FDP startet Kampagnen zur Bundestagswahl - und plötzlich ist die FDP eine „Wir“-Partei

Bundestagswahl 2017

Kampagnenstart zur Bundestagswahl: Plötzlich ist die FDP eine „Wir“-Partei

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"Die Digitalisierung ändert alles, wann ändert sich die Politik": Inhaltlich setzt die FDP auf ihr neues Profil.

von Marc Etzold

Was schon in Nordrhein-Westfalen hervorragend funktionierte, soll die FDP nun in den Bundestag bringen. Für ihre Wahlkampagne setzen die Liberalen voll auf Parteichef Christian Lindner und überraschend auf das „Wir“.

Vor vier Jahren war das Wort noch ein Kampfbegriff – „Wir“. Im damaligen Bundestagswahlkampf plakatierte die SPD „Das Wir entscheidet“. Christian Lindner empfand das als anmaßend. „Sozialdemokraten, Christdemokraten und Grüne stellen nämlich in das Zentrum ihrer politischen Arbeit überwiegend Gemeinschaften“, sagte Lindner in einem Interview mit der Zeit – kurz nachdem die FDP aus dem Bundestag geflogen war und er Parteichef wurde. Bei den Liberalen hingegen stünden die oder der Einzelne im Mittelpunkt.

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Nach der Bundestagswahl könnten viele Koalitionen möglich sein. Eine neue große Koalition, Schwarz-Grün, womöglich Rot-Rot-Grün. Inhaltlich am besten wäre aber eine Koalition aus Union und FDP.

Sollte es nach der Wahl für Schwarz-Gelb reichen? Quelle: dpa

Eine FDP, die auf das „Wir“ setzt, eine FDP, die die Gemeinschaft in den Fokus nimmt? Klingt abwegig? Nicht nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition und einem langen Prozess der inhaltlichen Erneuerung. Das Ergebnis: „Denken wir neu“ – mit diesem Claim ziehen die Liberalen 2017 in den Bundestagswahlkampf. „Wir haben neu gedacht, warum wir in den Bundestag wollen.“ – „Wir wollen das Land erneuern.“ – „Wir wollen den Wohlfahrtsstaat nicht immer weiter ausbauen.“ All das sagt Lindner am Montag bei der Vorstellung der Wahlkampagne im Brandenburger-Tor-Museum in Berlin. Das „Wir“ geht ihm flüssig über die Lippen.

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Und doch unterscheidet sich das „Wir“ der FDP vom „Wir“ der Sozialdemokraten. Lindner sieht die FDP als Bewegung, als Reformpartei, die in den Bundestag gehört, damit Deutschland endlich das notwendige „Update“ bekommt nach vier Jahren großer Koalition. Emmanuel Macron, den neuen französischen Staatspräsidenten, sieht er als Vorbild. Einen Enddreißiger, der es mit liberalen Thesen und Reformprojekten ins höchste Staatsamt geschafft hat. Bundeskanzler wird Christian Lindner nicht, das weiß er. Einen Hauch von Macron und dessen „En Marche“-Bewegung darf es aber schon sein, auch wenn seine FDP keine Mehrheitspartei ist, wie er eingesteht.

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In aktuellen Umfragen stehen die Freien Demokraten zwischen acht und zehn Prozent. Wenn es gut läuft, könnten sie am Ende als dritte Kraft in den Bundestag einziehen. Es wäre ein furioses Comeback und ein persönlicher Erfolg für Christian Lindner, der die Partei in ihrer bittersten Stunde übernommen hatte. Zwar lässt er am Montag seine Generalsekretärin die neuen Plakate und die Kampagnenstrategie vorstellen, auch auf dem letzten Bundesparteitag durfte Nicola Beer die Hauptrede halten, aber doch ist klar: Christian Lindner ist die FDP und die FDP ist Christian Lindner.

Das spiegeln auch die Plakate wieder. Auf ihnen ist nur einer zu sehen: Lindner. In Nordrhein-Westfalen ist diese Strategie aufgegangen. Mit 12,6 Prozent holten die Liberalen dort ihr bestes Ergebnis aller Zeiten. Was im bevölkerungsreichsten Bundesland gelungen ist, soll auch in der gesamten Republik klappen – stets mit Lindner vorweg.

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