Burka-Frau bei „Anne Will“: „Ein Fall für die Aufsichtsgremien der ARD“

Burka-Frau bei „Anne Will“: „Ein Fall für die Aufsichtsgremien der ARD“

, aktualisiert 08. November 2016, 14:33 Uhr
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Anne Will (l.) im Gespräch mit Nora Illi. Der Verband der Muslimin wird vom Schweizer Nachrichtendienst beobachtet.

von Dietmar NeuererQuelle:Handelsblatt Online

Dass in der Talk-Sendung von Anne Will eine vollverschleierte Muslimin zu Gast war, sorgt für große Empörung. CDU-Politiker sehen eine Grenze überschritten und fordern die ARD zum Handeln auf. Die Grünen beschwichtigen.

BerlinDer Auftritt einer vollverschleierten Muslimin in der ARD-Talkshow „Anne Will“ hat scharfe Kritik hervorgerufen. Zuschauer und Politiker hielten Will vor, sie habe dem radikalen Islam damit in der Sendung eine breite Plattform geboten. Im Zentrum der Empörung stand Nora Illi, muslimische Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS), die am Sonntagabend mit einem Nikab auftrat, der nur einen schmalen Sehschlitz freiließ.

Der CDU-Politiker und frühere Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Ruprecht Polenz, forderte Konsequenzen. „Es war völlig unverantwortlich, eine Vertreterin dieser Dschihad-Vorfeld-Organisation einzuladen. Ein Fall für die Aufsichtsgremien der ARD“, erklärte Polenz auf seiner Facebook-Seite. Er bezog sich auf Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“. Der IZRS sei demnach, anders als es der Name vermuten lasse, keine Vertretung der Schweizer Muslime. Nora Illi, schreibt die Zeitung, stehe vielmehr „für eine kleine, radikal-salafistische Strömung, die in der Schweiz in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte provoziert hat“.

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Der medienpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Marco Wanderwitz, unterstützt die Forderung nach einem Einschreiten der ARD-Aufsicht „vollumfänglich“, wie eer dem Handelsblatt sagte. „Es muss Grenzen geben, wem im Fernsehen ein Podium für die Verbreitung menschenverachtender Positionen geboten wird“, betonte der CDU-Politiker. „Auch wenn das Format auf Widerspruch beziehungsweise Meinungsstreit angelegt ist, dürfen Extreme außerhalb des Verfassungsbogens nicht normal mit am Tisch sitzen.“ Er sei daher „überzeugt“, dass sich die ARD-Gremien mit dem Vorgang befassten. „Ich baue allerdings auch darauf, dass es ein redaktionelles Hinterfragen gibt.“

Scharfe Kritik kam auch vom Unions-Innenexperten Stephan Mayer (CSU). „Wer unverhohlen für die islamistische Ideologie wirbt und die Verbrechen von Islamisten relativiert, hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren“, sagte Mayer der „Bild“-Zeitung. „Mit GEZ-Gebühren darf islamistischer Propaganda keine Bühne geboten werden.“


Grüne verteidigen Anne-Will-Sendung

Die Grünen-Medienexpertin Tabea Rößner wandte sich gegen die Kritik: „Talkshow ist Bühne, und wir dürfen nicht nur über die Leute diskutieren, sondern müssen uns mit ihnen auseinandersetzen“, sagte Rößner dem Handelsblatt. „Dass man extra eine Frau aus der Schweiz einfliegen musste, zeigt aber, dass radikal-islamistische Vereine nicht an jeder Straßenecke zu finden sind.“

Reisen Jugendlicher in den syrischen Krieg und die Vollverschleierung seien aber „ein gesellschaftliches Thema, bei denen auch Zuspitzung erlaubt sein muss“, sagte Rößner weiter. „Es ist letztlich die Einschätzung der Redaktion, wie man sich dem Thema nähert und die Runde schließlich besetzt“, betonte sie. „Ob das am Ende zu einer gelungenen Talkrunde geführt hat, ist eine andere Frage.“

Die SPD sieht den Vorgang indes ebenfalls kritisch. „Muss das in der ARD sein? Nach einem Tatort, den ich so nicht brauche, gleich danach noch eine hysterisierende und wie häufig oberflächliche Debatte mit fester Rollenverteilung bei Anne Will“, schrieb der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, auf seiner Facebook-Seite.

Die ARD verteidigte die Einladung der Frau in die Talkshow. Sie sei sorgfältig abgewogen worden, teilte die verantwortliche NDR-Redakteurin Juliane von Schwerin mit. „Die umstrittene Haltung von Frau Illi zum Beispiel zur Problematik der Ausreise von Jugendlichen nach Syrien ist deutlich zutage getreten und heftig debattiert worden.“ Die Zusammensetzung der Diskussionsrunde habe zu einer „angemessenen wie notwendigen Auseinandersetzung“ geführt.


Justiz warnte vor Burka-Frau

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach und der Autor Ahmad Mansour, die beide an der Sendung teilnahmen, warfen der jungen Frau vor, sie verherrliche den Krieg und verharmlose den IS-Terror. Sie bezogen sich dabei auf einen Essay Illis, in dem sie Verständnis für junge Muslime äußert, die sich diskriminiert fühlen und deshalb in den Krieg nach Syrien ziehen. Eine solche Überzeugung müsse „als Zivilcourage“ gelobt werden, schrieb Illi 2014. In Syrien selbst werde Teenagern jedoch bald klar, dass der Krieg „eine bitterharte Langzeitprüfung mit ständigen Hochs und Tiefs“ sei.

Die Zitate wurden in der Sendung von der Redaktion eingeblendet. Mansour kritisierte die Ausstrahlung: „Das kann man in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht machen. Das ist offene Kriegspropaganda.“ Auch Bosbach sagte: „Das geht gar nicht.“

Wie „Bild“ berichtet hatte sogar die Schweizer Bundesanwaltschaft die „Anne Will“-Redaktion gewarnt. „Die Bundesanwaltschaft der Schweiz ist irritiert darüber, dass dem IZRS im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Plattform geboten wird. Dies umso mehr, als dass der besagten Sendung vorgängig auf Anfrage hin mitgeteilt wurde, dass ein Strafverfahren anhängig ist gegen ein Vorstandsmitglied des IZRS sowie gegen Unbekannt“, sagte ein Sprecher der Behörde der Zeitung.

Ermittelt wird demnach wegen des Verstoßes gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen „Al-Qaida“ und „Islamischer Staat“ sowie verwandter Organisationen. Laut „Bild“ wird der Islamische Zentralrat der Schweiz mit seinen rund 3000 Mitgliedern vom Schweizer Nachrichtendienst beobachtet.

Die Redaktion von Anne Will sprach daraufhin von einem „Versäumnis, dass wir in der Sendung nicht zusätzlich explizit auf die Tatsache der Ermittlung gegen ein Mitglied der Vereinigung hingewiesen haben“ Bei einem Gespräch mit der Bundesanwaltschaft sei aber nicht von einer Einladung Illis abgeraten worden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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