Mal mit 83 Prozent.

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