CDU-Ministerpräsidenten: Große Freiheit Nr. 6

KommentarCDU-Ministerpräsidenten: Große Freiheit Nr. 6

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

von Henning Krumrey

Die politische Kommentatoren dramatisierten wieder einmal heftig: Der Rückzug des hamburgischen Bürgermeisters Ole von Beust sei ein schwerer Verlust für die CDU - gerade mit Blick auf die Landtagswahlen im kommenden Frühjahr. Doch in Wahrheit spielte der erste Mann an Alster und Elbe in der Bundespartei keine große Rolle.

Das machte ihn den Kollegen durchaus sympathisch: Endlich mal einer, der nicht zu jedem Ereignis seinen Senf dazugeben musste. Der nicht ständig Steuer- oder Kürzungsideen produzierte oder sich in die Schlagzeilen drängte. Bundespolitische Themen mied der überzeugte Kommunalpolitiker konsequent. Für die Bundespartei erarbeitete er vor Jahren ein Konzept, wie die schwarze Traditionstruppe als moderne Großstadtpartei das vielfältige Publikum in Metropolen gewinnen könne. Das war’s dann aber auch im Wesentlichen.

Entsprechend wenig wirkt sich von Beusts Abgang auf die Wahlchancen der CDU in den anderen Bundesländern aus. Kein Kulturschaffender in Stuttgart hätte bei der Landtagswahl im Frühjahr 2011 CDU gewählt, weil es in Hamburg einen homosexuellen Bürgermeister gibt, der mit den Grünen koaliert. Schließlich ist von Beust nicht am Öko-Koalitionspartner gescheitert. Wenn überhaupt, ist die Idee Schwarz-Grün am Willen der hamburgischen Bürger zerschellt, die eben nicht die grün-inspirierte Schulpolitik akzeptieren wollten. Ob diese Farbkombination dennoch als Facette des CDU-Koalitionsregenbogens erhalten bleibt, muss von Beusts Nachfolger Christoph Ahlhaus bewerkstelligen. Der ist außerhalb Hamburgs, wo er zuletzt als Innensenator diente, ein völlig unbeschriebenes Blatt.

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Eine Stunde für Christian Wulff

Von Beust war durchaus eine ungewöhnliche Persönlichkeit im Reigen der CDU-Ministerpräsidenten. Das Auftreten hanseatisch perfekt, das Privatleben abgeschirmt, aber für die Anhänger der Union außerhalb Hamburgs gleichwohl eine Herausforderung. Beispielgebend sein Mut, sich der Erpressung durch den Populisten Ronald Schill nicht zu beugen; der hatte gedroht, den homosexuellen von Beust zu outen.

Der Bürgermeister ging zum Angriff über und entließ den Quertreiber. Andererseits freute sich von Beust auch des Lebens. Sein Kollege Christian Wulff, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen, hatte sich einmal für Freitagnachmittag mit dem Hamburger Stadtoberhaupt zur Besprechung verabredet. Als der Mann aus Hannover mit zwei Koffern voller abzuarbeitender Akten in dessen Büro im Rathaus erschien, saß von Beust bereits im Polohemd parat und erklärte, in einer Stunde breche er aber nach Sylt auf. Und hielt Wort.

Brisant ist sein aktueller Rückzug für die Parteivorsitzende Angela Merkel also nicht, weil eine Figur mit bundesweiter Ausstrahlung von der Bühne abträte. Peinlich für die Chefin wirkt, dass mit dem Hamburger schon der sechste Ministerpräsident innerhalb von zehn Monaten aus dem Korsett der Parteipolitik flüchtet und sich in die große Freiheit des Privatlebens zurückzieht. Vor ihm kündigten oder quittierten bereits den Dienst Dieter Althaus (Thüringen), Günther Oettinger (Baden-Württemberg) Roland Koch (Hessen), Christian Wulff (Niedersachsen) und Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen). Und profilierte Nachfolger sind kaum in Sicht.

In Baden-Württemberg machte zwar der neue Ministerpräsident Stefan Mappus vor und nach seiner Wahl mit einigen starken Sprüchen auf sich aufmerksam; unter anderem forderte er den Rücktritt des Parteifreundes Norbert Röttgen, immerhin Bundesumweltminister. Doch er muss erstmal im Frühjahr beweisen, dass er die schwarz-gelbe Mehrheit verteidigen kann. Angesichts des dramatischen Ansehensverlustes der Bundesregierung dürfte das nicht einfach werden. Schwarz-Grün wäre dann auch im Südwesten eine Option; Vorgänger Oettinger hatte auch schon einmal damit geliebäugelt, aber auch viel Widerstand in der eigenen Truppe hervorgerufen.

Größte Aussichten,  schnell über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden, hat der neue Niedersachsen-Star David McAllister. Nicht nur, weil seine schottische Abstammung – der Vater war als Soldat in Deutschland stationiert – sofort im Namen erkennbar ist. Der ehrgeizige, gleichwohl locker wirkende 39-Jährige bietet gerade für die Medien eine Menge Facetten. Lange Jahre Bürgermeister in seiner Heimatstadt Bad Bederkesa, Schützenkönig und Fußballer. Er ist konservativ, will das aber wiederum nicht zu demonstrativ sein. Und er ist schlagfertig. Als ihn der damalige niedersächsische SPD-Matador Sigmar Gabriel einst als „Terrier von Christian Wulff“ abqualifizieren wollte, konterte MacAllister kühl: „Lieber der Terrier von Wulff als der Mops von Schröder.“

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