Chance oder Bedrohung?: Massive Spannungen vor Afghanistan-Konferenz

Chance oder Bedrohung?: Massive Spannungen vor Afghanistan-Konferenz

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 08:18 Uhr
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Der afghanische Präsident Hamid Karsai auf dem Palastgelände in Kabul.

Quelle:Handelsblatt Online

Die am kommenden Montag in Bonn beginnende Afghanistan-Konferenz wird von massiven Spannungen und düsteren Prognosen überschattet. Vor allem der afghanische Präsident Hamid Karsai sieht sich bedroht.

BerlinWie „Bild“-Zeitung (Freitag) und „Bild.de“ berichten, geht dies aus zahlreichen Militär- und Geheimdienstdokumenten hervor. Demnach sieht Präsident Hamid Karsai die Konferenz nicht als Chance, sondern als Bedrohung. Bei der Bundeswehr und dem US-Militär werde die weitere Entwicklung in Afghanistan nach dem Truppenabzug negativ beurteilt, heißt es. „In seinen besonders misstrauischen Momenten glaubt Karsai, man wolle ihn in Bonn isolieren und von der Macht beseitigen“, zitiert „Bild“ aus einem US-Dokument des Combined Joint Intelligence Operations Center - Afghanistan, einer Art Militärgeheimdienst.

Weitere Dokumente würden belegen, wie pessimistisch die Bundeswehr die Zukunft Afghanistans nach Abzug der westlichen Kampftruppen sehe. „Nach dem Ende der Besatzung durch Isaf 2014, werden die Führer der Aufständischen“, die sich nach Pakistan geflüchtet haben, „nach Afghanistan zurückkehren“, heiße es in einem als geheim eingestuften Bundeswehr-Dokument. „Wenn die Isaf-Truppen das Land verlassen, wird es Bürgerkrieg geben“, wird aus einem Bericht des US-Militärs über den Norden Afghanistans zitiert.

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Dokumente des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) würden außerdem belegen, dass die Bundeswehr offenbar auch Kriminelle als Verbündete in Nordafghanistan akzeptierte, berichtet „Bild“. So sei bekanntgewesen, dass der nordafghanische Polizeichef Daud Daud, bis zu seiner Ermordung im Mai ein enger Partner der Bundeswehr, in den Drogenhandel verwickelt gewesen sei. Daud, so der BND, solle „seit einigen Jahren regelmäßig Drogengeschäfte getätigt haben.“

Aus einem streng geheimen Papier des US-Militärs in Afghanistan gehe hervor, dass die pakistanische Regierung mit einer Invasion der US-Truppen rechne. Das pakistanische Militär, so die Analysten des Combined Joint Intelligence Operations Center, habe „Defensivstellungen“ in der Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan errichtet, berichtet „Bild.de“. „Dies ist eine Reaktion auf erwartete Angriffe von US- oder Koalitionstruppen“, heiße es in dem geheimen Dokument. Das pakistanische Militär bereite sich auf einen „nach ihrem Eindruck unmittelbar bevorstehenden Einfall amerikanischer Truppen“ vor.

Zwischen US-amerikanischen und pakistanischen Truppen war es am vergangenen Samstag zu einem schweren Zwischenfall im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gekommen. Dabei beschossen amerikanische Kampfhubschrauber einen Grenzposten des pakistanischen Militärs und töteten 24 Soldaten. Die Regierung in Islamabad hatte daraufhin ihre Teilnahme an der Bonner Konferenz abgesagt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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