Bundestagsbeschluss: Managergehälter und Gesetz: Weniger ist mehr

KommentarBundestagsbeschluss: Managergehälter und Gesetz: Weniger ist mehr

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Der Bundestag verabschiedet heute ein Gesetz, das klären soll, bis zu welcher Höhe Vergütungen für Top-Manager angemessen sind

Wirtschaftswoche-Chefreporter Dieter Schnaas über Managergehälter, Boni - und die Frage, warum VW-Chef Martin Winterkorn im Krisenjahr 2008 rund 147 Prozent mehr verdient als im Vorjahr.

Manfred Wennemer, der ehemalige Chef des Automobilzulieferers Continental, hat gestern eine klugen Satz  gesagt: „Verflixt noch mal“, so Wennemer vor der Abstimmung über das Gesetz zur Angemessenheit von Vorstandsvergütungen im Bundestag, als Eigentümer eines Unternehmens könne er dem Vorstand bezahlen was er wolle, auch das Tausendfache, ganz egal: „Ich kann mein Geld in einen Bach tun, oder ich kann es dem Management geben.“ Recht hat er. Ob man Geld nun versenkt oder verschenkt – was macht das schon?

Mal ehrlich, meine Herren Wirtschaftskapitäne: Glauben Sie im Ernst, dass eine vom Aufsichtsrat eingezogene Obergrenze für variable Lohnbestandteile eine politische „Bestrebung“ darstellt, die der „komplexen Unternehmenswirklichkeit nicht gerecht“ wird, wie sie in Ihrem Protestbrief vor einigen Wochen schreiben? Wie komplex muss man sich denn Ihrer Ansicht nach eine Summe von 12,7 Millionen Euro (Jahresgehalt von VW-Chef Martin Winterkorn) vorstellen?

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Nein, liebe Leute, bleibt doch bitte bei der Wahrheit. Eure Gehälter sind in etwa so leicht nachzuvollziehen wie die Transfersummen der Fußballspieler: Man weiß wirklich nicht, warum Ronaldo 93,2 Millionen Euro kostet (und nicht sagen, wir: 62,7 Millionen) – und man weiß wirklich nicht, warum der Chef des einen Energieriesen, Wulf Bernotat, rund fünf Millionen Euro kassiert, der Chef des anderen (Jürgen Großmann, RWE) hingegen neun. Man weiß nur, dass es im Fußball ein bisschen mehr mit Leistung und Vergleichbarkeit zu tun haben muss. Der Rest ist – geschenkt, wie gesagt, oder genauer: Der Rest war bisher ein bisschen wie Selbstbedienung (in einem kleinen Ausschuss) und ist künftig ein bisschen mehr Verhandlungssache (im gesamten Aufsichtsrat). Wo ist das Problem?

Als Boni noch motivierten...

Seid doch froh, dass im Grunde alles so geblieben ist wie ehedem. Ursprünglich sollte ein Bonussystem motivieren; dazu ist es mal ersonnen worden – erinnert Ihr Euch noch? Naja, ist lange her. Darüber kann man glatt vergessen, dass ein Bonussystem, in dem das Festgehalt nur einen Bruchteil des Gesamtgehalts ausmacht, dem Unternehmen durchaus schaden kann, weil es das individuelle Anspruchsdenken fördert und Anreize setzt, die dem Wohl des Unternehmens widersprechen (können). Wer zum Beispiel extrem hohe Gehälter zahlt, setzt sich dem Verdacht aus, extrem hohe Risiken eingehen, fördern und belohnen zu wollen. Und wer einen Manager danach bezahlt, ob er eine kurzfristige Kennziffer erreicht oder nicht, darf sich nicht wundern, dass dieser Manager vor allem an sich denkt – und nicht an die Firma.

Natürlich, Ihr habt recht, das alles ginge die Politik rein gar nichts an - wenn da nicht die Kleinigkeit wäre, dass diese Politik am Ende für die Kosten der Arbeitslosigkeit aufkommen muss, die so mancher (Bank-)Manager verursacht hat – und wenn die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht gezeigt hätte, dass der Staat am Ende für die hoch bezahlte Leistungslosigkeit einiger (weniger!) Manager gerade steht. Daher ist jede Maßnahme, die (auch gesetzlich) dafür sorgt, dass Ihr für Eure Leistung im Dienste eines Unternehmens  bezahlt werdet und nicht im Dienste Eurer selbst, vernünftig und richtig.

Struktureller Unsinn von Bonuszahlungen bleibt

Leider springt das heute im Bundestag beschlossene Gesetz einerseits zu kurz - und geht andererseits nicht weit genug. Denn den strukturellen Unsinn von Bonuszahlungen behebt das Gesetz nicht. Aktienoptionen sind nach wie vor ein spekulativer Bestandteil der Gehälter – und Vollkasko-Verträge für Manager, die so gerne über die Selbstverantwortung anderer Menschen reden, nach wie vor die Regel. Kurzum: Man hätte sich ein Gesetz gewünscht, dass die Grundgehälter deutlich anhebt und die Boni deutlich schmilzt, oder anders gesagt: ein Gesetz, das die Gehälter von den Wirtschaftstrends abkoppelt, an die sie prozyklisch gebunden sind.

Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, zum Beispiel sollte weder mit 14 Millionen Euro dafür belohnt werden, dass er eventuell überzogene Risiken eingeht (2007), noch mit 1,4 Millionen Euro dafür abgespeist werden, wenn die Hütte brennt (2008) und er als Feuerwehrmann rund um die Uhr gefragt ist. Wer hat sich nur einen solchen Unsinn ausgedacht?

Manager unter Generalverdacht?

Das neue Gesetz jedenfalls schreibt den Unsinn munter fort: Verschlechtert sich die Lage eines Unternehmens, muss das Gehalt herabgesetzt werden. Warum eigentlich? Warum sollte die Rettung eines Unternehmens nicht mit einer Sonderzahlung belohnt werden? Insofern, lieber Bundestag, wäre etwas weniger durchaus mehr gewesen. Keine Politik darf sich dem Verdacht aussetzen, sie wolle im Einzelnen entscheiden, wann welches Unternehmen wem wie viel zu zahlen habe. Dass sie es mit dem Gesetz dennoch tut, ist ein großer Fehler: Berlin wehrt nicht genug den Eindruck, es stelle die Manager als Kaste unter Generalverdacht.

Ein abschließendes Wort noch zur Karenzzeit von zwei Jahren, die sich künftig ehemalige Vorstände auferlegen sollen, bevor sie in den Aufsichtsrat wechseln – eine Regelung, für die sich vor allem der Wirtschaftsrat der Union stark gemacht hat: Es gibt gute Gründe für die neue Regel (strikte Trennung zwischen Unternehmensleitung und Aufsicht) – und es gibt gute Gründe dagegen (Erfahrung). Vor allem aber stellt sich die Frage, ob das Gesetz nicht am Kern des Problems vorbei zielt:  In der Finanzkrise schien weniger die Unabhängigkeit der Aufsichtsräte das zentrale Problem zu sein, sondern deren mangelnde Expertise und Kompetenz. Hat eigentlich schon mal jemand über die Begrenzung von Aufsichtsratsgehältern nachgedacht? Aber bitte: Erst nach der nächsten Finanzkrise!

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