Bundespräsident: Deutsche wollen Gauck

Bundespräsident: Deutsche wollen Gauck

Quelle:Reuters

Der Regierung laufen die Kandidaten davon. Der Bevölkerung kann das nur entgegen kommen. Sie will nämlich Joachim Gauck.

Gut jeder zweite Deutsche wünscht sich einer Umfrage zufolge Joachim Gauck als Staatsoberhaupt. In einer Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ sprachen sich 54 Prozent für den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler als neuen Bundespräsidenten aus. An zweiter Stelle folgten in der Umfrage mit jeweils 34 Prozent Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Die Zustimmung für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lag bei 32 Prozent, darauf folgten Bundestagspräsident Norbert Lammert und der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer (beide CDU) mit jeweils 28 Prozent. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle kam nur auf 6 Prozent.

Der 48-Jährige lehnte die Kandidatur jedoch nach kurzer Bedenkzeit ab, auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wurde am Nachmittag nicht mehr als möglicher Kandidat genannt, der frühere Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, verschwand ebenfalls von der Liste. Auch gegen ihn gab es aber Vorbehalte. Die Suche nach einem Konsenskandidaten für das höchste Staatsamt gestaltete sich am Abend schwierig. CSU-Chef Horst Seehofer, als momentaner Bundesratspräsident derzeit auch amtierender Bundespräsident, sagte in München dennoch: "Wir sind auf einem guten Weg." Am Sonntag treffe man sich wieder in Berlin, dann werde sich "einiges klären". Ob er bereits für Sonntag mit einer Einigung rechnet, ließ er offen.

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Merkel zählt nicht mehr auf Rot-Grün

Unabhängig von der Person wünschten sich 79 Prozent der Befragten einen Kandidaten, der nicht aus dem Politikbetrieb kommt. Nur 16 Prozent gaben an, der Kandidat solle ein ausgewiesener Parteipolitiker sein. Trotz der Rücktritte zweier Bundespräsidenten in zwei Jahren sind die meisten Deutschen weiterhin von der Relevanz des Amtes überzeugt. Auf die Frage, ob Deutschland einen Bundespräsidenten brauche, antworteten 69 Prozent mit Ja. Nur 30 Prozent waren der Meinung, Deutschland brauche keinen Bundespräsidenten. Für die Erhebung befragte Emnid am Freitag 500 Personen.

Wulff-Nachfolge Gauck wäre schön, muss aber nicht

Die Parteien wollen sich schnell auf einen Kandidaten einigen. Die SPD wünscht sich Joachim Gauck ins Schloss Bellevue, besteht aber nicht auf ihm. Hauptsache kein Mitglied des Bundeskabinetts.

huGO-BildID: 25228904 Der DDR-Bürgerrechtler und langjährige Leiter der Stasi- Unterlagenbehörde, Joachim Gauck liest am Freitag (17.02.2012) im Koblenzer Stadttheater aus seinem Buch "Winter im Sommer, Frühling im Herbst". Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Wulff ist Gauck als Nachfolger wieder im Gespräch. Foto: Thomas Frey dpa/lrs +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Nach wochenlanger Kritik wegen zinsgünstiger Kredite und umstrittener Kontakte zu Unternehmerfreunden war Christian Wulff am Freitag vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor beim Bundestag die Aufhebung der Immunität des Staatsoberhaupts beantragt, um gegen Wulff ermitteln zu können - ein beispielloser Schritt in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Spitzen der Koalition wollten am Sonntag ihre Beratungen über mögliche Kandidaten fortsetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der nur dünnen Mehrheit von Union und FDP in der Bundesversammlung das Ziel ausgegeben, gemeinsam mit SPD und Grünen einen Kandidaten zu finden.

Quelle:  Reuters
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