China-Reise: Brüderles erstes Mal

China-Reise: Brüderles erstes Mal

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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle in Peking

von Henning Krumrey

Seine Auslands-Premiere als Bundeswirtschaftsminister gibt der Liberale in China. In der ökonomischen Weltmacht sieht er eine Zukunftshoffnung - für die Überwindung der Krise und für die deutsche Umwelt-Industrie.

„Ich habe nie daran gezweifelt, an den Weihnachtsmann zu glauben“, bekennt Walter Müller freimütig. Ernst und bestimmt spricht er es aus. Sein fester Glaube richtet sich freilich nicht auf  den mystischen Geschenkelieferanten, sondern auf die kleinen Schokofiguren in Stanniolpapier. Denn Müller ist Chef der WAWI-Schokolade AG und er lebt von Weihnachtsmann und Osterhase. Just am Nikolaustag schwebt Müller in Peking ein, um das Geschäft mit den süßen Gesellen auch in China anzukurbeln. Der Schokoladenfabrikant aus Pirmasens gehört zur Unternehmerdelegation, die Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) auf dessen erster Auslandsreise begleitet.

Zwar produziert er schon im Reich der Mitte, in der Provinz Fujan, und hat „vom ersten Tag an gutes Geld verdient“. Denn die Produktionskosten liegen bei weniger als zehn Prozent des deutschen Wertes. Zwar lohnt der Export nach Europa nicht, aber WAWI beliefert von Fujan aus die USA, Kanada und Australien. Aber nun will Müller expandieren, den chinesischen Markt erobern und das ganze Land mit seinen Süßigkeiten versorgen, „mit deutscher Technik, mit deutscher Qualität“. Denn schokomäßig ist die aufstrebende Industrienation noch ein echtes Entwicklungsland. Gerade mal 20 Gramm isst der durchschnittliche Chinese pro Jahr, der Deutsche dagegen verschlingt satte zehn Kilogramm.

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Ohne politische Unterstützung geht es in China nicht

Bei der Eroberung Chinas soll der neue Bundeswirtschaftsminister helfen. Brüderle wird nicht müde zu betonen, dass es „eine ganz bewusste Entscheidung war, die erste Reise des neuen Ministers für Wirtschaft und Technologie nach China zu unternehmen“. Nun ist er auch noch der erste Minister überhaupt, der nach der Regierungsbildung das Land besucht. Neu ist das Terrain für ihn nicht. „Ich war 15, 16 mal in China“, verweist er Gastgeber und Journalisten stolz auf seine Reisebilanz. Wenn auch die meisten Reisen schon länger zurück liegen. Als er 1987 das erste Mal nach China kam, da war der FDP-Mann noch Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz war. Ein Jahr später knüpfte er die Partnerschaft seines Bundeslandes mit der chinesischen Provinz Fujan und nahm pfälzische Firmen mit auf die große Reise. Schoko-Müller war damals schon dabei und auch später öfter mit an Bord.Ganz ohne politische Unterstützung geht es auch heute noch nicht im Land des blühenden Staatskapitalismus. Obwohl jeder Geschäfte machen will, erhöht die Hilfe eines Hierarchen die Erfolgschancen erheblich – egal, ob es der Firmenchef ist oder ein Minister. „Die Chinesen legen Wert darauf, dass man politisch verankert ist“, sagt Martin Herrenknecht, der Maschinen für den Tunnelbau liefert. „Das erhöht auch den Respekt.“ Je höher der Rang, desto mehr wird das Projekt geadelt und in der Bedeutung aufgewertet.

Jährliche Treffen vereinbart

Bei Wirtschaftsminister Chen verweist Brüderle einmal mehr auf seine „hochrangige Wirtschaftsdelegation“ und vereinbart mit dem Gastgeber, dass man sich künftig einmal im Jahr treffen wolle. Und außerdem könne man ja telefonieren; Brüderle nennt das seine „persönliche Minister-Hotline“. Heute sprächen die Chinesen viel direkter als früher. Das sei „erfrischend“, aber manchmal werde man dabei „auch geduscht“.

So beklagte Chen vor dem obligatorischen Wandteppich mit pastellfarbener Berg- und Flusslandschaft offen die Handelsbeschränkungen für chinesische Schuhe: „Das ist Diskriminierung.“ Brüderle wiederum konterte, Deutschland habe dafür gesorgt, dass die Begrenzung nur noch 15 Monate gelte „und dann endgültig erledigt sind“.

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