Christian Wulff: Zweifel am Zauderlehrling

KommentarChristian Wulff: Zweifel am Zauderlehrling

von Henning Krumrey

Christian Wulff als unstoppbare Kampfmaschine? Der Bundespräsident gab sich im TV-Interview kämpferisch – war aber nicht immer ehrlich. Ein Wahrheitscheck, Aussage für Aussage.

Bettina Schausten: Sie sind heute am ersten Tag wieder im Schloss Bellevue am Arbeitsplatz. Der Jahreswechsel liegt hinter Ihnen. Haben Sie in den letzten Tagen auch mal ernsthaft an Rücktritt gedacht?

Christian Wulff: Nein.

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Schon beim ersten Wort die ersten Zweifel: Sollte das stimmen, wäre dieser Mann wirklich von keinerlei Selbstzweifeln angekränkelt. Beispielsweise, ob er den Glaubwürdigkeitsverlust je wieder wettmachen könnte. Christian Wulff, die unstoppbare Kampfmaschine? Bisher ist er stets an sensibler Nachdenker, fast als Zauderlehrling aufgetreten.

Denn ich hatte die ganzen Wochen über große Unterstützung von vielen Bürgerinnen und Bürgern,

Stimmt teilweise: In Umfragen ist die Glaubwürdigkeit stark gesunken, aber die Mehrheit hielt einen Rücktritt bisher nicht für nötig.

meiner Freunde und auch der Mitarbeiter.

Das wäre ja auch schlimm, wenn die Freunde sich auch schon verabschiedet hätten. Und was sollten die Mitarbeiter sonst tun?

Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr, ich habe sie für fünf Jahre übernommen. Und ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war; und ich mache das mit Freude und aus Überzeugung und weiß, dass ich nichts Unrechtes

Vor dem niedersächsischen Landtag hat Wulff zugegeben, er habe als Ministerpräsident gegen das Ministergesetz verstoßen, als er für sich und seine Frau das Upgrade für den Urlaubsflug mit Airberlin annahm

getan habe, aber nicht alles richtig war, was ich getan habe.

Schausten: Waren Sie es bisher nicht, ein guter Bundespräsident?

Wulff: Doch, aber es wird ja im Moment gerade über die letzten Wochen gesprochen, und da steht es in Abrede und man muss am Ende nach fünf Jahren bewerten und beurteilen. Und ich glaube auch, vor drei Wochen wäre über die ersten anderthalb Jahre ein gutes Urteil ausgefallen.

In den Medien jedenfalls nicht. Dort war allüberall zu lesen und zu hören, dass Bundespräsident Wulff außer seiner einen Äußerung zur Integration – „der Islam gehört zu Deutschland“ – bisher keinerlei Spuren und Akzente hinterlassen hat.

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