Bundespräsidenten-Wahl: Die Versehentlichen

Bundespräsidenten-Wahl: Die Versehentlichen

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Bundespräsident Horst Köhler (l.) und seine Herausforderin Gesine Schwan

Gesine Schwan und Horst Köhler sind seltsam unbeliebt bei denen, die sie morgen wählen. Das spricht für beide - und gegen die Illusionen, die sich “linke Mitte” und “bürgerliches Lager” von sich selbst machen.

Preisfrage: Horst Köhler oder Gesine Schwan - von welchem der beiden Kandidaten, die sich morgen um das Amt des Bundespräsidenten/der Bundespräsidentin bewerben, stammen folgende Sätze: “Einige Manager verzichten ja auch. Herr Ackermann und seine Kollegen zum Beispiel haben freiwillig auf einen erheblichen Teil ihres Gehalts verzichtet. Das ist eine wichtige Geste“? Und wem lässt sich wohl folgendes Zitat zuordnen: „Schrankenlose Freiheit birgt Zerstörung. Der Markt braucht Regeln und Moral… Freiheit ist kein Vorrecht, die besten Plätze für sich selbst zu reservieren“?

Vor fünf Jahren, als Horst Köhler und Gesine Schwan zum ersten Mal im Wettstreit lagen, wäre einem die Antwort nicht schwer gefallen. Horst Köhler, klar, der Ökonom, ehemals  Sparkassendirektor, Staatssekretär im Finanzministerium und Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), hätte um Verständnis für Josef Ackermann geworben und dem Chef der Deutschen Bank sogar etwas Leitbildhaftes abgewonnen, etwa weil Leistung sich lohnen müsse…, die Aktionäre und Aufsichtsräte selbst zu bestimmen hätten…, die deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb… - und der Kampf um die besten Köpfe…

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Gesine Schwan hingegen, die studierte Romanistin, habilitierte Politikwissenschaftlerin und  Präsidentin der Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, ja, der mochte man damals wohl zutrauen, dass sie dem Prozess der Globalisierung im Himmelreich der Theorie gewachsen sei - aber ganz bestimmt nicht, dass sie sich im „stahlharten Gehäuse“ der modernen rationalen kapitalistischen Wirtschaft alltagspraktisch bewähren könnte.

Schwan statt Köhler

Die Zeiten haben sich, wie jeder weiß, geändert. Und so ist es heute Gesine Schwan, die SPD-Kandidatin, die Josef Ackermann guten Willen bescheinigt - und Horst Köhler, der Kandidat von Union und FDP, der Ackermann an die Kandare nimmt. Man stelle sich nur mal für einen Moment vor, Gesine Schwan hätte die Finanzmärkte als „Monster“ bezeichnet, ihre „Entgrenzung und Bindungslosigkeit“ beklagt und einen „starken Staat“ gefordert, „der dem Markt Regeln setzt und für ihre Durchsetzung sorgt“… - FDP-Chef Guido Westerwelle hätte die Bundesrepublik an der Schwelle zum Staatssozialismus gesehen.

Weil Gesine Schwan nicht annähernd so verbalradikal auftritt wie Köhler, hat sie die Wahl schon so gut wie verloren. Einige in der SPD, aber auch auf Seiten der Grünen und Linken, hätten es wohl gern gesehen, wenn Schwan ein bisschen härter mit der Geldelite ins Gericht gegangen wäre. Stattdessen kanzelte sie beispielsweise Juso-Chefin Franziska Drohsel öffentlich ab, als sie in jugendlich-rotwangigem Eifer über die Abschaffung des  Privateigentums nachdachte. Und so ist es Horst Köhler, der Drohsel in diesen Wochen am weitesten entgegen kommt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll dem Allgemeinwohl dienen“.

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