Christian Wulff: Fragezeichen ohne Ende

Christian Wulff: Fragezeichen ohne Ende

von Tim Rahmann

Christian Wulff hat über seine Anwälte eine sechsseitige Erklärung veröffentlichen lassen. Doch Fragen bleiben. Die "Bild"-Zeitung widerspricht Kern-Aussagen des Bundespräsidenten. Auch zwei Studenten haben Nachfragen.

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Christian Wulff kann mit seinem TV-Interview und einer schriftlichen Erklärung längst nicht alle Zweifel ausräumen.

11 Übernachtungen auf Mallorca für 3553 Euro, die Verwendung von privaten Bonusmeilen für ein Upgrade auf einem Lufthansa-Flug gen USA und Details zum Privatkredit von Egon Geerkens: Bundespräsident Christian Wulff hat am Vormittag über seine Anwälte eine sechsseitige  Erklärung zu den Vorwürfen rund um seine Person veröffentlicht. Der Text greift dabei einen Teil der über 450 Fragen auf, die Medienvertreter an den ersten Mann im Staat gestellt hatten.

„Die Erfahrung, dass man die Transparenz weitertreiben muss, die setzt auch neue Maßstäbe“, erklärte Wulff bereits gestern in dem gemeinsamen TV-Interview von ARD und ZDF. Dort  kündigte er an, „alles ins Internet“ einzustellen. „Wenn es das in Zukunft immer gibt, wird das auch unsere Republik offenkundig auch zu mehr Transparenz positiv verändern“, so Wulff weiter.

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"Bild" widerspricht der Wulff-Darstellung

In der Tat beantwortet Wulff einige Fragen, insbesondere zu dem Privatkredit und zu seinen Gratis-Urlaubsaufenthalten bei Freunden, nicht aber zu den Inhalten seines Telefonats mit dem „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Die Boulevardzeitung bestritt inzwischen die Aussage Wulffs in dem gestrigen TV-Interview, er habe eine Berichterstattung über den Hauskredit Wulffs nur verschieben, nicht aber verhindern wollen. „Das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen“, sagte der stellvertretende Chefredakteur Nikolaus Blome im „Deutschlandfunk“.

Die Zeitung plant nun, die Mailbox-Ansage zu veröffentlichen. "Um Missverständnisse auszuräumen, was tatsächlich Motiv und Inhalt Ihres Anrufes angeht, halten wir es deshalb für notwendig, den Wortlaut Ihrer Nachricht zu veröffentlichen", schreibt der Axel-Springer-Verlag an den Bundespräsidenten. "Wir möchten dies nicht ohne Ihre Zustimmung tun und bitten Sie deshalb (...) um Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung", so das Verlagshaus weiter.

Studenten starten Internet-Initiative

Nicht nur bei den Journalisten gibt es eine Reihe von ungeklärten Fragen. Auch zwei Studenten aus Berlin sehen noch weiteren Aufklärungsbedarf in der Affäre Wulff. Deshalb haben Tobias Röcker und Patrick Tammer am Vormittag das Internet-Angebot „Direkt zu Wulff!“ gestartet. Auf dem Portal können Nutzer Fragen an den Bundespräsidenten stellen. Am Ende der Woche werden die drei meistgestellten Fragen an den Bundespräsidenten übermittelt.

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Auf direktzu.de/wulff können Bürgerinnen und Bürger, Fragen an Christian Wulff stellen. Die Verantwortlichen der Seite werden die drei meistgestellten Fragen an den Bundespräsidenten weiterleiten.

„Die Live-Schaltung unseres Portals ist kein direktes Ergebnis des TV-Interviews. Der Gedanke ist schon früher entstanden, wir haben genug von der Salami-Taktik des Bundespräsidenten“, sagt  Röcker im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Die Initiative sei mit dem Bundespräsidenten nicht abgesprochen, eine Antwort könne er daher nicht garantieren. „Wir wollen ihm ein Angebot machen, sich zu äußern und hoffen, dass bei reger Beteiligung auch ein Druck entsteht, dass er dieses Angebot nicht ignorieren kann“, so Röcker.

Der 20-Jährige studiert im dritten Semester Politikwissenschaften an der FU Berlin. „Wulff hätte schon vor Weihnachten alle Fakten offenlegen und sich entschuldigen müssen“, findet Röcker. Für ein abschließendes Urteil sei es dennoch zu früh, so der Student. „Es gibt einfach noch zu viele Fragezeichen.“

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