_

Kommentar Bundestagswahl: SPD vor einem Desaster

von Henning Krumrey (Berlin)

Die ersten Zahlen aus den Meinungsforschungsinstituten sickern immer schon am Nachmittag durch. Die sogenannte Nachwahlbefragung, also bei jenen, die gerade ihre Stimme abgegeben haben, liefert aktuelle Trends.

Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche
Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

Welche Koalition es gibt, ist noch offen. Aber ein Trend zeichnet sich aus den Nachmittagswerten ab: Die SPD erlebt ein Desaster. Sie kommt auf rund 25 Prozent, schätzen die Auguren der beiden großen Fernsehsender.

Anzeige

25 Prozent – das wäre nicht nur ein Verlust von neun Prozentpunkten, sondern auch der historisch schlechteste Wert in der Geschichte der Bundesrepublik. Der bisherige Minusrekord von 28,8 Prozent datiert aus dem Jahr 1953!

Vor allem die Linkspartei hat davon, den ersten Trends zufolge, profitiert. Der SPD ist es nicht gelungen, wenigstens die zu mobilisieren, die bislang in der Wahlenthaltung schmollten, aber nicht direkt mit fliegenden roten Fahnen zur Linken übergelaufen waren. Schröder hat sie mit seiner Agenda-Politik vertrieben, Schröders rechte Hand Steinmeier konnte sich nicht wieder zurückholen.

Wenn es nicht für eine große Koalition reicht (falls man die noch so nennen kann), wird’s ungemütlich bei den Genossen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 27.09.2009, 21:30 Uhrbewian

    Schröder hat der Partei seinerzeit den "Todesstoß" versetzt. Alles was diese Partei groß gemacht hat, was noch immer Gültigkeit hat, wurde der "Globalisierung" geopfert. Zum Schluss war die Zielsetzung der SPD nur noch konturlos, irgendwo zwischen allen Strömungen, Hauptsache an der "Macht". Wichtige und notwendige Themen wurden nicht oder nur halbherzig umgesetzt. Kein Mindestlohn, erodierende Sozialkassen, Umverteilung von unten nach oben, Arbeit für alle, wo war da denn die Sozialdemokratie? Die SPD wird nie wieder das werden was sie einmal war. Falls es in Zukunft zu einer "Annäherung" an die Linken kommt, um überhaupt weiter wahrgenommen zu werden, wird es nicht mehr für eine Regierungsbeteiligung reichen. Die SPD hat sich selbst ins Abseits gestellt weil sie ihre Grundideen nicht konsequent weiter verfolgt hat. Überwiegend wird die Partei noch von langjährigen Stammwählern angekreuzt, weil sie in der Vergangenheit immer so gewählt haben. Die werden aber nicht mehr sondern weniger. Und viele gehen gar nicht mehr zur Wahl, weil sie lieber kein Kreuz machen als eines bei der Partei, der sie im Grunde nicht vertrauen.
    Jetzt warten wir gespannt auf die neue Koalition. Viel mehr von unten nach oben gibt es ja nicht mehr zu verteilen um so gespannter darf man auf die Lösungen zu brandaktuellen Themenstellungen sein. Gewonnen haben sie, Spaß machen wird der Job aber bestimmt nicht.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Erneuerbare Atomkraft
Erneuerbare Atomkraft

Mit der Energiewende isoliert sich Deutschland in Europa. Und die Gewerkschaft warnt vor Arbeitsplatzverlusten und...

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.