These 31: Pleiten sind kein Stigma

Geld ist nie genug da. Das gilt auch für Start-ups in Deutschland. Aber noch wichtiger ist ein breiter Konsens darüber, dass unternehmerischer Mut gut ist.

Das jüngste Start-up aus Deutschland, das es bis in den Dax schaffte? SAP aus dem Jahr 1972. Deutschland tut sich schwer mit einer guten Gründerkultur. Das beginnt in der Schule und setzt sich an der Uni fort. Häufig haben Lehrer ein falsches Bild vom Unternehmer, der zu oft mit Managern in einen Topf geworfen wird. Ein Erfinder, der mit seinen Innovationen made in Germany Milliarden verdient – das ist der Stoff, der an Schulen bejubelt werden sollte. Studenten sollten die Gründung eines Start-ups für ihre Note anrechnen können. Der Staat könnte dies übrigens leicht unterstützen: mit einem Gründerstipendium. Das sollte für alle zugänglich sein – nicht nur, wie bislang, für Arbeitssuchende und Akademiker.

Start-up-Ökosystem 2017: So sieht der Markt in Deutschland aus Sicht von Start-ups, Gründern und Investoren aus

  • Finanzierung und Anreize

    EXIST-Gründerstipendium, KfW-Förderung, Industrie 4.0 Plattform, Digital Hub Initiative
    366 „early stage“-Investments
    Investmentvolumen 2016: USD 967 Mio.
    5 Unicorns

    Quelle: Deutsche Börse und EY (Ernst & Young)

  • Infrastruktur

    Mietkosten: Berlin Ø 16,80 Dollar pro Quadratmeter
    Frankfurt Ø 21,10 Dollar pro Quadratmeter
    Leerstandsquote: Berlin 4 Prozent, Frankfurt 11 Prozent

  • Arbeitskräfte

    5,2 Universitäten auf 1 Million Einwohner - 0,565 Professoren auf 1000 Einwohner
    12,7 Prozent der Bevölkerung mit höherem Bildungsabschluss
    465 Patente von Universitäten genehmigt (2015)
    EU Blaue Karte erleichtert Arbeitserlaubnis nach Universitätsabschluss

  • Unternehmertum

    2015 wurden 763.000 Unternehmen gegründet, 0,0093 Unternehmen pro Kopf
    Scheitern nicht akzeptiert

  • Verwaltung & Bürokratie

    Gründung meist als GmbH oder UG (keine Genehmigung notwendig)
    Gesetzlich vorgeschriebene Buchführungspflicht
    Pflicht zur Aufstellung eines Jahresabschlusses und der Veröffentlichung im Bundesanzeiger
    Für kleine Unternehmen gelten Entlastungsregelungen bei oben genannten Punkten

  • Unternehmensbesteuerung

    Hoher administrativer Aufwand (Melde- und Abgabepflichten auch für Start-ups)
    Körperschaftsteuer: 15 Prozent + 5,5 Prozent Soli = 15,825 Prozent
    Gewerbesteuer: ≈ 15 Prozent (lokale Unterschiede)

  • Forschungs- und Enwicklungsaufwendungen

    Keine spezielle Regelung. In der Regel sofort abziehbar in Höhe der angefallenen Aufwendungen, soweit nicht zu aktivieren (keine Aktivierung selbstgeschaffener Wirtschaftsgüter)

  • Verlustvortrag

    Bis zu einer Million Euro komplett, der eine Million Euro übersteigende Betrag wird zu 60 Prozent des Verlustvortrags verrechnet werden; (zeitlich unbeschränkt)

    Begrenzter körperschaftsteuerlicher Rücktrag des Verlustes ins Vorjahr möglich
    Verlusterhalt u.a. bei stillen Reserven grds. möglich
    Steuerneutrale Umwandlungen ohne Aufdeckung der stillen Reserven grds. möglich

  • Dividendenzahlungen

    25 Prozent Kapitalertragsteuer + Soli. 5,5 Prozent = 26,375 Prozent zu versteuern. (Im Inlandsfall lediglich Timing/Cash-Effekt, im Auslandsfall (Teil-)Freistellung/Erstattung auf Antrag möglich)

  • Besteuerung Kapitalerträge

    Natürliche Personen: Beteiligungsanteil < 1 Prozent Kapitalertragsteuer besitzt abgeltende Wirkung.
    Beteiligungsanteil mindestens 1 Prozent (Veräußerungsgewinne)
    Juristische Personen: Veräußerungsgewinne & Dividenden steuerfrei, 5 Prozent = nicht abzugsfähige Betriebsausgabe
    Teileinkünfteverfahren auf den Carried Interest bei Investitionen von VC / Private Equity Fonds (wenn immaterielle Werte eingebracht werden)

  • Investitionsanreiz

    Förderprogramm INVEST: Nicht rückzahlbarer steuerfreier Erwerbszuschuss i.H.v. 20 Prozent der Kapitalbeteiligung (wenn Bedingungen erfüllt)

  • Unterstützung bei der Gründung

    Beratungsdienst durch IHK eingerichtet

  • Kosten für Gründung

    GmbH: Gründungskapital 25.000€ + zusätzliche Kosten
    AG: Gründungskapital 50.000€ + zusätzliche Kosten

  • Arbeitnehmerschutz

    Betriebsrat ab 5 Arbeitnehmern & 3 wählbaren Arbeitnehmern möglich
    Kündigungsschutz mit > 5 Arbeitnehmern und Zugehörigkeit länger als 6 Monate
    Ungleichbehandlung von Menschen nicht erlaubt, Quoten greifen für Startups nicht

  • Datenschutzrecht

    sehr komplex und streng
    Unternehmen mit > 9 Beschäftigten sind zur Bestellung eines
    Datenschutzbeauftragten verpflichtet
    Hohe Strafen bei Verletzung der Datenschutzrechte

Ähnlich mutig sollte der Staat mit Fachkräften aus dem Ausland umgehen. Heute können Arbeitgeber Zuwanderer erst einstellen, wenn sie nachgewiesen haben, dass sich kein anderer EU-Bürger für die Stelle findet. Die Regelung gehört abgeschafft – und durch ein Einwanderungsgesetz ersetzt, das ein Start-up-Visum für ausländische Gründer vorsieht.

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Es ist nie genug Geld da. Doch bei der Start-up-Förderung gibt es kein Staatsversagen, sondern ein Privatversagen. Die Bundesregierung hat die Töpfe für Risikokapital gut gefüllt. Selbst teure Ideen etwa aus der Biotechnologie und Medizintechnik haben gute Chancen, bei den Bundesinitiativen oder den Beteiligungsgesellschaften der Länder Geld einzusammeln. Doch die Vermögenden in Deutschland könnten mehr tun. Laut Start-up-Verband gibt es in Deutschland etwa 5000 Privatleute, die Geld in Gründer investieren. In den USA sind es 200.000. Die deutsche Regierung muss Investitionen in junge Unternehmen so einfach machen wie in andere Anlageformen. Business Angels brauchen Rechtssicherheit, dass ihre Erlöse aus Start-ups ungeschmälert in neue Start-ups investiert werden können. Und es schadet nicht, wenn der Staat bei Vermögenden verstärkt für ihr Engagement wirbt: Volkswirtschaftlich ist Geld bei Start-ups besser angelegt als etwa beim Kauf von SAP-Aktien.

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