Mehr als nur Ruhrgebiet
Bild: dapdDuisburg-Bruckhausen versus...
In der Ruhrstadt Duisburg stehen 5,5 Prozent aller Häuser leer, zwischen 2005 und 2010 verließen 2,4 Prozent der Einwohner die Stadt. Dafür liegt der Kaufpreis für Immobilien pro Quadratmeter mit 100 Euro und weniger im unteren Drittel. 8,5 Prozent der Kinder in Duisburg gehen in eine Kindertagesstätte, der Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten beträgt 9,5 Prozent. Pro Erwachsenem nimmt die Stadt 461 Euro an Steuern ein.
Alle Daten basieren auf den Auswertungen zum Städteranking der WirtschaftsWoche - einer Analyse der 50 größten Städte Deutschlands.
Bild: ZBMagdeburg
In Magdeburg stieg die Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 um ein Prozent, dafür stehen 7,7 Prozent der Häuser leer. Der Quadratmeterpreis ist mit 950 Euro stabil, die Betreuungsquote von Kindern liegt bei 52,9 Prozent. In Magdeburg sind 13,2 Prozent aller Arbeitnehmer hochqualifiziert und die Stadt nimmt pro Erwachsenem 449 Euro ein.
Bild: dpaEssen im Vergleich zu
Auch in Essen verringert sich die Einwohnerzahl. Binnen fünf Jahren zogen 1,8 Prozent aus der Ruhrstadt weg. 4,3 Prozent der Häuser in Essen stehen leer, dafür ist der Kaufpreis für Immobilien mit 1200 Euro pro Quadratmeter vergleichsweise hoch. Ungefähr gleich hoch sind der Anteil an hochqualifizierten Arbeitnehmern und die Kinderbetreuungsquote. Letztere beträgt 12,7, die Arbeitnehmer mit Abitur oder Studium machen 13,7 Prozent aus.
Bild: dpa/dpawebChemnitz
Auch in Chemnitz sehen die Einwohner zu, dass sie Land gewinnen. 1,4 Prozent Bevölkerungsschwund binnen fünf Jahren verbucht die ostdeutsche Großstadt. Dafür hat Chemnitz zusammen mit Halle die höchste Leerstandsrate der 50 größten deutschen Städte. 10,5 Prozent der Wohnungen und Häuser werden nicht genutzt, mit 800 Euro pro Quadratmeter ist dafür der Kaufpreis bei Immobilien am niedrigsten. Die Stadt verdient pro Erwachsenem nur 424 Euro, der Anteil derer, die Abitur oder studiert haben, liegt dafür bei 15,9 Prozent. Das ist vergleichsweise hoch. Auch mit einer Kinderbetreuungsquote von 43,9 Prozent hat Chemnitz die Nase vorn.
Bild: dpaHalle (Saale) vs.
Halle hat die geringste Produktivität (gemessen in Euro) der verglichenen Städte: 45.347 Euro sind es, die ein Erwerbstätiger pro Jahr erwirtschaftet. Auch mit den Steuereinnahmen pro Kopf steht Halle mit 345 Euro am unteren Ende des Rankings. Dafür sind 49,8 Prozent der Kinder in einer Kita, 14,2 Prozent der Beschäftigten sind hochqualifiziert.
Bild: dpaOberhausen
Oberhausen hat binnen fünf Jahren 2,7 Prozent seiner Einwohner eingebüßt, das BIP pro Erwerbstätigem beträgt 54.019 Euro und damit fast 10.000 Euro über dem von Halle. Auch die Steuereinnahmen sind mit 496 Euro deutlich höher. Dafür hat Halle mit 7,3 Prozent den geringsten Anteil hochqualifizierter Beschäftigter. Mit einer Kinderbetreuungsrate von neun Prozent landet die Ruhrstadt auf dem vorletzten Platz.
Bild: dpa/dpawebMülheim an der Ruhr im Vergleich
In Mülheim an der Ruhr sind mit 11,5 Prozent vergleichsweise wenig Kinder in Kitas, dafür hat die Stadt mit 815 Euro die höchsten Gemeindesteuereinnahmen pro Kopf. Auch bei der Produktivität steht die Stadt sehr weit vorne: Jeder erwerbstätige Mülheimer erwirtschaftet pro Jahr 70.276 Euro - macht Platz zwei im Ranking. Mit drei Prozent ist die Leerstandsrate bei Gebäuden vergleichsweise niedrig. Mülheim an der Ruhr steht verhältnismäßig gut dar.
Bild: dpazu Dresden
Allerdings kein Vergleich zur Boomstadt Dresden: Dort ist die Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 um 5,6 Prozent gestiegen, der Quadratmeterpreis beträgt 1500 Euro, Tendenz stark steigend. 41,4 Prozent der Dresdner Kinder gehen in Kitas und mit 20,9 Prozent hat Dresden den größten Anteil an hochqualifizierten Beschäftigten. Die sind allerdings mit pro Jahr erwirtschafteten 50.142 Euro relativ unproduktiv.
Bild: dpa/dpawebDortmund verglichen
Die Dortmunder Arbeitnehmer liegen mit pro Jahr erwirtschafteten 62.472 Euro pro Kopf im zweiten Drittel der verglichenen Städte. Mit 551 Euro, die die Stadt pro Kopf an Steuern einnimmt, liegt Dortmund im Ranking sehr weit vorne. Dafür sind nur 11,2 Prozent der Arbeitnehmer hochqualifiziert.
Bild: dpamit Leipzig
Leipzig hat nach Dresden die meisten Neubürger hinzugewinnen können. Zwischen 2005 und 2010 wurden es rund vier Prozent mehr Bürger. Demgegenüber steht eine sehr hoher Leerstandsrate von zehn Prozent. Ebenfalls direkt hinter Dresden steht Leipzig bei dem Anteil der hochqualifizierten an den Beschäftigten: 17,3 Prozent haben die Hochschulreife oder ein Studium.
Duisburg-Bruckhausen versus...
In der Ruhrstadt Duisburg stehen 5,5 Prozent aller Häuser leer, zwischen 2005 und 2010 verließen 2,4 Prozent der Einwohner die Stadt. Dafür liegt der Kaufpreis für Immobilien pro Quadratmeter mit 100 Euro und weniger im unteren Drittel. 8,5 Prozent der Kinder in Duisburg gehen in eine Kindertagesstätte, der Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten beträgt 9,5 Prozent. Pro Erwachsenem nimmt die Stadt 461 Euro an Steuern ein.
Alle Daten basieren auf den Auswertungen zum Städteranking der WirtschaftsWoche - einer Analyse der 50 größten Städte Deutschlands.
Überschuldete Städte, Negativrekorde bei Arbeitslosigkeit, sozialen Problemen und Abwanderung: Wer der veröffentlichten Meinung folgt, muss Nordrhein-Westfalen für den größten Problemfall unter den deutschen Bundesländern halten. Verstärkt wird dieses Bild noch durch das Auftreten von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die sich zuletzt vehement für eine Umverteilung von Fördergeldern aus Ostdeutschland ins Ruhrgebiet stark machte. Das Bundesländer-Ranking zeigt jedoch eine andere Wahrheit. Auf dem letzten Platz liegt NRW einzig bei der Zahl der Kita-Plätze pro Einwohner, insgesamt erreicht das Bundesland im Niveau-Ranking den achten, bei der Dynamik den zwölften Platz. Keine herausragenden Werte, doch sie zeugen von einer Konstanz, die NRW seit Jahren ins Mittelfeld des Rankings bringt.
Bild: dpaVermögen
Die öffentlichen Finanzen mögen im Ruhrgebiet marode sein, bei den privaten Vermögen jedoch hat sich auch hier der jüngste Aufschwung deutlich bemerkbar gemacht. In absoluten Werten erreichen die meisten Ruhrgebietsstädte höhere Werte als die Soli-Empfänger im Osten.
Verfügbares Einkommen
(Veränderung 2005-2010; westdeutsche Städte gefettet)
Herne 12,3% Halle (Saale) 11,1% Oberhausen 11% Chemnitz 10,6% Erfurt 9,9% Gelsenkirchen 9,6% Mülheim an der Ruhr 9,1% Essen 8,5% Bochum 7,6% Dortmund 7,5% Leipzig 7% Magdeburg 6,9% Rostock 6,3% Duisburg 5% Dresden 4,9% Quelle: VGR der Länder
Bild: dpaImmobilien
Zwar sind die Leerstandsraten im Ruhrgebiet geringer als im Osten, entscheidend ist hier jedoch der Trend: Während die Mietpreise in den ostdeutschen Metropolen stagnieren oder wie in Dresden gar zweistellig steigen, geht es im Ruhrgebiet vielerorts bergab.
Leerstandsrate
(2009)
Bochum 3% Mülheim (Ruhr) 3% Dortmund 3,1% Dresden 3,4% Erfurt 3,4% Oberhausen 3,7% Essen 4,3% Rostock 4,7% Gelsenkirchen 4,8% Herne 5,2% Duisburg 5,5% Magdeburg 7,7% Leipzig 10% Halle (Saale) 10,5% Chemnitz 10,5% Quelle: Empirica Leerstandsindex
Bild: dpaSteuern
Diese Statistik würde man im Ruhrgebiet wohl am liebsten unter Verschluss halten. Denn dass die Städte dort immer tiefer in Schulden versinken, scheint auch an ihrem Umgang mit Geld zu liegen: Die Steuerkraft Mülheims ist fast dreimal so hoch wie die von Halle an der Saale.
Gemeindliche Steuerkraft
(2010 je Einwohner)
Mülheim an der Ruhr 815€ Essen 725€ Dortmund 551€ Bochum 550€ Gelsenkirchen 499€ Oberhausen 496€ Dresden 463€ Duisburg 461€ Magdeburg 449€ Leipzig 440€ Herne 437€ Chemnitz 424€ Rostock 409€ Erfurt 395€ Halle (Saale) 345€ Quelle: Statistisches Bundesamt
Bild: dpaJobs
Zwar steht in der Arbeitslosenstatistik der letzten Jahren bei jeder Stadt eine Verbesserung, für Städte wie Oberhausen oder Herne bedeuten die Zahlen dennoch eine bittere Einsicht: Neben vergleichbaren Städten im Osten wie Erfurt oder Magdeburg verlieren sie an Boden.
Arbeitslosenquote
(Rückgang 2005-2010)
Gelsenkirchen –9,1% Erfurt –8,7% Magdeburg –7,3% Leipzig –6,8% Halle (Saale) –6,7% Rostock –6,5% Dortmund –5,1% Chemnitz –4,9% Herne –4,9% Bochum –4,7% Duisburg –4,5% Essen –4,3% Dresden –3,7% Oberhausen –3,6% Mülheim an der Ruhr –2,3% Quelle: BA
Bild: dpaAusbildung
Schulabbrecher von heute sind Langzeitarbeitslose von morgen. Das weiß auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die in NRW die „vorbeugende Sozialpolitik“ predigt. So gibt es im Ruhrgebiet positive Ausreißer wie Herne, am Ende der Skala ist der Westen jedoch unter sich.
Schulabgänger ohne Abschluss
(Veränderung 2005-2010)
Magdeburg -3,3% Herne -2,3% Erfurt -1,8% Chemnitz -1,3% Halle (Saale) -1,1% Gelsenkirchen -1,1% Essen -1,1% Mülheim an der Ruhr -1,1% Leipzig -0,9% Dresden -0,9% Bochum -0,7% Duisburg -0,6% Rostock -0,3% Oberhausen 0,1% Dortmund 1,0% Quelle: VGR der Länder
Bild: dpaKinderbetreuung
Düsterer Höhepunkt einer schlechten Bilanz: Bei der Kita-Abdeckung ist das Ruhrgebiet nicht nur im Vergleich mit dem Osten, sondern bundesweit hinten dran. Immerhin: Zuletzt bescheinigte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) dem Land deutliche Fortschritte.
Kita-Betreuung
(Anteil 2010)
Rostock 54,9% Magdeburg 52,9% Halle (Saale) 49,8% Chemnitz 43,9% Leipzig 42,7% Dresden 41,4% Erfurt 38,5% Dortmund 16,2% Bochum 15,7% Essen 12,7% Gelsenkirchen 12,3% Mülheim an der Ruhr 11,5% Herne 11,1% Oberhausen 9,0% Duisburg 8,5% Quelle: Statistisches Bundesamt
Bild: dpaDemografie
Viele Probleme des Ruhrgebiets gehen auf diese Statistik zurück: Während im Osten viele Städte nach einem abrupten Absinken ihre Einwohnerzahlen stabilisiert haben, sinken sie im Westen langsamer, aber unaufhaltsam. Das mindert Einnahmen und macht Infrastruktur unbezahlbar.
Einwohnerzahl
(Veränderung 2005-2010)
Dresden 5,6% Leipzig 4,0% Rostock 1,7% Erfurt 1,1% Magdeburg 1,0% Dortmund -1,3% Chemnitz -1,4% Mülheim an der Ruhr -1,5% Halle (Saale) -1,8% Essen -1,8% Duisburg -2,4% Oberhausen -2,7% Bochum -2,8% Herne -3,6% Gelsenkirchen -3,8% Quelle: Statistische Landesämter
Bild: dpaTalente
Im Ruhrgebiet rächt sich bis heute, dass die Industrie lange Zeit nur eines wollte: billige Arbeitskräfte. Unqualifizierte Zuwanderung wurde gefördert, Universitäten entstanden spät und in geringer Zahl. Bis heute leiden viele Städte an einem Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften.
Anteil hochqualifizierte Beschäftigte
(Anteil 2010)
Dresden 20,9% Leipzig 17,3% Chemnitz 15,9% Rostock 14,3% Halle (Saale) 14,2% Erfurt 14,0% Essen 13,7% Magdeburg 13,2% Dortmund 11,2% Bochum 10,6% Mülheim an der Ruhr 10,3% Duisburg 9,5% Gelsenkirchen 8,5% Herne 8,0% Oberhausen 7,3% Quelle: BA
Vermögen
Die öffentlichen Finanzen mögen im Ruhrgebiet marode sein, bei den privaten Vermögen jedoch hat sich auch hier der jüngste Aufschwung deutlich bemerkbar gemacht. In absoluten Werten erreichen die meisten Ruhrgebietsstädte höhere Werte als die Soli-Empfänger im Osten.
Verfügbares Einkommen (Veränderung 2005-2010; westdeutsche Städte gefettet) | |
| Herne | 12,3% |
| Halle (Saale) | 11,1% |
| Oberhausen | 11% |
| Chemnitz | 10,6% |
| Erfurt | 9,9% |
| Gelsenkirchen | 9,6% |
| Mülheim an der Ruhr | 9,1% |
| Essen | 8,5% |
| Bochum | 7,6% |
| Dortmund | 7,5% |
| Leipzig | 7% |
| Magdeburg | 6,9% |
| Rostock | 6,3% |
| Duisburg | 5% |
| Dresden | 4,9% |
Quelle: VGR der Länder
Die Stabilität ergibt sich aus zwei gegenläufigen Entwicklungen: Einerseits sind die sozialen Probleme kaum anderswo so groß wie im industrialisierten Westen der Republik, andererseits sind zwischen Rhein und Weser viele innovative Unternehmen versammelt. Das spiegelt sich in den Indikatoren des Bundesländer-Rankings. Demnach ist NRW das einzige Bundesland, in dem sich trotz Aufschwung die Zahl der Hartz-IV-Empfänger nicht verringert hat, zugleich ist die Anzahl der Straftaten hier schneller gestiegen als irgendwo sonst (plus 4,9 Prozent). Außerdem weist das Land nach wie vor exzellente Zahlen beim Anteil wissensintensiver Dienstleistungen an der Wertschöpfung auf (Rang 4), auch bei der Relation von Patenten zu Einwohnern (Rang 4) landet NRW in der Spitzengruppe, die Investitionsquote stieg zwischen 2008 und 2011 gar stärker (plus 5,6 Prozent) als in irgendeinem anderen Bundesland.
Verlierer im Aufschwung
Alles andere als stabil ist die Situation in Hessen. Das reiche Bundesland gehört zu den Verlierern des Aufschwungs. Insgesamt ist das Land nach wie vor auf dem vierten Rang platziert, in einigen Kategorien schwächelt Hessen jedoch deutlich. So war die Wohlstandsentwicklung nirgendwo schlechter als in Hessen. Die Forscher vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) machen dabei eine Zweiteilung im Land aus. „Die Probleme sind vor allem auf die Veränderungen in der Finanzbranche zurückzuführen“, sagt IW-Experte Michael Bahrke. Während sich der Norden des Landes rund um das industrielle Zentrum Kassel im Untersuchungszeitraum erstaunlich robust entwickelt hat, entwickelten sich die Unternehmen aus dem Raum Frankfurt deutlich schwächer, bauten zum Teil Personal ab und verbuchten Umsatzeinbußen. Die Folge: Zwischen 2008 und 2011 ist das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent geschrumpft (Rang 14), die Steuerkraft verringert sich gar um 10,5 Prozent (Rang 16). Entsprechend stiegen die Schulden der öffentlichen Hand um 7,4 Prozent (Rang 15), schneller in die Miesen rutschte die Bilanz nur im Saarland.
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