Chefsache: Gold und Kartoffeln

Die Industriegewerkschaft Metall ist sehr stolz, weil es ihr gelungen ist, Tausende von Opel-Demonstranten auf die Straße zu bringen – und das, obwohl alle in Urlaub waren, sagt ein Gewerkschaftssprecher. Das muss man sich mal vorstellen – die Revolution fällt aus, weil das Proletariat am Ballermann feiert.

In Berlin debattiert die Koalition darüber, ob die Abwrackprämie auch Hartz-IV-Empfängern ausgezahlt werden soll. Im Konjunkturprogramm sollten schon mal ein paar Milliarden für die Erweiterung der Parkzonen vor den Arbeitsämtern reserviert werden – für die vielen schnieken Neuwagen der Stütze-Kundschaft. Und in Frankfurt muss das Sicherheitspersonal den Eingang zum neu eröffneten Kaufhaus abriegeln, weil im Gedränge sonst Konsumenten zu Schaden kommen könnten. Lieber in der Krise genießen als für den Aufschwung schuften.

Andere wiederum fürchten den Untergang der uns bekannten Welt. Swinging Singles kaufen Immobilien, die sie bislang als Betonfessel und Familiengruften belächelt haben. Bislang souveräne Banker legen Goldbarren in den Keller. Manager, die ich für ernsthafte Menschen hielt, kaufen Ackerland und debattieren darüber, wie viele Säcke Kartoffeln ihre Familie zum Überleben braucht. Während die wachsenden Staatsschulden für Rettungsschirme, Konjunkturprogramme und Bürgschaften uns dazu zwingt, mit Milliarden und Billionen so leichthändig zu jonglieren wie bislang mit Tausendern und Millionen, fantasieren Menschen über das schlichte Leben als Eigenversorger auf dem Lande. In den Salons debattiert man über Staatsbankrott, Währungsschnitt und Hyperinflation.

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Meine Frau drängt auf den Einbau eines Holzofens. Wer vertraut noch dem Fernwärmenetz und russischem Gas? Mit Häme registriert der Stammtisch, dass die Nouveaux Riches der Europäischen Einigung, die Slowaken im Osten, die Balten im Norden, die Griechen im Süden und die Iren im Westen dahin abbiegen, wohin sie schon immer gehörten: ins Reich der Armut, dem man allenfalls als Gastarbeiter entkommt. Wir schätzen die europäische Solidarität, aber wir ahnen auch, dass der Preis dafür steigen wird. Ob Europa diese Belastung aushält?

Zu Recht spricht der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg daher davon, dass wir nicht in einer Systemkrise leben, sondern in einer Vertrauenskrise. Diese Vertrauenskrise hat zuerst die Bankbilanzen ruiniert und das Geldgewerbe zum Implodieren, zum Zusammenschnurren gebracht. Die Deutschen haben seit jeher ein romantisches Verhältnis zur Finanzwirtschaft. Wir glauben, dass die Realwirtschaft, also Maschinen und Fabriken, vom schmierigen Geschäft der Geldverleiher unabhängig sei.

Haben wir nicht den besten Maschinenbau, bauen die begehrtesten Autos? Jetzt lernen wir im Crashkurs, dass die Fabrik nicht aus sich heraus brummt, sondern am Kredit hängt – und der schmilzt dahin und verweht mit dem Geflitter seltsamer Finanzkonstruktionen. Jetzt greift diese Vertrauenskrise aus dem Geldsektor auf immer weitere Wirtschaftsbereiche über. Wir kaufen ein, denn was man hat, das hat man. Wir beginnen zu horten, uns abzusichern und einzuigeln. Immer weniger aber wagen etwas, investieren und hoffen auf eine bessere Zukunft. Spekulation nennt man so etwas, und Spekulation ist das Unwort des Jahres. Mit Gold und Kartoffeln als Währung aber ist keine Wirtschaft zu machen.

Auch nicht mit dem Staat, der alles richten, ordnen, regeln und kre-ditieren soll. Zu viele Deutsche sind heimliche Staatssozialisten, vertrauen einer allumfassenden Planung und Lenkung aus Berlin.

Dabei hat die Geschichte bewiesen, dass der Kapitalismus zu schmerzhaften Krisen, staatliche Lenkung aber in die sichere Armut führt.

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