China-Reise: Gabriel kämpft gegen den Ideenklau

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China-Reise: Gabriel kämpft gegen den Ideenklau

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Neid, so heißt es, ist die höchste Form der Anerkennung. Aber was ist dann erst die Kopierfreudigkeit chinesischer Ideendiebe und Markenpiraten?

von Henning Krumrey

Der Kopierdrang im Reich der Mitte hat noch einmal zugenommen. Nur wer seine Patente und Markenzeichen auch in China eintragen lässt, hat überhaupt eine Chance auf dem dortigen Markt gegen Fälscher vorzugehen.

Stephan Luerssen traute seinen Augen kaum: Nur wenige Meter neben dem eigenen Messestand seiner Bitzer Kühltechnik Beijing präsentierte ein einheimischer, chinesischer Anbieter fast baugleiche Kompressoren. Und sogar das grüne Markenzeichen war äußerst ähnlich nachgemacht. Sofort setzte Geschäftsführer Luerssen einen Anwalt in Marsch, der dafür sorgte, dass der Stand des fiesen Konkurrenten abgedeckt und die kopierten Markenzeichen noch an Ort und Stelle unkenntlich gemacht wurden. Das war vor einem Jahr. In diesem Jahr blieb die Industrieausstellung aus Luerssens Sicht sauber.

Gewonnen hat der technologische und – zusammen mit einem chinesischen Produzenten – auch mengenmäßige Marktführer bei Kompressoren für Kälteanlagen aller Art damit zwar eine Schlacht, aber nicht den Krieg. Regelmäßig prüft der beauftragte Anwalt, ob irgendwo in China ähnliche Erzeugnisse wie die Bitzer-Produkte als Gebrauchsmuster eingetragen werden sollen. Dann schreitet der Jurist ein. Für Bitzer Kühltechnik ist das dennoch keine Freude, denn selbst wenn ein Schmutzkonkurrent gestoppt werden kann: Der nächste kommt bestimmt.

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Quelle: rtr

Neid, so heißt es, ist die höchste Form der Anerkennung. Aber was ist dann erst die Kopierfreudigkeit chinesischer Ideendiebe und Markenpiraten? Kompliment für den deutschen Hersteller und Komplikation für den deutsch-chinesischen Handel gleichermaßen. Denn das fortgesetzte, teilweise sogar noch beschleunigte Abkupfern ist zu einem wesentlichen Verhandlungsthema beim Besuch von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Peking avanciert.

Der Ideenklau im Reich der Mitte schien eigentlich eine alte Geschichte zu sein, doch in den letzten ein, zwei Jahren hat der Kopierdrang noch einmal deutlich zugenommen. Schuld ist die chinesische Führung, die – ganz Planwirtschaftler – das Soll für Patentanmeldungen und sonstige geschützte Rechte deutlich angehoben hat. Prompt bringen chinesische Hersteller nicht nur jede Mini-Idee von zweifelhaftem Innovationswert zwecks Eintragung zum Amt, sondern lassen auch viele Gebrauchsmuster als ihr Eigentum registrieren, die in Wahrheit nichts anderes als eine Nachahmung längst eingeführter ausländischer Produkte sind.

Darunter leiden vor allem deutsche Mittelständler, die sich wegen des hohen Verfolgungsaufwandes viel schlechter wehren können als Großunternehmen. Zudem hat die Fälschungswut inzwischen alle Branchen erfasst, nicht nur die klassischen Konsumgüter, bei denen man von gefälschten Adidas-Schuhen bis zu kopierten Kettensägen der Waiblinger Weltfirma Stihl alles zu kennen meint. 600.000 Gebrauchsmuster sind inzwischen in China geschützt. Bitzer-Mann Luerssen kann die Erfahrungen zwar nicht bestätigen, aber andere Repräsentanten der deutschen Wirtschaft vor Ort haben den Eindruck, dass die Behörden kaum ernsthaft prüfen. „Die Chinesen müssen erkennen, dass sie selbst ihre Innovationen nicht werden schützen können, wenn sie bei den Patenten nur geringe Ansprüche stellen“, warnt Alexandra Voss, Geschäftsführerin der Außenhandelskammer Peking.

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