CDU in Baden-Württemberg: Wolfs Kampf um Schwarz-Rot-Gelb

CDU in Baden-Württemberg: Wolfs Kampf um Schwarz-Rot-Gelb

, aktualisiert 18. März 2016, 12:40 Uhr
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Der Spitzenkandidat der CDU in Baden-Württemberg träumt trotz historischer Niederlage noch von der Regierung.

Quelle:Handelsblatt Online

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf ist bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg tief gefallen. Doch von Demut ist wenig zu spüren. Nach wie vor versucht er, eine Regierung unter seiner Führung auf die Beine zu stellen.

StuttgartEin Absturz in der Wählergunst auf 27,0 Prozent – wie kann die CDU in Baden-Württemberg da noch die Chuzpe besitzen, selber eine Regierung bilden zu wollen? Nach der Landtagswahl vom Sonntag stellt sich so mancher Beobachter diese Frage. Aber auch in der CDU gärt es. Die einstige „Staatspartei“ wurde schließlich das erste Mal von den Grünen als stärkste Kraft überholt. Während Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Chancen für Grün-Rot-Gelb und Grün-Schwarz auslotet, hält CDU-Fraktionschef Guido Wolf am Ziel fest, ein eigenes Bündnis aus CDU, SPD und FDP zu schmieden. Die Chancen sind gering: Die Sozialdemokraten haben solchen Überlegungen eine Absage erteilt.

Auch CDU-Politiker werfen Wolf einen Realitätsverlust vor. Der frühere CDU-Wissenschaftsminister Peter Frankenberg warnte schon am Dienstag in den „Stuttgarter Nachrichten“ vor Schwarz-Rot-Gelb. Denn das sähe so aus, als ob sich die Wahlverlierer zusammenschlössen, um sich gegenseitig Posten zuzuschachern. Der CDU-Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, zog nach und bezeichnete eine „Deutschlandkoalition“ als völlig abwegig. Und der frühere CDU-Finanzminister Willi Stächele forderte via „Bild“-Zeitung mit Blick auf die Landtagswahl Wolfs Rücktritt: „Bei einem solchen Ergebnis muss man die politische Verantwortung übernehmen.“

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Doch Wolf macht keine Anstalten, in die zweite Reihe zurückzutreten. Im Gegenteil: Am Dienstag, zwei Tage nach der Landtagswahl, ließ er sich zum CDU-Fraktionschef wiederwählen - ein Vorgehen, dass einige Parteifreunde doch mächtig irritierte und an Methoden des früheren Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) erinnerte: brachial Fakten schaffen, bevor es zu spät sein könnte. Wolf beteuerte nach seiner Wiederwahl zum Fraktionschef, nicht an Rücktritt gedacht zu haben. „Ich bin ein Mensch, der Verantwortung übernimmt und sich nicht vom Acker macht, wenn der Wind etwas eisiger ins Gesicht bläst.“

Immerhin bekam der einstige Spitzenkandidat in seiner Fraktion trotz des desolaten Landtagswahlergebnisses in geheimer Wahl dann doch 34 Ja-Stimmen bei 7 Nein-Stimmen - ein durchschnittliches Ergebnis. In der Fraktion klammern sie sich zum Teil noch an die schöne Illusion einer von Wolf geführten Regierung, in der wesentliche Posten mit Mitgliedern auch aus ihren Reihen besetzt werden könnten. Und der Gedanke, als Juniorpartner bei einem grünen Ministerpräsidenten Kretschmann am Katzentisch sitzen zu müssen, ist hier tatsächlich vielen ein Graus. Zudem gilt es, der Basis zu dokumentieren, zumindest alles versucht zu haben, um selber die Regierung zu führen.

Nachdem am Mittwoch das erste Mal Grün-Schwarz sondiert wurde, gab CDU-Landeschef Thomas Strobl vor Journalisten den Ton an. Wolf schaute ziemlich bedröppelt in die Kameras, gab in einem kurzen Statement Gemeinsamkeiten und Knackpunkte einer grün-schwarzen Koalition kund und war dann ziemlich schnell verschwunden. Strobl blieb noch etwas und gab bereitwillig Fernsehinterviews. Dass er, der auch CDU-Bundesvize und Unionsfraktionsvize im Bundestag ist, aus Berlin nach Stuttgart kommen könnte, um Grün-Schwarz umzusetzen, gilt zwar als ziemlich unwahrscheinlich. Der Gedanke, dass es Grün-Schwarz mit einem Vize-Regierungschef Wolf geben könnte, allerdings auch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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