Alice Weidel: Die AfD-Frontfrau mit einer Vorliebe für Döner

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Alice Weidel: Die AfD-Frontfrau mit einer Vorliebe für Döner

, aktualisiert 25. Juli 2017, 14:55 Uhr
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Alice Weidel (AfD)

von Mark Fehr und Thomas Schmelzer

Die neue Hoffnungsträgerin der AfD verkauft sich als liberale Ökonomin. Trotzdem wettert sie gegen Migranten und die Eurorettung.

Alice Weidels Profilseite im Absolventenbuch der Universität Bayreuth aus dem Jahr 2004 ist ein interessantes Fundstück. Die frisch graduierten Diplom-Kaufleute und Volkswirte antworten dort unter anderem auf die Frage nach ihrem persönlich furchtbarsten Erlebnis während der Studienzeit. Mancher beichtet von Prüfungsängsten, andere geben die Trennung vom Ex oder peinliche Saufeskapaden preis. Alice Weidel aber hat einen anderen „furchtbarsten Tag“ in Erinnerung. Sie schreibt: „Dönerbude Istanbul geschlossen.“

Studie "Der AfD fehlt wirtschaftspolitische Kompetenz"

Eine aktuelle Untersuchung zeigt, wie die AfD in den Landtagen arbeitet. Studienautor Bernhard Weßels erklärt, warum die Partei in den Parlamenten kaum wirtschaftspolitische Themen bearbeitet.

Quelle: dpa

Von der Spitzenkandidatin einer national gesinnten Partei, die im Bundestagswahlkampf auch mal vor „Grapsch-Migranten“ warnt, würde man kein so sympathisches Bekenntnis zu der populären türkischen Grillspezialität erwarten, dem zwangsläufigen Grundnahrungsmittel vieler küchenscheuer Studenten und gestressten Arbeitnehmer. Und auch sonst deutet nichts in Weidels Lebenslauf mit bayerischer Eliteuni, Chinastudium, Promotion und Berufseinstieg bei einer globalen Investmentbank darauf hin, dass sie sich später einmal einer protektionistischen und islamkritischen Partei anschließen würde.

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Da steht sie nun auf einer engen Bühne in der Mehrzweckhalle des oberpfälzischen Provinzstädtchens Schwandorf und soll mit den 250 Besuchern der dort stattfindenden AfD-Kundgebung über deren Ängste vor Überfremdung und kollabierender innerer Sicherheit reden. Unten auf den Tischen liegen Sticker der Alternative für Deutschland (AfD) und schwarz-rot-goldene Luftschlangen. Oben doziert die AfD-Spitzenkandidatin für den Bundestagswahlkampf über milliardenschwere Target-Salden, dabei geht es um die Schulden maroder Euro-Länder bei der Bundesbank.

Die Gesichter der AfD

  • Frauke Petry

    Geboren in Dresden, promovierte Chemikerin und Unternehmerin, Bundesvorsitzende der AfD. Mutter von vier Kindern, liiert mit dem AfD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell: Das ist Frauke Petry. Sie gilt als pragmatisch und ehrgeizig. Auch wenn sie verbal gerne Gas gibt – inhaltlich steht Petry eher in der Mitte der Partei.

  • Björn Hocke und Alexander Gauland

    Björn Höcke (45) und Alexander Gauland (76) haben im November 2015 gemeinsam „Fünf Grundsätze für Deutschland“ veröffentlicht. Darin wettern sie gegen die „multikulturelle Gesellschaft“ und behaupten, „die politische Korrektheit liegt wie Mehltau auf unserem Land“.

  • Jörg Meuthen

    Meuthen ist geboren in Essen, promovierter Volkswirt, seit 1996 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Kehl (Baden-Württemberg), Bundesvorsitzender der AfD, war Spitzenkandidat seiner Partei bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg und ist seit Mai 2016 Landtagsabgeordneter; er ist verheiratet und hat fünf Kinder. Meuthen gehört zu den wenigen prominenten Vertretern des liberalen Flügels, die nach dem Abgang von Bernd Lucke in der AfD geblieben sind.

  • Beatrix von Storch

    Sie ist geboren in Lübeck, Jurastudium in Heidelberg und Lausanne (Schweiz), Rechtsanwältin, stellvertretende Bundesvorsitzende und AfD-Landesvorsitzende in Berlin, seit 2014 im EU-Parlament, verheiratet. Gilt als ultrakonservativ.

  • Marcus Pretzell

    Marcus Pretzell (43) ist geboren in Rinteln (Niedersachsen), Jurastudium in Heidelberg, Rechtsanwalt und Projektentwickler, seit 2014 Vorsitzender der AfD in Nordrhein-Westfalen, Vater von vier Kindern, seit 2016 verheiratet mit Frauke Petry. Der Europaabgeordnete hat die AfD als „Pegida-Partei“ bezeichnet. Parteifreunde rechnen ihn aber nicht zum rechtsnationalen Flügel.

„Da müssen Sie jetzt durch“

Weidel will das sperrige Thema so einfach wie möglich erklären, aber nach ein paar Minuten stockt sie. „Du verdrehst die Augen, ist das so langweilig?“, fragt sie einen Parteikollegen im Publikum. Weidel versichert sich bei den Zuhörern, dass sie mit ihren Target-Lektionen weitermachen darf. „Da müssen Sie jetzt einfach durch“, ruft sie. Die Euro-Rettung sei nun mal ihr Lieblingsthema. Aber als AfD-Politikerin wird sie wohl wissen, dass Angst und Schrecken beim Publikum besser ziehen als komplizierte Rechnungen: „Es kommen nachher auch noch ein paar Statistiken zur inneren Sicherheit.“

Eurocrash oder Flüchtlingsdrama? Targetsalden oder Kriminalitätsstatistik? Zwischen diesen Spannungsfeldern bewegt sich Frontfrau Weidel in der AfD. Soll die Unternehmensberaterin voll auf ihre liberale Vita setzen, samt Mitgliedschaft in der staatskritischen Hayek-Gesellschaft? Oder soll sie ihre liberalen Überzeugungen über Bord werfen und es dem national-konservativen Flügel um Björn Höcke Recht machen? Hayek oder Höcke, das ist die Frage, auf die AfD-Anhänger eine Antwort von Weidel wollen.

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