Bundestagswahl: Die große Wählerwanderung

Bundestagswahl: Die große Wählerwanderung

Bild vergrößern

Nichtwähler demonstrieren am Montag (28.09.2009) vor dem Reichstag in Berlin. Bei der Wahl zum 17. Deutschen Bundestag waren nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes rund 62,2 Millionen Deutsche wahlberechtigt. Foto: Rolf Vennenbernd dpa (c) dpa - Bildfunk

Die Partei mit dem größten Zuwachs sitzt nicht im Bundestag - genau genommen gibt es sie gar nicht. Es sind die Nichtwähler. Größter Verlierer bei der Wählerwanderung ist die SPD, aber auch viele Anhänger der Union machten bei anderen Parteien ihr Kreuz.

Fast drei Millionen Menschen, die bei der Bundestagswahl 2005 noch abgestimmt hatten, sind diesmal nicht zur Wahl gegangen berichtet die ARD. Die Nichtwähler übertreffen damit zahlenmäßig die beiden sogenannten Volksparteien Union und SPD. Beide verloren viele Stimmen an die kleinere Konkurrenz aus dem eigenen politischen Lager. Laut ARD blieben allein 1,6 Millionen potenzielle SPD-Wähler zu Hause.  Weitere 1,4 Millionen Wähler seien demnach zur Linken und zur Grünen gewechselt, die etwa gleich stark profitierten. Auch das bürgerliche Lager konnte rund eine Million SPD-Wähler umstimmen. Die Union habe dabei 620.000 zusätzliche Stimmen und die FDP 400.000 bekommen.

Aber auch die Christdemokraten konnten ihre Wähler nur schlecht motivieren, gleichwohl sie dabei erfolgreicher waren als die Sozialdemokraten. Fast eine Million CDU-Wähler sei lieber zu Hause geblieben, berichtet die ARD. Insgesamt haben die beiden Parteien der großen Koalition Stimmen an alle anderen Parteien verloren. Das größte Problem für die Union ist demnach der kommende Koalitionspartner FDP, der mehr als eine Million Wähler von den Konservativen abgeworben habe. Ein Grund sind viele taktische Wähler, die eine durch mit ihrem Kreuz bei der FDP eine Neuauflage von Schwarz-Rot verhindern wollten. Zusammen verloren Union und SPD mehr als 1,5 Millionen Stimmen an die Liberalen. Etwas weniger Stimmen der großen Koalition haben die Grünen abgeworben, jeweils 700.000.

Anzeige

Liberale liegen bei jungen Wählern vor SPD

Die treuesten Anhänger haben der Analyse zu folge die Linke, die als einzige Partei nicht von der insgesamt niedrigen Wahlbeteiligung betroffen war. Kurioser Weise ist die FDP die einzige Partei die von der Linken profitierte. So seien rund 10.000 Wähler zu den Liberalen gewandert. Rund 70.000 Konservative und etwa zehn Mal so viele Sozialdemokraten wählten Links.  

Am meisten Rückhalt haben die großen Parteien bei der älteren Bevölkerung. Beide erzielten bei den Wählern über 60 Jahre ihr bestes Ergebnis – die CDU 42 Prozent und die SPD 29, analysiert die Forschungsgruppe Wahlen. Bei der jüngeren Bevölkerung dagegen fielen die Sozialdemokraten sogar hinter die FDP zurück und holten mit 16 Prozent einen Punkt weniger als die Liberalen. Bei den Arbeitslosen, die traditionell zur SPD-Klientel zählten, liege nun die Linke mit 31 Prozent vorne. Nur noch bei Gewerkschaftsmitgliedern hat die SPD ihre Vormachtstellung verteidigen können und käme hier auf 34 Prozent, was allerdings deutlich weniger ist, als 2005.

Das Wahlergebnis markiere so einen historischen Tiefpunkt bei der SPD und erfordere eine Neuausrichtung der Partei, schreibt die Forschungsgruppe. Gleichzeitig sei der Erfolg der kleineren Parteien ein Basistrend, der von allen Parteien zukünftig mehr Flexibilität auf dem Koalitionsmarkt erfordert.  

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%