Christian Wulff: Ein Präsident in labiler Seitenlage

Christian Wulff: Ein Präsident in labiler Seitenlage

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Foto aus vergangenen Tagen. Bundespräsident Christian Wulff (links) schüttelt Thomas de Maiziere (rechts) die Hand. Letzterer wird in Kreisen der CDU als möglicher Nachfolger genannt.

von Max Haerder

Beim heutigen Neujahrsempfang im Schloss Bellevue versucht Christian Wulff einen weiteren Schritt zurück in die Normalität seines Amtes, irgendwie. Doch sein Rückhalt in der Koalition schwindet immer mehr.

Wenn in den vergangenen Wochen der Undeutlichkeiten und Zweifel eines deutlich und unzweifelhaft hervorgetreten ist, dann Christian Wulffs Absicht: im Amt zu bleiben. Allen Attacken hat er bislang standgehalten, er sprach vor, er antwortete auf Fragen, er empfing Sternsinger und lächelte, seine Frau ist sogar zu einem Neujahrsempfang einer Springer-Zeitung erschienen. Die Kanzlerin hält öffentlich weiterhin zum Bundespräsidenten. Das ist bislang Wulffs eigentliche Lebensversicherung. „Sollte es neue Fragen geben, bin ich davon überzeugt, dass er sie genauso beantworten wird, und deshalb hat meine Wertschätzung Bestand", sagte sie gestern.

Dafür sind immer weniger Parteifreunde Wulffs in der Lage, einfach ihre eigene Wahrnehmung der letzten Chaos-Tage zu verdrängen. Viele Bundestagsabgeordnete kehren erst in dieser Woche aus dem Urlaub in ihre Wahlkreise zurück, und dort kommt Ihnen ein Sturm der Entrüstung entgegen. Nächste Woche müssen sie nun zum ersten Mal in diesem Jahr wieder zu einer Sitzungswoche des Parlaments nach Berlin. In den Fraktionssitzungen dürfte es hoch her gehen.

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Gerüchte um potentielle Nachfolger

Die wahre Stimmungslage vor allem in der Unionsfraktion wird dann offen zutage treten. Einen Vorgeschmack gab der CDU-Mann Karl-Georg Wellmann, der Wulff als erster Berliner Abgeordneter zum Rücktritt aufforderte. Durchlavieren sei keine Option, dies wäre „ein Schrecken ohne Ende, und ein Ende mit Schrecken wäre besser".

Selbst in Wulffs Heimat Niedersachsen lässt die Zurückhaltung merklich nach, nachdem dieser die totale Transparenz im Umgang mit den Medienanfragen bislang nicht eingelöst hat. „Wulff hat im Fernsehen vor 18 Millionen Bürgern zugesichert, dass die 450 Fragen beantwortet und offengelegt werden“, sagte der niedersächsische CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler. „Ich denke, darauf warten wir alle und das muss jetzt auch passieren.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der Union, Peter Altmaier, twitterte: „Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt und die Fragen/Antworten ins Netz stellt.“ Altmaier war vor Weihnachten Wulff noch als einer der wenigen beigesprungen.

Auch die ersten Zeitungen sind nun bereit, die Antworten der Wulff-Anwälte veröffentlichen zu lassen. Sie haben die Anwälte von ihrer Schweigepflicht befreit.

Für Wulff könnte es nun ungemütlich werden. Innerhalb der Union kursiert bereits der Name von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere als möglicher Nachfolger. Der hatte zuletzt auf dem CDU-Parteitag viele Delegierte mit einer intelligenten Rede für sich eingenommen, versieht sein Amt unaufgeregt und kompetent und genießt auch über die Regierungskoalitionen hinweg Ansehen.
Alles Dinge, die man über Christian Wulff nicht sagen kann.

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