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BVG entscheidet über Rettungsschirm: Lambsdorff bezweifelt Urteilsfähigkeit der Richter

Quelle: Handelsblatt Online

Stoppt Karlsruhe den ESM und den Fiskalpakt? Vor der Entscheidung über die Eilanträge gegen die Euro-Stabilisierungsgesetze mahnt die Politik die Richter. FDP-Politiker Lambsdorff bezweifelt gar deren Urteilsfähigkeit.

Der Vorsitzende der deutschen FDP-Gruppe im Europaparlament, Alexander Graf von Lambsdorff, bezweifelt die Urteilsfähigkeit der Verfassungsrichter in Sachen Europa. Quelle: dapd
Der Vorsitzende der deutschen FDP-Gruppe im Europaparlament, Alexander Graf von Lambsdorff, bezweifelt die Urteilsfähigkeit der Verfassungsrichter in Sachen Europa. Quelle: dapd

Vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Eilanträge gegen die Gesetze zur langfristigen Euro-Stabilisierung warnen Politiker vor den Folgen eines Scheiterns. Der FDP-Vorsitzende im Europaparlament, Alexander Graf Lambsdorff, bezweifelte sogar die Urteilsfähigkeit der höchsten deutschen Richter: „Manche Beobachter kritisieren zu Recht, dass die Richter des Bundesverfassungsgerichts nicht mit allen Vorgängen in Europa ausreichend vertraut sind. Deshalb kommt es gelegentlich zu Fehleinschätzungen aus Unkenntnis.“

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„Das ist besorgniserregend, schließlich wird so der größte Mitgliedsstaat Europas in seinem Handeln eingeschränkt“, sagte der Chef der zwölf FDP-Europaabgeordneten der „Passauer Neuen Presse“.

Karlsruhe befasst sich am Dienstag mit den Eilanträgen gegen die deutschen Gesetze zum Euro-Rettungsschirm ESM und zum europäischen Fiskalpakt. Die Kläger, darunter die Linksfraktion im Bundestag und die Initiative „Mehr Demokratie“, wollen verhindern, dass der Bundespräsident die Gesetze unterzeichnet. Bis dahin liegt der mit 700 Milliarden Euro Stammkapital ausgestattete ESM auf Eis. Mit einer endgültigen Entscheidung der Richter wird noch im Juli gerechnet.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte am Wochenende vor gravierenden Folgen nicht nur für Deutschland gewarnt, sollten ESM und Fiskalpakt scheitern. „Deswegen habe ich keinen Zweifel, dass das Bundesverfassungsgericht auch diese Zusammenhänge in die eigene Urteilsbildung einbeziehen wird“, sagte er. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle machte deutlich, dass er eine schnelle und positive Entscheidung des Gerichts erwartet. SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigte sich in der ARD überzeugt, dass das Gericht die gemeinsam verabschiedeten Gesetze nicht inhaltlich beanstanden wird, sondern höchstens wegen des von der Regierung gewählten Gesetzgebungsablaufs mit hohem Zeitdruck.

Bundespräsident Joachim Gauck hatte am Wochenende zudem an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, die umstrittenen Maßnahmen zur Euro-Rettung besser zu erklären. „Sie hat nun die Verpflichtung, sehr detailliert zu beschreiben, was das bedeutet, auch fiskalisch bedeutet“, sagte Gauck. Die SPD unterstützte diese indirekte Kritik. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, ein Kritiker des ESM, nahm Merkel aber in Schutz. „Seit Ausbruch der Krise hat die Bundeskanzlerin ihre Politik immer wieder erklärt und in einen historischen europapolitischen Kontext gestellt“, sagte er dem „Tagesspiegel“.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.07.2012, 10:52 Uhrallesverloren

    Die Euro-Krise braucht man dem Normal-Bürger nicht zu erklären. Die Schneeballsysteme Euro, Dollar, Yen und Pfund sind an ihr Ende gekommen, das ist den meisten Bürgern klar. Der Euro ist dabei nicht einmal das größte Problem.

    Das Platzen dieser Schneeballsysteme kann jederzeit passieren, durch den Ausfall Italiens, durch Kapitalflucht in Japan, durch Neuwahl und Weiterverschuldung in den USA.

    Das Platzen wird einen Epochenwandel bewirken, den man sich kaum vorstellen mag. Der ESM wird dazu führen, dass die Handlungsfreiheit Deutschlands dabei gegen Null geht.

    Niemand wird dies freiwillig erklären wollen. Das bring keine Stimmen.

  • 09.07.2012, 10:38 UhrCRichards

    Offenbar geht die Politik jetzt dazu über, die Gewaltenteilung sukzessive aufzuheben. Es ist unglaublich, was sich die Politiker hier anmaßen, die Unabhängigkeit und Kompetenz der Verfassungsrichter in Frage zu stellen. Die wirkliche Inkompetenz liegt bei den Politikern selbst. Hier öffentlich Druck gegen das Verfassungsgericht aufzubauen, ist nicht nur ein Skandal, sondern zeigt auch, in welche Richtung es geht: Die Tage der Demokratie, der Gewaltenteilung und der freien Märkte neigen sich ihrem Ende entgegen. Ein Hoch auf unsere Politiker, das haben sie sehr raffiniert und perfide bis ins Detail vorbereitet.

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