Bundespräsident: Ein Fan der freien Marktwirtschaft

Bundespräsident: Ein Fan der freien Marktwirtschaft

von Hans Jakob Ginsburg

Für den künftigen Bundespräsidenten ist die freie Marktwirtschaft der Gegenentwurf zu Unterdrückung im einstigen Sozialismus. Das macht Joachim Gauck aber nicht automatisch zu einem Unternehmerfreund.

Bei aller Kritik, die der zukünftige Bundespräsident Joachim Gauck in den wenigen Tagen seit seiner Nominierung zu hören bekommen hat: Geradlinigkeit und Prinzipientreue spricht ihm keiner ab. Also wird er weiter das sagen, was er bisher schon gesagt hat: „Wer ausgerechnet aus der Wirtschaft alle Freiheit herausnimmt, der wird scheitern.“ Ein Bundespräsident als beredter Fan der freien Marktwirtschaft – nicht ganz selbstverständlich in der Geschichte dieses Amtes.

Das gilt auch, wenn man das zitierte Statement weiter nachliest: „Ich plädiere, es so zu machen wie im Sport, wir schaffen den Fußball nicht ab, weil es Raubeine und Foulspiele gibt, aber wir setzen Regeln und sanktionieren den Regelvorstoß.“ Fragt sich nur, ob das Spiel dann zu einer Art American Football wird, also zu einer ritualisierten Massenschlägerei, oder zu europäischem Fußball mit rigiden Fair-Play-Regeln. Doch darüber entscheiden Parlamente und Regierungen. Das repräsentative Staatsoberhaupt ist nicht der Oberschiedsrichter, aber doch im günstigen Fall die Stimme eines Publikums, dessen Wohlwollen den Spielbetrieb überhaupt erst ermöglicht.

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Erwartungen an die Schwachen

Darum haben die Spieler aus dem wirtschaftsliberalen Lager Grund zur Hoffnung auf den künftigen Präsidenten. Er selbst berichtet, wie er einem Chauffeur, dessen Cousin mit Hartz IV und Sozialleistungen kaum weniger Geld im Monat hat als der Chauffeur selber, geraten hat, „dass er denen erzählen soll, wie gut es sich mit Arbeit fühlt“. Auch beim Thema Migranten in Deutschland denkt er erst einmal ans Fordern: „Es schwächt die Schwachen, wenn wir nichts von ihnen erwarten.“

Gauck tritt für Freiheit ein. Und die ist für ihn der diametrale Gegenentwurf zur Unterdrückung und Gängelung im realen Sozialismus der DDR. Das begründet Gaucks Sympathie für die freie Wirtschaft, aber keineswegs automatisch für ihre Träger. Jeder von Gaucks präsidialen Vorgängern seit 1949 hatte aufgrund seines beruflichen Vorlebens im Westen mehr Kontakt zu Unternehmern als der einstige Pastor aus Rostock-Evershagen. Das Foto von einem Berliner Gala-Event von 2010, das Gauck zwischen dem hannoverschen Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer und dessen Lebensgefährtin ablichtet, ist aus heutiger Sicht natürlich eine PR-Panne, aber untypisch und harmlos: Wer von uns würde schon ablehnen, wenn es um ein Glas Champagner mit Veronica Ferres geht?

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