Bundesländerranking: Was Deutschland von Schweinfurt lernen kann

Bundesländerranking: Was Deutschland von Schweinfurt lernen kann

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Von Demonstrationen wegen massenhafter Werksschließungen ist im bayerischen Schweinfurt heute nichts mehr zu spüren - das Land hat der Gemeinde erfolgreich unter die Arme gegriffen.

von Bert Losse und Konrad Fischer

Der große Vergleich von WirtschaftsWoche und Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sieht Bayern weit enteilt, während der einzig ernst zu nehmende Konkurrent Baden-Württemberg schwächelt. Auf der Suche nach dem Kern des ewig bayrischen Erfolgs.

Es wäre der perfekte Moment gewesen, sich dem Jubel der Massen hinzugeben, einmal den Volkstribun zu spielen. Im Herbst 1993 kommt der damalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) nach Schweinfurt, die Stadt liegt am Boden. Die Arbeitslosigkeit kratzt an der Marke von 20 Prozent, westdeutscher Höchstwert. Innerhalb eines Jahres sind 10.000 Stellen verloren gegangen, in einer Stadt von 50.000 Einwohnern.
Die drei großen Arbeitgeber der Stadt, die Wälzlagerhersteller SKF, FAG und Sachs, befinden sich allesamt in existenziellen Krisen, bei FAG scheint der Konkurs kaum noch abwendbar.

Hilfe vom Land

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Den ganzen Sommer über hat die IG Metall Tausende Arbeiter auf die Straßen getrieben, mal bilden sie eine Fackelkette von den Fabriken zum Arbeitsamt, mal pusten Zehntausende in die Trillerpfeifen, die Kirchenglocken schlagen dazu den mahnenden Takt.

Die IG Metall in Zahlen

  • 50.000 Betriebsräte

    hat die IG Metall in Deutschland

  • 460 Millionen Euro

    verzeichnet die IG Metall an jährlichen Einnahmen

  • 2,2 Millionen Mitglieder

    hat die IG Metall aktuell

  • 80.000 Vertrauensleute

    sitzen in den Betreiben

  • 160 Niederlassungen

    hat die IG Metall im ganzen Bundesgebiet

  • Rund 2 Milliarden Euro

    besitzt die IG Metall als geschätztes Gesamtvermögen

  • 1700 Aufsichtsräte

    sitzen in Industrieunternehmen, darunter befinden sich acht Dax-Konzerne

  • 158 Milliarden Euro

    Marktkapitalisierung haben die vier Konzerne, in denen Berthold Huber im Aufsichtsrat sitzt

Doch Stoiber widersteht der Versuchung. Statt Millionenbürgschaften für die maroden Unternehmen bringt er ein vages Versprechen: Bayern werde Schweinfurt unterstützen, es zum Beispiel für den Strukturwandel stark machen. Als Sofortmaßnahme soll eine Abteilung des Landessozialgerichts an den Main verlagert werden, mit 50 Arbeitsplätzen. Die Trillerpfeifen werden lauter.

Bundesländerranking Die Stärken und Schwächen der deutschen Bundesländer

Brandenburg ist das dynamischste Land, dafür haben die Bayern in der Gesamtwertung die Nase vorn. Sehen Sie hier, wo die einzelnen Bundesländer punkten - und wo nicht.

Stärken und Schwöchen der Bundesländer

19 Jahre später kann sich Stoibers Erbe Horst Seehofer im wirtschaftspolitischen Erfolg sonnen, der seinen Ursprung auch in dieser Art von Zurückhaltung hat. Sollte er die Landtagswahl im kommenden Jahr gewinnen, wird das daran liegen, dass es den Menschen im Freistaat einfach zu gut geht, um nach Veränderung zu rufen. Schweinfurt ist heute nicht mehr nur Inbegriff einer der letzten schweren Wirtschaftskrisen in Bayern, sondern auch Symbol des viel beneideten Erfolgs: Heute zählt die Region sogar mehr Arbeitsplätze als vor der großen Krise. Bayern zeigt hier, dass es nicht nur die Erfolgswelle zu reiten versteht, sondern auch den Strukturwandel managen kann.

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