China bewundert die Bundesrepublik: "Alles funktioniert in Deutschland"

China bewundert die Bundesrepublik: "Alles funktioniert in Deutschland"

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Viele Chinesen sehen die deutsche Volkswirtschaft als Vorbild für China. Auch sie wünschen sich saubere Luft und autofreie Zonen.

von Philipp Mattheis

Kaum ein anderes Land ist bei Chinesen so beliebt wie Deutschland. Warum eigentlich? Und: Ändert sich das gerade?

Anfang Juni fuhr ich mit einer Gruppe von 17 chinesischen Unternehmern durch Deutschland. Elf Tage lang besuchten wir Fabriken, fast alles waren Mittelständler. Wir verbrachten viel Zeit auf der Autobahn, warfen hunderte 50-Cent-Münzen in Sanifair-Automaten, und übernachteten in kleinen Dörfern, in deren Ortsmitte Kirchen mit Zwiebeltürmen standen. Die meisten der Teilnehmer waren zum ersten Mal außerhalb Chinas. Das mit den Sanifair-Automaten verstanden sie nicht.

Am Abend des zweiten Tages kamen wir am Bodensee an. Das Restaurant, in das uns die deutsche Firma eingeladen hatte, lag auf einen Hügel, von dem der Blick über Weinberge auf den "Bo-Den-Hu" fiel. Die Chinesen stiegen aus dem Bus und glotzten ungläubig auf das fette Grün. Dann holten sie zeitgleich ihre Fotoapparate und Smartphones hervor und fotografierten so ziemlich alles im Blickfeld.

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Es gibt kaum ein Land, das in China ein besseres Image hat. 67 Prozent haben laut einer Studie des chinesischen Unternehmens Huawei aus dem Jahr 2014 ein positives Bild von Deutschland (nur 51 Prozent von den USA). Es ist voller Klischees: Autos und Maschinen, Effizienz und Ordnung, Bratwurst und Kartoffeln, Schuhmacher ("Shu-Ma-He") und Schweinsteiger ("Shi-Wei-Yin-Shi-Tai-Ge"). Doch wer mit fremden, neuem Blick etwas betrachtet, sieht die großen Linien. Erst später erkennt er die feinen Unterschiede und läuft dabei auch Gefahr, sich in den Differenzierungen zu verlieren.

In den Fabriken fiel den Chinesen der saubere Fußboden auf. "Niemand steht rum", sagte ein Werksleiter aus der Provinz Anhui. "Jeder hat hier etwas zu tun, aber keiner ist gestresst." Sie bewunderten die Roboter und die digitale Durchdringung der Produktion.

Auf den Autobahnen staunten sie über die Disziplin der Fahrer. "Keiner hupt, jeder hält sich an die Regeln." Verkehrsregeln in China gleichen eher losen Handlungsempfehlungen als fixen Regeln.

An vielen Tagen bestand unser Kantinen-Essen aus einem Stück Fleisch und irgendwie weiter verarbeiteten Kartoffeln. Gelb war die vorherrschende Farbe auf dem Teller. Die Chinesen aßen es, wenn auch nicht mit Genuss, so doch immerhin mit Neugierde (und Hunger). An einem freien Nachmittag in München gingen sie drei Stunden einkaufen. Alle kamen mit denselben Produkten zurück: WMF-Messer, Rimowa-Koffer, Birkenstock-Sandalen. "Made in Germany - hen hao!" Sehr gut.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

In Nürnberg auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ließen sich einige von ihnen lachend mit Hitler-Gruß fotografieren. Geschmacklos, sicher. Aber aus der geografischen und historischen Distanz wird "Xi-Te-Le" für sie zu einem bizarren Charakter auf der Bühne der Weltgeschichte, einer tragik-komischen Figur. Tragisch, weil er Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat. Komisch, weil er gestikulierte und herumschrie wie vom Teufel besessen. Für die Chinesen waren ohnehin die Japaner die schlimmsten. Über 20 Millionen Zivilisten starben im chinesisch-japanischen Krieg.

Am heutigen Deutschland schätzen die Chinesen den Umgang mit der Vergangenheit. Dass die Deutschen nicht müde werden, sich mit den Gräueln der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und sich und andere immer wieder an die eigene Schuld erinnern. Den Satz "Ihr habt um Entschuldigung gebeten. Das ist gut", hört man immer wieder in China. Und die chinesische Regierung wird nicht müde zu betonen, dass die Japaner genau dies eben nie getan hätten.

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