These 36: Ein Land, ein Mobilitätsticket

Der Nahverkehr leistet viel, hat aber ein mieses Image. Um eine tragende Rolle bei der Mobilität zu spielen, sollte er das Reisen erleichtern.

Die Kreativität der Marketingleute im deutschen Nahverkehr kennt keine Grenzen. Auf dem Land und in den Städten gibt es Bärentickets, Kolibricards, Hoppertickets, Waben- und Zonentickets – um nur einige zu nennen. Wer viel unterwegs ist, blickt da nicht mehr durch.

Neuer Pendler-Rekord "Der Preis ist zunehmender Stress"

Noch nie pendelten so viele Menschen zur Arbeit wie heute. Teure Mieten in den Städten und Rekordbeschäftigung treiben Arbeitnehmer auf Straße und Schiene. Politiker fordern energisches Gegensteuern.

Die Zahl der Pendler ist auf einem Rekordwert Quelle: dpa

Das Dickicht könnte gelichtet werden: mit einer einheitlichen Mobilitätskarte. Bei dieser können Reisende über eine App auf ihrem Smartphone sämtliche öffentliche Verkehrsangebote kaufen; die Kurzstrecke in München oder das Tagesticket in Hamburg, das Länderticket in Rheinland-Pfalz oder die Monatskarte in Berlin. Oder noch besser: Die App errechnet automatisch, wie viel man zahlen muss, nachdem man sich über das System ein- und wieder ausgeloggt hat.

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Noch bastelt fast jede Region an eigenen Lösungen. Doch der Bund hat gute Möglichkeiten, auf eine bundesweite Mobilitätskarte hinzuwirken. Jedes Jahr überweist er mehr als acht Milliarden Euro an die Länder und Verkehrsverbünde. Die bestellen dafür Regionalzüge und S-Bahnen. Deutschland hat so einen starken Nahverkehr geschaffen, aber das Image blieb auf der Strecke. Jetzt, mitten in der Mobilitätswende, öffnen sich für den Nahverkehr neue Möglichkeiten.

So wird Pendeln erträglicher

  • Regeln vereinbaren

    Regeln Sie den Umgang mit Verspätungen, fragen Sie nach Heimarbeit und Gleitzeit.

  • Probleme klären

    Klären Sie familiäre Probleme am Feierabend. Genießen Sie das Wochenende.

  • Beine hochlegen

    Nicht am Wochenende nachholen, was unter der Woche wegen des Pendelns liegen geblieben ist. Erholen Sie sich lieber.

  • Augen schließen

    Schalten Sie ab – vor allem Laptop und Smartphone. Hören Sie Musik.

Denn der Nahverkehr könnte zum Treiber werden, um die Art, wie die Deutschen von A nach B kommen, zu ändern. Carsharingautos und Fahrradverleihsysteme sollten sich auf die Plattform schalten können. Die App sollte auch als Eintrittskarte für Ladesäulen für Elektroautos weiterentwickelt werden. Der Bund könnte sogar Druck auf Städte ausüben mitzumachen. Schließlich finanziert er dort oft große Verkehrsprojekte.

Die Deutsche Bahn will als erster Konzern ein Angebot für solch ein System vorlegen. Noch steckt das Projekt in der Pilotphase. Doch die Zeit drängt: Je mehr Lieferdienste die Innenstädte verstopfen, je mehr dreckige Fahrverbote für dreckige Diesel drohen – desto wichtiger wird es, den Nahverkehr nicht nur als theoretische Alternative anzubieten, sondern die Nutzung in der Praxis zu erleichtern.

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