Bundeswirtschaftsminister: Zu Guttenberg - der neue Superstar

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Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Der junge Bundeswirtschaftsminister bewegt sich elegant auf dem internationalen Parkett und vertritt offensiv deutsche Positionen. Mit diesem Auftreten ist zu Guttenberg noch lange nicht am Ende seiner Karriereleiter angelangt

Im deutschen Generalkonsulat in New York weiß man seit Anfang dieser Woche, wer der neue politische Superstar in Berlin ist: Karl-Theodor zu Guttenberg. 60 Journalisten (Rekord!) drängten sich im Konferenzraum im Deutschen Haus, direkt gegenüber dem UNO-Hauptgebäude am East River.

Allein am Thema Opel kann es nicht liegen, dass das Interesse am neuen Bundeswirtschaftsminister so riesig ist. Zu Guttenberg hat etwas, das man Ausstrahlung nennen möchte. Ob beim Dinner im ehrwürdigen Universitätsclub mit Finanzaltmeister George Soros oder bei der Pressekonferenz vor laufenden Kameras, der 37-jährige zeigt Präsenz, weltgewandt, verbindlich, höflich, kompetent. Er stellt die richtigen Fragen, hört gut zu, analysiert scharf und urteilt klar - auf deutsch genauso gut wie auf Englisch.

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Guttenberg fordert von General Motors "endlich Antworten" auf die Fragen zu Opel

Vor großen Tieren hat der frischgebackene Minister keine Scheu. So auch nicht vor Rick Wagoner, Chef des ebenso großen wie kranken Autogiganten General Motors. In Washington traf sich zu Guttenberg mit Wagoner und dessen Finanzvorstand Frederik Henderson in der deutschen Botschaft.

Der Minister wollte die seit Monaten im Raum stehenden Fragen zu den Patenten und zur Trennung Opels von GM "endlich mal beantwortet bekommen". Und machte klar, dass sich Deutschland nicht erpressen lasse. Die Detroiter Kalkulation, dass die Bundesregierung schon den Bochumer, Rüsselsheimern und Eichenacher helfen müsse, gehe so nicht auf.

Das sagte zu Guttenberg dann auch US-Finanzminister Timothy Geithner. Der US-Regierung hat GM seine Patente verpfändet, der US-Regierung soll GM bis Monatsende ein Sanierungskonzept für den maroden Gesamtkonzern vorlegen.

Guttenberg ist noch lange nicht am Ende seiner Karriereleiter angelangt

Doch ein großes Thema ist zu Guttenberg nicht genug. Das G20-Treffen der Staats- und Regierungschefs am 2. April in London ist sein zweites Thema. Unermüdlich wirbt der Adelsmann in Amerika für strengere Finanzaufsichtsregeln. Und mindestens genauso sehr wehrt er sich gegen US-Forderungen, ein weiteres Konjunkturpaket aufzulegen.

"Nicht Size, sondern Substanz ist entscheidend", sagt zu Guttenberg seinem amerikanischen Gesprächspartnern. Der Minister sucht mit jugendlicher Unbekümmertheit Verbündete in der Höhle des Löwen. Um Argumente ist er nicht verlegen. Gegen weitere Staatsausgaben spräche auch die "Inflationsgefahr, die durch die erhöhte Geldmenge steigt".

Und als sei dies auch noch nicht genug, bricht der Wirtschaftsminister noch eine Lanze für den Freihandel und eine Wiederaufnahme der Doha-Runde zur Liberalisierung des Welthandels. Alles ist bei dem Einserjuristen freundlich, logisch und irgendwie zwingend. Und bei alledem hat der Minister noch Kapazitäten für touristische Exkurse.

Ein solcher Mann, der vor einem Monat erst als Bundeswirtschaftsminister antrat, ist noch lange nicht am Ende seiner Karriereleiter angelangt. Spätestens im Herbst, frotzeln Delegationsbegleiter, werde zu Guttenberg CSU-Vorsitzender und Bundeskanzler sein - mindestens.

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