Chefsache: Der Ökosumpf

Roland Tichy über Geschäftemacherei mit grüner Moral.

Die Vorkämpfer der Ökobewegung nehmen für sich in Anspruch, sie wollten „die Erde für unsere Kinder retten“. Das klingt gut und erfüllt seinen Zweck: Wer zu widersprechen wagt oder Zweifel äußert, enttarnt sich als Vertreter des Bösen, der das Weltklima aufheizen will. Immer dann, wenn die Welt auf diese Weise in Gute und Böse eingeteilt wird, ist sie in höchster Gefahr, weil dann nicht mehr argumentiert und voneinander gelernt wird. Auch die Ökobewegung könnte zu einer Kraft werden, die das Gute will und doch das Schlechte schafft.

Denn seit die Ökobewegung zum gesellschaftlichen Mainstream wurde, ist sie einem großen Risiko ausgesetzt: Sie verbündet sich mit Geschäftemachern, Subventionsjägern und populistischen Politikern zu einem gefährlichen Bündnis. Beispiel Biosprit: Lange wurde das Gebräu als Allheilmittel gefeiert, um die Welt vor Klimakatastrophe und Energieknappheit zu retten. Solange das auf alternativen Bauernhöfen geschah, war es ein guter Gedanke. Seit sich jedoch die mächtigste Lobby der Welt, die Bauernverbände in den USA und Europa, des grünen Sprits angenommen hat, noch dazu unterstützt von der Automobilindustrie und einer nach ökologischen Effekten haschenden Bundesregierung, wird der Biosprit zum ökologischen Desaster, zum schwarzen Loch für Steuergelder und zum Treibstoff für den Hunger in der Welt. Das sind die Fakten; die Beweislast gegen den Biosprit ist erdrückend. Glauben Sie aber bloß nicht, dass wir ihn deswegen schnell wieder loswerden! Zu viele Interessengruppen wärmen mittlerweile daran ihr Süppchen. Fatal werden wir an den Steinkohlebergbau erinnert – auch er wurde gegen jede wirtschaftliche und ökologische Vernunft jahrzehntelang gefördert.

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Im Umfeld solcher Projekte, gleich welcher Farbe, bildet sich schnell ein ökologisch-industrieller Komplex, der vorgibt, die Welt verbessern zu wollen, in Wahrheit aber die eigenen Vorteile fest im Blick hat und sie auf Kosten der Gesellschaft und der Umwelt brutal durchsetzt.

Die Solarindustrie ist dafür ein weiteres Beispiel: Es ist auf den ersten Blick unverständlich, dass ausgerechnet in Deutschland, einem Land, das nicht für Sonne und blauen Himmel bekannt geworden ist, fast die Hälfte der weltweit vorhandenen Solarpanele montiert werden. Da gäbe es fürwahr bessere Standorte. Der Grund sind allein rund 120 Milliarden Euro Subventionen, aufzubringen von den Stromverbrauchern, die die derzeit unwirtschaftlichste Form der Energiegewinnung finanzieren (siehe auch Seite 24). Die Profiteure sind in erster Linie asiatische Hersteller, deutsche Hausbesitzer und einige Unternehmen, die geschickt die Solargelder mit Ansiedlungssubventionen in Ostdeutschland zum hochprozentigen Profitcocktail mixen. Jetzt wird darum gerungen, ob bis 2020 wenigstens eine von 120 Milliarden an Subventionen eingespart werden könnte – eine! Doch vermutlich wird die grüne Solarlobby sich durchsetzen. Schließlich geht es doch um die Rettung der Welt für unsere Kinder, nicht wahr? Für wahrhaft ökologisch und wirtschaftlich bessere Lösungen fehlen dann die Mittel.

Das Kraftwerk Moorburg in Hamburg ist so ein Beispiel. Weil es hochmodern und supereffizient ist, würde es einen alten Kohlestinker ersetzen. Es ist als Pilotprojekt für die Abscheidung des Klimagases CO2 und für die sonst von den Grünen vehement geforderte Wärmekraftkopplung ausgelegt. Seine Grundlast würde Tausende Arbeitsplätze in der Alu-Industrie sichern.

Es wird wohl nicht gebaut, weil es nicht in ein Weltbild passt, das die Welt zu retten vorgibt und dabei weder Widerspruch noch Gegenargument duldet.

Die Vordenker der Marktwirtschaft haben vor Lobbys und Subventionen aller Art gewarnt. Sie erhalten erneut recht.

Auf Grün.

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