Carsharing: Die Mär von grüner Mobilität

KommentarCarsharing: Die Mär von grüner Mobilität

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Immer ein Auto. Teilweise befinden sich in Berlin bis zu zehn Car2Go-Smarts in der Nähe.

von Christian Schlesiger

Je mehr Leute ein Auto teilen, desto besser ist das für die Umwelt. So die Vision. Die Realität sieht anders aus: Carsharing führt dazu, dass Leute mehr fahren.

Neulich in Berlin. Ich hatte mich auf den Weg gemacht, um mit Freunden brunchen zu gehen. Eigentlich wollte ich für die etwa zehnminütige Fahrt die U-Bahn nehmen. Nach dem Ausstieg wäre ich dann noch ein paar Meter zu Fuß gegangen. So war der Plan. Doch vor meiner Haustür stand ein Smart von Car2Go.

Ich wog die Argumente im Kopf hin und her: mit dem bezahlten Monats-Abo in einer miefigen U-Bahn oder drei bis vier Euro für die Fahrt über die Straße. Ich wählte das Auto.

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So geht es mir oft. Ich liebe Carsharing. Ich kann jederzeit über eine App Autos suchen, per Knopfdruck reservieren, einsteigen und losfahren. Eine wunderbare Erfindung.

Wie sich Carsharing auf die Nutzung anderer Verkehrsmittel auswirkt

  • Mietwagen

    29 Prozent der Carsharing-Nutzer fahren seltenere mit einem Mietwagen als früher.

    Quelle: Berylls Strategy Advisors, MM Customer Strategy

  • Taxi

    28 Prozent der Carsharing-Nutzer fahren seltener mit dem Taxi als zuvor.

  • Regionalzug

    Den Regionalzug benutzen 22 Prozent der Carsharing-Nutzer seltener.

  • Bus und Straßenbahn

    15 Prozent der Nutzer von Carsharing-Angeboten fahren seltener mit Bus und Straßenbahn.

  • Pkw

    15 Prozent der Carsharing-Nutzer benutzen seltener das eigene Auto

  • Fernzug

    Seltener mit dem Fernzug fahren zwölf Prozent der Carsharing-Nutzer

  • Fahrrad

    Dafür fahren drei Prozent der Carsharing-Nutzer öfter mit dem Fahrrad.

    Quelle: Berylls Strategy Advisors, MM Customer Strategy

Doch damit bewege ich mich weit weg vom Ideal ökologischer Stadtmobilisten. Car2Go wirbt zwar mit dem Spruch: „Jetzt ein Auto“. So, wie man sich eben fühlt, wenn es gerade anfängt zu schütten, die Einkaufstasche einem die Fingerkuppen abschnürt oder der selbst gebackene Kuchen zur Feier von Freunden transportiert werden muss. Dann ist man froh, dass um die Ecke ein Auto steht. Doch tatsächlich nutzen die Kunden das Fahrzeug auch dann, wenn sie „jetzt ein Auto“ gar nicht dringend brauchen.  

Es ist daher eine Mär, dass Carsharing einen großen Beitrag für die Umwelt leistet. Es dient allenfalls dem grünen Gewissen, weil es ökologisch klingt. Insbesondere das so genannte Free Floating, bei dem Kunden das Auto überall in der Stadt abstellen können, animiert zum Vielfahren. Ich habe seit Jahren kein eigenes Auto mehr, aber so viel wie derzeit bin ich noch nie gefahren.

Carsharing Von der Versuchsküche zum Geschäftsmodell

Ein Auto nutzen, aber nicht besitzen: Die Idee des Carsharings ist ein wichtiger Eckpfeiler, wenn Autokonzerne künftig zu Mobilitätsdienstleistern werden wollen. Doch die Entwicklung dahin fällt mitunter schwer.

BMW ReachNow Quelle: BMW

Natürlich gibt es Studien, die das Gegenteil belegen. Die Stadt München hat die Bevölkerung nach ihrem Nutzungsverhalten gefragt. Viele haben ausgesagt, dass sie ein eigenes Auto abschaffen würden, wenn sie auf Carsharing-Angebote zurückgreifen könnten. Klingt gut. Aber man beachte, wo die Umfrage stattgefunden hat: in München. In kaum einer anderen Stadt gibt es mehr Autos pro Haushalt. Man könnte sagen: Münchener können es sich leisten, auf den Luxus eines Zweitauto zu verzichten.

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