Bundestagswahl 2013: SPD-Troika ringt um Kanzlerkandidatur

Bundestagswahl 2013: SPD-Troika ringt um Kanzlerkandidatur

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 11:18 Uhr
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Wer wird 2013 für die SPD antreten? Noch gibt es keine Antwort.

Quelle:Handelsblatt Online

Wer kann am besten Kanzler? Steinbrück, Steinmeier oder doch Sigmar Gabriel? Vieles dürfte sich beim SPD-Parteitag um die K-Frage drehen - auch wenn die Sozialdemokraten offiziell davon nichts wissen wollen.

BerlinPeer Steinbrück hat eine rote Linie gezogen. Unter einer Kanzlerin Angela Merkel will er nicht mehr in ein Kabinett gehen. Sofort wurde spekuliert, der sozialdemokratische Ex-Finanzminister wolle einer neuen Regierung nur als Kanzler angehören. Seine Prognose, was Merkel nach der Wahl im September 2013 machen wird: „Sie wird sich mit der Frage beschäftigen, ob es nicht in Europa einen guten Job gibt.“

Die Kandidatenfrage wird auch beim SPD-Parteitag, der am Sonntag beginnt, eine Rolle spielen. Alle drei bisher gehandelten Kandidaten - Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel - werden mehr oder weniger mit Reden um die Gunst der Parteibasis werben.

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Steinbrück hat derzeit Vorteile, aber das Rennen ist für ihn noch lange nicht gelaufen. Der 64-Jährige ist eine der populärsten, aber in der eigenen Partei auch umstrittensten Führungsfiguren. In seinem Element war er stets, wenn er das große Rad drehen konnte: Banken retten, Hedge-Fonds ärgern oder der Schweiz im Streit um Steueroasen mit Peitsche und Kavallerie drohen.

„Aus der ersten und zweiten Reihe in der Politik werde ich mich zurückziehen“, hatte er noch nach dem SPD-Debakel 2009 verkündet. Dann war Steinbrück plötzlich als Kanzlerkandidat im Spiel. Seitdem scheint es, als steuere er dieses Ziel bewusst an. Allerdings ging nicht wenigen in der Partei die Werbetour mit Altkanzler Helmut Schmidt, der ihm öffentlich das Zeug zum Kanzler attestierte, zu weit. Besonders die SPD-Linke sieht ihn kritisch, Steinbrück titulierte seine Kritiker in der Partei auch schon einmal als „Heulsusen“.

Seine Chancen dürften sinken, sollte sich die Linke beim Parteitag mit ihren Maximalforderungen durchsetzen. Denn die oberste Leitlinie für die K-Wahl lautet: Der Kandidat muss auch zum Programm passen. Ein weiteres Problem: Steinbrück muss aufpassen, dass er nicht Teile der Partei durch ein zu selbstherrliches Auftreten vergrätzt. Netzwerke, auch in der SPD, waren noch nie etwas für den Schachspieler und Vielleser.

In Umfragen ist er der beliebteste SPD-Politiker, weil die Bevölkerung ihn seit der Finanzkrise als guten Krisenmanager in Erinnerung hat. Der Parteitag könnte mit einer Rede, die die SPD-Seele wärmt, ein Schritt sein, die Distanz vieler Mitglieder zu verringern.


Sprunghafter Gabriel

Immer wieder heißt es, Steinbrück wäre der bessere Kandidat, Steinmeier aber der bessere Kanzler. Dieser hatte 2009 als Kanzlerkandidat das schlechteste SPD-Ergebnis nach dem Krieg eingefahren, ist aber in der Partei und fachlich unumstritten. Erfolgreich hat der 55-Jährige die Fraktion geeint. Dort werden bislang die Rezepte für die Zeit nach einem erhofften Machtwechsel erarbeitet.

Der Tischlersohn aus dem westfälischen Detmold begann seine Laufbahn im Schatten von Gerhard Schröder. In der Staatskanzlei in Hannover arbeitete er sich nach dem Jura-Studium rasch nach oben. 1998 folgte er Schröder nach Bonn. Als Chef des Kanzleramts bereitete er auch die Reform-Agenda 2010 wesentlich vor. In der großen Koalition wurde Steinmeier 2005 Außenminister, nach dem Rücktritt von Franz Müntefering übernahm er zusätzlich das Amt des Vizekanzlers. Steinmeier hält sich in der K-Frage bislang ausgesprochen bedeckt. Von einem Ausrutscher Steinbrücks könnte er profitieren.

Schließlich ist da noch die große unbekannte Variable im SPD-Personalkarussell, Parteichef Gabriel. Der 52-Jährige aus Goslar pflegt bisher das Bild der neuen, diesmal friedlichen Troika. Gabriel könnte sich auch selbst vorschlagen, er hat als Parteichef das erste Zugriffsrecht. Allerdings sind seine Popularitätswerte bescheiden. Zudem gilt Gabriel eher als lautsprecherisch und sprunghaft.

Kaum ein anderer Sozialdemokrat stieg so rasch auf und fiel so schnell. Mit 40 Jahren war der Niedersachse Deutschlands jüngster Ministerpräsident, drei Jahre später jagten ihn die Wähler schon wieder aus dem Amt. In Berlin brachte es der körperlich gewichtige Niedersachse zunächst nur zum bespöttelten SPD-Pop-Beauftragten („Siggi Pop“). Eher überraschend kam 2005 die Berufung zum Bundesumweltminister. In diese Aufgabe kniete er sich mit ungewohnter Disziplin hinein. Im Wahlkampf 2009 brachte sich Gabriel mit einer geschickt lancierten Anti-Atomkraft-Kampagne wieder für höhere SPD-Aufgaben in Erinnerung und wurde Parteichef.

Daher sollte man ihn auch nicht unterschätzen. Seine scharfen Attacken und der schlagfertige Witz sind gefürchtet. Eine mitreißende Parteitagsrede und ein erneut exzellentes Ergebnis bei der Wiederwahl könnten ihn im Kandidatenrennen in eine neue Position katapultieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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