
Niemand lernt in sechs Monaten, Häuserkämpfe und Guerillaattacken zu überleben. Deshalb lehnen auch Militärstrategen die Miniwehrpflicht ab. Zeit ist aber längst nicht der einzige Faktor.
Der normale Rekrut trainiert mit Waffen und Materialien, die augenscheinlich schon in Napoleons Heeren im Einsatz waren. Archäologen jedenfalls hätten ihre helle Freude am Sammelsurium, das die Rekruten in ihren Spinden horten.
In der Seitentasche seiner Uniformhose führt jeder Jungsoldat das obligatorische Verbandpäckchen mit sich, obwohl das deutlich aufgedruckte Haltbarkeitsdatum schon vor Jahrzehnten abgelaufen ist. Die liebevoll eingebläuten Kampftaktiken, wie Schützenreihe oder Schützenrudel, waren allenfalls zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs modern.
Wehrpflicht in dieser Form ist Unsinn.
Zwangsdienst kostet BIP-Wachstum
Abgesehen davon stiehlt die Zwangsrekrutierung junger Männer der Volkswirtschaft wichtige Wachstumspunkte. Doch sie trifft auch die individuelle Lebensplanung empfindlich, denn ehemalige Wehrpflichtige sind beim Aufbau von Humankapital benachteiligt. Teure Investitionen in die persönliche Bildung bringen ihnen weniger als ihren vom Zwangsdienst verschonten Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt.
Die Bundeswehr klaut wertvolle Lebensarbeitszeit, was ehemalige Rekruten vor allem am Ende ihrer zivilen Karriere finanziell zu spüren bekommen. In die besonders hoch entlohnten Positionen steigen sie wegen Zeitmangel oft gar nicht erst auf.
Die Ungerechtigkeit wäre milder, wenn alle dienen müssten. Doch das ist schon längst nicht mehr der Fall. Die Streitkräfte ziehen mittlerweile nur noch geringe Prozentsätze eines Jahrgangs ein. Das ist ein Fall für das Bundesverfassungsgericht – und ein weiterer Grund, die Wehrpflicht abzuschaffen.














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Alle Kommentare lesen27.08.2010, 16:00 UhrAnonymer Benutzer: ÜberdemMeer
Ein aktuelles Thema wird aus volkswirtschaftlicher Sicht sehr gut und sehr interessant dargestellt. Ein sehr empfehlenswerter Artikel.
27.08.2010, 15:19 UhrAnonymer Benutzer: Trauerverein
15 Monate verschwendete Zeit, stupide Tätigkeiten, enorme Verschwendung (bewegungsfahrten,...), schlechte Verpflegung, schlechte Ausrüstung,...
Weg damit!!!!!!!!!!!
27.08.2010, 14:02 UhrAnonymer Benutzer: Ich schon wieder
Die Wehrpflicht muss bestehen bleiben!
Man stelle sich nur mal eine sich erneut verändernde Sicherherheitslage vor, welche das Wiederinführen der wehrpflicht erforderlich machen würde. Wie viele Jahre würde es wohl dauern ausreichend Soldaten für die Landesverteidigung auszubilden?
Welche Schlussfolgerung würden gezogen werden müssen, wenn Deutschland im bedarfsfall die Wehrpflicht wieder aktivieren würde und welche Konsequenzen müsste ein potentieller Gegener daraus unweigerlich ziehen?
Was ist mit all den Ländern in denen eine Wehrpflicht weiterhin existiert, können wir diese automatisch zu unseren "Freunden" rechnen, ähnlich den vielbeschworenen blutsverwandten ala Wilhelm und Niki?
Kann man die Landesverteidigung überhaupt in einem Geldwert messen und diesem dann die Art der Verteidigung bestimmen lassen?
Last but not least: Was ist das für eine neue bundeswehr die wir dort erschaffen, eine Verteidigungsarmee oder eine Armee die sich permanet im Einsatz befinden wird?
Allein um dem Grössenwahn und aktiven Gestaltungswillen mancher einen Riegel vorzuschieben:
Die Wehrpflicht muss bleiben!