Was im Wahlkampf fehlt: Ermächtigung zur Selbsthilfe wäre die beste Wahlbotschaft

kolumneWas im Wahlkampf fehlt: Ermächtigung zur Selbsthilfe wäre die beste Wahlbotschaft

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Muster für Stimmzettel zur Bundestagswahl 2017.

Kolumne von Miriam Meckel

Man kann durchaus mit guten Gründen zuversichtlich für Deutschland sein. Die liberalen Optimisten, die wir uns wünschen, sind leicht zu finden: in uns selbst.

„Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.“ Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss. So hat Cato der Ältere jede seiner Reden beendet. Heute würden wir das Brainwashing nennen. Es funktionierte. Der römische Senat stimmte schließlich zu, und Karthago wurde zerstört. Auch heute funktioniert das. Wenn man oft genug beschreit, was in Deutschland alles nicht stimmt, glaubt man es irgendwann selbst.

Wir sind wahrlich nicht die Beweglichsten unter der Sonne des Fortschritts. Aber wenn man sich einmal in der Welt umschaut, dann ist Deutschland unter vielen Staaten, die blind sind gegenüber den Voraussetzungen eines guten Lebens, doch als Einäugiger mindestens mal im Vorteil. Anders gesagt: Wir müssen Veränderung fordern, aber wir dürfen dabei auch zugestehen: Das Glas ist halb voll. Es gibt gute Gründe, optimistisch in die Zukunft zu schauen, auch wenn es keiner Partei so recht gelingen will, dies im Wahlkampf konkret und deutlich zu machen.

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Bei uns muss niemand drei Stunden (one way) zum Arbeitsplatz pendeln, weil näher dran keine Wohnung mehr bezahlbar ist, wie es im Silicon Valley inzwischen die Regel ist. Niemand muss damit rechnen, enteignet zu werden, weil eine Straße gebaut oder ein Fluss umgebettet wird, wie in China. Man braucht keine Angst zu haben, für eine regierungskritische Äußerung im Knast zu landen, wie es in der Türkei schnell geschehen kann.

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Kartoffel auf einem Sofa Quelle: Getty Images, Montage: WirtschaftsWoche

Und wir stehen auch nicht am Rande eines Bürgerkriegs, wie ihn die Menschen in Venezuela gerade wieder vor Augen haben. Das darf man sich gelegentlich in Erinnerung rufen, damit die Maßstäbe nicht aus dem Lot geraten. Es gibt auch in diesen Zeiten gute Gründe, ein liberaler Optimist zu sein.

Daran fehlt es gelegentlich in diesem Land. An Zuversicht, Optimismus, Zukunftsfreude und der Bereitschaft, für das, was anders und besser werden soll, auch selbst mit Kraft und Risikofreude einzutreten. Und wir Journalistinnen und Journalisten leben davon gut. Ein bisschen den Kritik- und Klageturbo anwerfen, und schon ist wieder eine Geschichte geschrieben.

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Liberale Optimisten können unsere Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen. Wo finden wir die? Nun, vermutlich in uns selbst. Als Unternehmerinnen, Politiker, Journalistinnen und Privatpersonen. Es ist die kühne Idee, Freiheit nicht zuerst als Zumutung zu verstehen, sondern vor allem als die größte Chance, die einem Menschen gegeben werden kann. Dazu müsste die Politik ihre Programme nicht aus den Ängsten der Menschen schnitzen. Schlechteres Klima, neue Grenzwerte. Schlechte Luft, neue E-Autos. Böser Kapitalismus, neue Wettbewerbsregeln. Mehr Zuwanderung, höhere Grenzzäune. Schaden droht, also regulieren wir schnell die Gegenwart und blockieren die Zukunft. Das ist nicht liberal, sondern lähmend.

Die Freiheit des Einzelnen hört erst da auf, wo die des anderen beginnt. Das würde man gerne öfter hören – als modernes „Ceterum censeo“. Man glaubt ja gar nicht, wie viel Spielraum da entsteht.

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