Claudia Roth im Interview: Grüne wollen keine Verbotspartei sein

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Claudia Roth im Interview: Grüne wollen keine Verbotspartei sein

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"Wir wollen nicht bevormunden - sondern Verbote abschaffen."

Veggie Day, Tempolimit, weniger Plastiktüten - wollen die Grünen einen Lebensstil vorschreiben? Zuletzt mehrten sich entsprechende Vorwürfe. Die Parteichefin versucht, den Spieß umzudrehen.

Mit ihrem Vorstoß eines vegetarischen Tags haben die Grünen viel Widerspruch erregt. Wollen Sie die Menschen bevormunden?

Claudia Roth: Wer wie die schwarz-gelbe Bundesregierung zu den großen Herausforderungen nichts zu bieten hat, der greift zum billigen Klischee. Das ist erbärmlich. Es geht hier auch um den Klimawandel, um Tierschutz versus Massentierhaltung, Gesundheitsvorsorge versus Antibiotikaresistenz, die Entwicklung des ländlichen Raums versus Agrarindustrie. Und es geht um die Überproduktion beim Fleisch, die regionale Märkte in den Entwicklungsländern kaputtmacht. Mitnichten wollen wir gesetzliche Verbote, das wissen auch die Kritiker. Wir werben für einen verantwortlichen und bewussten Umgang. Wir setzen auf Freiwilligkeit, auf Überzeugungskraft.

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Aber wenn es kein Fleisch gibt, ist das für Fleischesser doch eine Bevormundung. Sind die Grünen eine Verbotspartei?

Der Versuch, uns in eine Bevormundungsecke zu stellen, macht mir keine Angst. Wir wollen nicht, dass der Staat in die Freiheit des Einzelnen eingreift - im Gegenteil. Wir wollen etwa das Adoptionsverbot für lesbische und schwule Partnerschaften aufheben, wir wollen das Verbot der Mehrstaatlichkeit und das Arbeitsverbot für Asylbewerber aufheben, wir wollen das Verbot von Kooperation von Bund und Ländern in der Bildungspolitik aufheben und das Mehrbesitzverbot bei Apotheken. Die Freiheit, die die FDP meint, ist dagegen die Freiheit, unter Brücken zu schlafen.

Aber fürchten Sie nicht, dass Forderungen wie Tempolimit 120 und Umweltabgabe für Plastiktüten den Menschen zu viel Eingriff in ihren Lebensstil sind?

Ich bin im Wahlkampf viel im Bus auf der Straße unterwegs, weil die Bahn nicht überall gut ausgebaut ist. Da merkt man: Schneller als 120 kann man ohnehin oft nicht fahren. Es kann aber doch auch nicht sein, dass Freiheit freies Rasen bedeutet.

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Andere Länder haben sich längst bewusst für Tempolimits entschieden, auch damit es mehr Sicherheit gibt. Das ist verantwortliche Politik. Und wer eine Plastiktütendebatte führen will, dem empfehle ich ein Besuch im Ozeaneum in Stralsund. Da kann man sich ein Bild davon machen, wie unser Meeresboden heute schon aussieht. Es geht nicht um einen aufoktroyieren Lebensstil. Ich bin die Allerletzte, die jemandem sagen will: Du musst so oder so leben.

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