Bundeswehr: Die Blitzwehrpflicht nützt keinem

KommentarBundeswehr: Die Blitzwehrpflicht nützt keinem

von Mark Fehr

Der Dienst an der Waffe soll aus Jungen Männer machen. Das geht mit Bildung besser – und ökonomischer. Die Wehrpflicht gehört daher ganz weg, obwohl sie nur noch wenige Monate dauert.

Deutschland pflegt eine Tradition des kollektiven Jugendurlaubs mit freier Unterkunft und Verpflegung. Die Rede ist von der Wehrpflicht, einer in den meisten Demokratien völlig aus der Mode gekommenen Einrichtung.

Mit reichlich Ironie könnte man sagen, dass der Waffendienst einen unverzichtbaren Beitrag zum Zusammenhalt der Nation leistet. Immerhin bringt die Armee regelmäßig junge Männer aus allen Winkeln des Landes zusammen und beschert ihnen - ob sie es wollen oder nicht - ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis in freier Natur.

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Unterm Zweimannzelt trifft der Sachse auf den Niedersachsen, der Berliner Kiezkönig auf den badischen Beamtensohn und der nordfriesische Deichprinz auf den Berchtesgadener Skilehrer. Hart aber herzlich vermitteln hoch motivierte Vorgesetzte altdeutsche Tugenden, die längst aus den Lehrplänen von Schulen und Universitäten verschwunden sind.

Museumsreife Ausrüstung

Im Mittelpunkt der für alle Waffengattungen gültigen zentralen Dienstvorschrift (ZDv) steht ein aus der globalisierten Wirtschaft nicht wegzudenkender Wertekanon, getragen von den Säulen Gehorsam, Kameradschaft, Verschwiegenheit und Schuhputz.

"Für all das", so trösten die Ausbilder ihre Rekruten über besonders schwere Stunden hinweg, "werdet ihr später mal dankbar sein". Warum also sollte der Staat etwas so Wunderbares wie die Wehrpflicht überhaupt abschaffen?

Doch Spaß beiseite.

Eigentlich stellt sich die Frage nach der Aussetzung schon gar nicht mehr, denn abgeschafft ist die Wehrpflicht faktisch schon längst. Die Dienstzeit wurde, auch auf Initiative von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), auf sechs Monate zurechtgestutzt. Der Kompromiss zwischen Gegnern und Befürwortern des Konzepts schafft eine obskure Blitzwehrpflicht, die keinem nützt.

Den frisch gebackenen Wehrpflichtigen bleibt jetzt gerade noch genug Zeit, bei der zentralen Standortverwaltung (StOV) - die auf modern jetzt Bundeswehrdienstleistungszentrum heißt - Seesack, Uniform, Kampfstiefel und Gefechtshelm ordnungsgemäß in Empfang zu nehmen.

Kaum sind die Rekruten mit ihrer museumsreifen Ausrüstung halbwegs vertraut, können sie die liebgewonnenen Wollsocken, Feinrippunterhemden und Retro-Sneakers auch schon wieder abgeben. Ordnungsgemäß, versteht sich.

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