Bundesländerranking 2010: Die Analyse: Bundesländer im Leistungstest

Bundesländerranking 2010: Die Analyse: Bundesländer im Leistungstest

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Bayern gewinnt den Niveauvergleich im Bundesländerranking. Im Bild ein Mitarbeiter des bayrischen Herstellers von Getränkeabfüllanlagen Krones

von Bert Losse

Wo ballt sich in Deutschland die größte Wirtschaftskraft? Wo herrscht die stärkste Dynamik? Wer hat die Krise gut gemeistert – und wer nicht? 16 Bundesländer in der ausführlichen Analyse.

Das junge Bundesland Brandenburg hat in der Nachwendezeit nicht übermäßig oft Schlagzeilen gemacht – und wenn, dann waren sie häufig negativ oder skurril. Gescheiterte Großinvestitionen wie die im Rohbau stecken gebliebene Chipfabrik in Frankfurt/Oder, das merkwürdige Luftschiffprojekt von Cargolifter oder der mit 123 Millionen Euro geförderte Lausitzring, auf dem nie ein Formel-1-Rennen stattfand und wohl auch nie eines stattfinden wird, haben sich ins gesamtdeutsche Bewusstsein gefressen.

In einigen Gegenden des Landes ist so wenig los, dass sich erste Wolfsrudel niederlassen. Zuletzt machte das Städtchen Luckau auf sich aufmerksam, das als erste deutsche Kommune eine Windradsteuer einführen will. Und auch politisch ist Brandenburg nicht zwingend ein Magnet für kapitalistische Investoren: Seit September 2009 regiert hier eine rot-rote Koalition. Der neue Wirtschaftsminister Ralf Christoffers kommt von der Linkspartei und war früher Philosophie-Dozent.

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Umso erstaunlicher, was sich derzeit im vermeintlichen ökonomischen Niemandsland zwischen Prenzlau und Finsterwalde tut. Das strukturschwache Brandenburg hat den Vorwärtsgang eingelegt und zeigt derzeit die größte wirtschaftliche Dynamik unter allen Bundesländern. Das ist das überraschende Ergebnis des großen Bundesländer-Rankings von WirtschaftsWoche, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Kölner IW Consult.

97 Einzelindikatoren untersucht

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg

Wir wollten wissen: Wo in Deutschland nehmen Wohlstand, Wachstum und Jobchancen am meisten zu, wie unterscheiden sich die Lebensbedingungen in Kiel, Frankfurt/Oder und Garmisch-Partenkirchen? Wer punktet mit Innovationskraft, solider Finanzpolitik, einem guten Bildungswesen und innerer Sicherheit? Und wo finden Unternehmen die besten Rahmenbedingungen für Investitionen vor?

Die umfangreiche Studie, die 97 Einzelindikatoren untersucht, gliedert sich in zwei Teile: Das Dynamikranking misst die Veränderungsraten von ökonomischen und sozialen Kennziffern, sodass auch Länder mit schlechter wirtschaftlicher Ausgangslage – wie Brandenburg – punkten können.

Die absolute Wirtschaftskraft hingegen gibt das Niveauranking wieder. Hier steht wie in den Vorjahren Bayern auf dem Siegertreppchen, gefolgt von Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Am Ende der Skala finden sich Sachsen-Anhalt und Berlin wieder.

Bayern glänzt

Bayern glänzt mit den niedrigsten Arbeitslosenzahlen, der höchsten Kaufkraft und einer stabilen Sozialstruktur. Auf 100 Einwohner kommen hier statistisch nur 2,8 Hartz-IV-Empfänger – in Berlin sind es fast fünfmal so viele. Nirgendwo sonst ist zudem die Kriminalität so niedrig. Auf 100.000 Einwohner kommen in Bayern pro Jahr nur rund 5070 Straftaten – im Schnitt aller Länder sind es fast 7400. Positiv ist auch die Struktur des Haushalts: Der Anteil der Investitionen an den Landesausgaben ist mit knapp 26 Prozent bundesweit Spitze.

Nur den Vorjahrestitel als schuldenärmstes Land der Republik mussten die Bajuwaren an Sachsen abtreten. Wirtschaftskrise und BayernLB-Skandal haben die Pro-Kopf-Verschuldung zuletzt deutlich nach oben getrieben. Im Dynamikranking reicht es für Bayern diesmal insgesamt nur zu Rang zehn, auch weil die Rezession die Industrie 2009 ordentlich gebeutelt hat.

Ähnliches gilt für Baden-Württemberg. Der ökonomische Absturz im Krisenjahr 2009 war im industrie- und exportabhängigen Ländle besonders heftig. Auch wenn die Unternehmen im Südwesten nun überdurchschnittlich vom einsetzenden Aufschwung profitieren und sich die Auftragsbücher vielerorts wieder füllen, hat die vergangene Krise die wirtschaftliche Verletzlichkeit des Landes schonungslos offengelegt. Platz 16 im Dynamikranking – das hatte es für den Musterschüler Baden-Württemberg zuvor noch nie gegeben.

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