CO2-Emmissionen: Die Gegner der Klimadebatte

CO2-Emmissionen: Die Gegner der Klimadebatte

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Ein Klima schädigendes Braunkohlekraftwerk stößt hinter dem Ort Neurath Rauch aus, während im Vordergrund Autos über eine Straße fahren.

Forscher, die den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel bestreiten, wurden bislang ignoriert. Jetzt melden sie sich zu Wort. Ein Ortstermin.

Im Mittelalter wurden Hexen verfolgt, weil sie im Verdacht standen, mit dem Teufel im Bund zu sein – heute tritt an ihre Stelle das Kohlendioxid. Peter Dietze lässt diesen Satz kurz wirken, dann fährt er fort. Der Elektrotechniker, einst Entwicklungsingenieur bei Siemens, ärgert sich über die, wie er sagt, „Klima-Hysterie“. Mit Wissenschaft habe die Diskussion nichts mehr zu tun, der von Treibhausgasen verursachte Klimawandel sei zum populären Mythos verkommen, von dem Politaktivisten und Ideologen profitierten. Ein Viertel seines Lebens widmete der 66-Jährige der Forschung an Klima- und Kohlenstoffmodellen, er kennt die Argumente der selbst ernannten Klimaretter – und widerlegt sie Schritt für Schritt.

Seine Thesen würden andernorts wütenden Protest provozieren – doch im Düsseldorfer Stahl-Zentrum trifft er auf zustimmend murmelndes Publikum. Kein Wunder: Die energieintensive Branche sieht sich von der deutschen Klimapolitik und vor allem vom Emissionshandel in ihrer Existenz bedroht. Der Verband lädt also nicht ganz selbstlos zur „Kontroverse um Klimawandel“ ein. Im holzgetäfelten großen Saal geht es an diesem Mittwochnachmittag um den Einfluss von CO2 im Speziellen und um die Energiepolitik im Allgemeinen. Fast unschuldig lautet die Frage im Programmheft: Ist Klimaschutz in der gegenwärtigen Form wirklich sinnvoll? Die Antwort geben alle Redner unisono: Natürlich nicht!

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Die Gegner der Klimadebatte, die sich lange völlig isoliert fühlten, verschaffen sich mittlerweile Gehör. Die ergraute Eminenz der Naturwissenschaften tauscht Erkenntnisse der Strahlenphysik aus, spricht über die Rolle der Wolken und des Wasserdampfs, schwebt wortgewandt und zahlenlastig von der Atmosphäre über die Biosphäre bis zur Geosphäre, begibt sich in Warm- und Eiszeiten der Erdgeschichte und stellt nüchtern fest: Klimawandel gab es schon immer. Statt kostspielige Methoden zu dessen Vermeidung auszuhecken, sollte die Politik sich lieber darauf verständigen, wie sich der Mensch dem natürlichen Klimawandel anpassen kann.

Die Ideen sind so alt wie ihre Vertreter. Ob nun zyklische Schwankungen der Sonnenaktivität für den Klimawandel sorgen, Methan und Lachgas dem Ganzen stärker einheizen oder Mutter Erde demnächst sogar wieder eine Eiszeit blüht – Kritik an den Thesen der Klimatologen, die sich auf das Treibhausgas Kohlendioxid eingeschossen haben, gab es schon immer vonseiten der Wissenschaft. Um die Kritiker ist es allerdings zwischenzeitlich still geworden – seit der UN-Klimabericht im vergangenen Jahr Horrorszenarien von schmelzenden Polkappen, ansteigendem Meeresspiegel, Wirbelstürmen, aber auch Dürren entwarf. Schuld, das ist dem Interngovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zufolge nun bewiesen, sei der Mensch – und der soll den Klimawandel nun aufhalten.

Doch das komplexe Klimasystem lässt sich nicht vom Menschen kontrollieren, sagen die Skeptiker. Eisern forschen sie gegen die Mehrheitsmeinung an – und fühlen sich trotzdem von Politik und Medien ignoriert. Weder beim UN-Bericht noch im offiziellen Rahmen der Klimakonferenz auf Bali kamen sie zu Wort. Ein Brief von 100 Wissenschaftlern – darunter renommierte Physiker, Chemiker, Meteorologen und Geologen aus aller Welt – an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon blieb unbeantwortet. Kritische Artikel veröffentliche die Presse kaum noch, beklagt Horst Malberg, früher Leiter des Instituts für Meteorologie an der Freien Universität Berlin. Einzelkämpfer gründen inzwischen Vereine wie das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) und verbreiten fleißig Gegenstudien – bisher jedoch ohne Erfolg.

Je länger sich der Streit hinzieht desto schärfer wird auch die Tonlage. Stefan Rahmsdorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) – für Kritiker der Tempel der Hysterie – bezeichnet seine Widersacher schon mal als „Klimaleugner“. Der Chef des UN-Klimarats, Rajendra Pachauri, soll sogar den dänischen Statistikprofessor Björn Lomborg, der mit seinem Buch „Apokalypse No“ gegen den Klimastrich bürstete, mit Adolf Hitler verglichen haben.

Ingenieur Dietze, selbst Gutachter des dritten UN-Klimaberichts, wirft dem Gremium inzwischen „realitätsferne Szenarienrechnungen“ vor. Die Modelle stützen sich auf Zahlen, die etwa bei der Klimasensibilität von Kohlendioxid um den Faktor vier zu hoch seien – und komme so zu drastischen Ergebnissen. Die ganze Aufregung um CO2 sei absurd, Klimaschutz habe nur symbolischen Wert und werde als Groteske in die Annalen der Geschichte eingehen. Oder wie ein Teilnehmer der Veranstaltung die Diskussion in der Kaffeepause zusammenfasste: „Nachhaltig ist in der Klimapolitik nur eines – der Schaden für die deutsche Wirtschaft.“

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