These 18: Raus aus der Target-Falle!

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Eines der wichtigsten Euro-Krisensymptome, die sogenannten Target-Salden, deutet vielmehr darauf hin, dass die Krise weiter schwelt – und jederzeit erneut hochkochen kann.

Ein Ausgleich der zwischenstaatlichen Zahlungssalden verringert die Verlustrisiken für die Steuerzahler.

Große Schlagzeilen macht die Euro-Krise derzeit nicht. Das heißt aber keineswegs, dass sie überwunden wäre. Im Gegenteil: Eines der wichtigsten Euro-Krisensymptome, die sogenannten Target-Salden, deutet vielmehr darauf hin, dass die Krise weiter schwelt – und jederzeit erneut hochkochen kann. Target – das ist das Zahlungssystem, über das die nationalen Zentralbanken der Euro-Zone grenzüberschreitende Zahlungen im Auftrag der Geschäftsbanken abwickeln. Im Zuge der Euro-Krise waren die Salden im Target-System drastisch in die Höhe geschnellt. Der Grund: Die Geschäfts- und Zentralbanken der Peripherieländer hatten über das System die Importüberschüsse sowie die Kapitalflucht ihrer Länder finanziert.

Das dafür nötige Zentralbankgeld liehen die Notenbanken den Geschäftsbanken gegen fragwürdige Sicherheiten.

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Zielland Nummer eins der Kapitalflucht war und ist Deutschland. Nachdem die Zuflüsse zwischen Mitte 2012 und Mitte 2014 abgeebbt waren, haben sie seither wieder zugenommen. Dadurch haben sich in der Bilanz der Bundesbank riesige Target-Forderungen gegenüber dem Euro-System aufgebaut. Sollte die Währungsunion zerbrechen, wären die Forderungen wertlos. Für die Bundesbank-Verluste müssten deutsche Steuerzahler aufkommen.

Hans-Werner Sinn Wie wir Europa und den Euro umbauen müssen

Wenn die EU überleben soll, müssen wir vier wichtige Reformen anpacken. Vor allem für den Euro brauchen wir neue Regeln. Wer die nicht einhält, muss im Zweifel gehen. Auch Staatspleiten dürfen kein Tabu sein.

Hans-Werner Sinn fordert längst überfällige Reformen. Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Target-Salden sollten daher eingedämmt werden. Der ehemalige Chef des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, will die nationalen Notenbanken verpflichten, die Salden einmal pro Jahr mit Pfandbriefen auszugleichen. Diese Pfandbriefe seien durch Immobilien, Gold oder die künftigen Steuereinnahmen des ausgebenden Landes zu besichern, so Sinn.

Dazu müssten die Regierungen ihren Kreditbedarf in Zukunft vornehmlich durch Pfandbriefe decken. So entstünden werthaltige Papiere, mit denen die nationalen Notenbanken ihre bestehenden Target-Schulden tilgen können.

Die Bundesbank als Nettogläubiger des Systems erhielte auf diese Weise Pfandbriefe und könnte im Gegenzug die wertlosen Target-Forderungen in ihrer Bilanz ausbuchen.

Und: Für die Notenbanken der Peripherieländer entstünde ein Anreiz, die Geldleihe an die Geschäftsbanken und den damit verbundenen Geldabfluss zu begrenzen, um ihren Bestand an Pfandbriefen zu schonen.

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