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Bundespräsident: Ganz ordentlich, Herr Gauck

Quelle: dpa

Die Menschen mögen ihn, die Politik hat sich noch nicht ganz an den Pastor aus Rostock gewöhnt. Bundespräsident Gauck hat einen neuen Stil und neue Inhalte mit ins Amt gebracht. Überraschend oft ist er in den Schlagzeilen. Nicht immer ist das gewollt.

Gauck vor der Vereidigung. Er zieht als elfter Bundespräsident ins Schloss Bellevue ein.

Bild: dapd

Wenn es so weiter geht, steht uns noch einiges bevor. Denn reibungslos waren sie nicht, die ersten 100 Tage des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Nach eher zaghaftem Beginn hat er fast Woche für Woche Aufmerksamkeit gefunden, auch Kritik und Kontroversen ausgelöst, zuletzt mit seiner aufgeschobenen Unterschrift unter Fiskalpakt und Euro-Rettungsschirm, oder mit seiner Rede über Auslandseinsätze der Bundeswehr, „Mut-Bürger“ in Uniform und die „glückssüchtigen“ Deutschen.

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Auch die Absage eines Besuchs in der Ukraine, die Warnung vor Planwirtschaft bei der Energiewende, der Islam, der vielleicht doch nicht zu Deutschland gehört, und der spektakuläre Abschied von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) liegen noch nicht lange zurück. Dazwischen hat uns der 72-Jährige starke Bilder beschert, emotionale Jubelszenen aus Fußballstadien, Trauer in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, würdiges Erinnern im holländischen Breda. Fast immer dabei war Lebensgefährtin Daniela Schadt, die zwar zugibt, ihre neue Rolle noch nicht ganz gefunden zu haben, die aber große Sympathie und Anerkennung findet.

Plakative Botschaften sind Gauck fremd

Manchmal scheint das erste Paar der Republik noch überrascht von der neuen Rolle und Prominenz. Vor dem Treffen mit der niederländischen Königin Beatrix etwa sagte Gauck: „Ich übernachte heute im Schloss - auch schön so etwas.“ Vielleicht erstaunlich, dass es die eine große Rede des großen Redners Gauck noch nicht gegeben hat, dass das große Thema seiner Amtszeit noch nicht zu erkennen ist. Vielleicht soll es das auch gar nicht geben. Plakative Botschaften sind dem Ex-Pastor aus der DDR fremd. Das unterscheidet Gauck wohl auch von seinem Vorgänger Christian Wulff, dessen wichtigsten Satz, wonach der „Islam auch zu Deutschland gehört“, er bereits öffentlich zerpflückt hat. Gauck bekommt dafür Zustimmung von der CSU, Kritik von den Grünen. Manchmal sind es nicht die festlichen Reden, sondern kleine, eigentlich nur protokollarische Auftritte, die Zeichen setzen. Die Entlassung Röttgens mit sehr herzlichen Worten war ein solcher Moment, in dem Gauck - bewusst oder nicht - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besonders schlecht aussehen ließ.

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