Bundesregierung : Rentenpaket teurer als angekündigt

Bundesregierung : Rentenpaket teurer als angekündigt

Die Bundesregierung drückt bei der Umsetzung ihrer Rentenpläne aufs Tempo. Doch noch sind viele Fragen offen - und das Rentenpaket wird wohl teurer als angekündigt.

Noch vergangene Woche bestimmte die Rente mit 63 die öffentliche Diskussion. Demnach ist nur jeder dritte Arbeitnehmer bereit bis zum regulären Rentenalter von 67 Jahren im Beruf bleiben. Die Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) würde dagegen gern schon mit 63 Jahren in Rente gehen, ergab eine Umfrage von infratest dimap im Auftrag der „Welt am Sonntag“. Nun ist bekannt geworden, dass das Rentenpaket der Bundesregierung voraussichtlich 73 Milliarden Euro teurer wird, als von der Bundesarbeitsministerin bisher geschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen, der im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die bisherigen Kostenschätzungen der Bundesregierung überprüft und mit seinen eigenen Berechnungen verglichen hat.

Bertelsmanns Renten-Studie Das Familiendrama des Rentensystems

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt die himmelschreiende Benachteiligung von Familien durch das Rentensystem. Das ist ein Weckruf für die ignorante Renten- und Demografiepolitik aller Parteien.

Familien werden durch das Steuersystem extrem benachteiligt. Quelle: dpa

Danach wird das Rentenpaket bis 2030 233 Milliarden Euro kosten, eine Zusatzbelastung von mehr als 73 Milliarden Euro. Bislang war man von 160 Milliarden Euro ausgegangen. Der Grund sind höhere Inanspruchnahme und Einnahmeausfälle, die bisher im Gesetzentwurf nicht hinreichend berücksichtigt wurden. Das Hauptproblem stellt nach Prof. Schnabels Berechnungen der vorgezogene Rückzug aus dem Arbeitsmarkt dar. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass fast alle Anspruchsberechtigten die Chance zum früheren Renteneintritt genutzt hätten. Die Zahl der Rentner werde deshalb nicht nur um 100.000, sondern eher um 250.000. Die Folge: Die Mehrausgaben für die Rentenkasse steigen an, und die Sozialbeiträge und Steuereinnahmen gehen zurück. Angesichts des demographischen Wandels, der Verschuldungslage in Deutschland und im Hinblick auf Rezessionsrisiken sei dies fahrlässig, sagt Reinold Schnabel.

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Das Paket besteht aus der abschlagfreien Rente ab 63 für langjährig Versicherte, der verbesserten Mütterrente, der aufgestockten Rente für Erwerbsgeminderte und besseren Reha-Leistungen. Insgesamt schlagen die Pläne bis 2030 mit jährlich neun bis elf Milliarden Euro zu Buche. Bezahlt werden soll alles zunächst aus der gefüllten Rentenkasse. In der vergangene Woche hatte Bundeskabinett die Rentenpläne der großen Koalition auf den Weg gebracht. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lobte das umstrittene schwarz-roten Rentenpaket als einen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit. „Wir wollen die Lebensleistung von Menschen besser anerkennen“, sagte sie am Donnerstag im Bundestag. Sie wies die Kritik an dem Vorhaben erneut zurück. „Die, die sich anstrengen, die hart arbeiten, die Kinder erzogen haben, sollen wissen: Ihr Einsatz wird wertgeschätzt.“

(Mit Material von dpa.)

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