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CO2-Reduktion: Wirtschaft dreht auf Merkels Klimakurs

von Von Jörg Stroisch

Bundeskanzlerin Angela Merkel profiliert sich in New York auf der UN-Weltklimakonferenz als oberste Klimaschützerin. In der deutschen Wirtschaft steht das Thema mittlerweile auch ganz oben auf der Tagesordnung. wiwo.de stellt die Klima-Positionen der Branchen vor.

Auch die deutsche Wirtschaft will Emissionen - hier ein Braunkohlekraftwerk - massiv reduzieren,  dpa
Auch die deutsche Wirtschaft will Emissionen - hier ein Braunkohlekraftwerk - massiv reduzieren, Foto: dpa

In roten, großen Lettern prangt die Überschrift „CO2 + Klimaschutz“ auf der Website. Und darunter gibt es dann zehn Tipps zum Benzin sparenden Autofahren. Diese umweltschonenden Tipps finden sich nicht etwa auf der Internetpräsenz einer Umweltorganisation, sondern auf der Website einer Organisation, die bislang nicht gerade als Hort der Umweltschützer galt: Der mächtige Branchenlobbyist "Verband der Automobilindustrie" (VDA) selbst will sich so die Ökodebatte auf die Fahnen schreiben. Auch auf der diesjährigen Internationalen Autoschau (IAA), die am Sonntag zu Ende ging, fanden sich die deutschen Autobauer in einer neuen Rolle wieder: Daimler, BMW, Opel und andere protzen weniger öffentlichkeitswirksam mit neuen PS-Boliden, sondern betonten ihr Umwelt-Gewissen mit Hybridmotoren, Brennstoffzellenstudien und anderen Ökotechniken. Damit wollten die Automobilhersteller auch den strengen EU-Zukunftsvorgaben vorbauen. Aber die Debatte entwickelt sich unaufhaltsam in Richtung Klimaschutz, wie die aktuellen Positionen der Branchenverbände zeigen. Konkret feuert der VDA zwar noch gegen die Vorgabe von nur 120 Gramm Kohlendioxidausstoß auf 100 Kilometer bis 2012 - heute schaffen die Automobilbauer im Schnitt erst 147 Gramm – und möchte zum Schutz der Nobelhersteller auch lieber Einzelziele für verschiedene Fahrzeugklassen vereinbaren. BDI hält bis zu 30 Prozent Einsparung für realistisch Lange Zeit fiel es dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schwer, die sehr unterschiedlichen Interessen seiner Mitglieder in ein klares Klimaschutz-Konzept zu verpacken. Denn auf der einen Seite stehen die für die deutsche Industrie wichtigen und energieintensiven Industriezweige wie Stahl oder Zement, in denen die Vermeidung von CO2 besonders teuer ist. Auf der anderen Seite gelten deutsche Umwelttechnikprodukte weltweit als Exportschlager. Nun legt der Verband eine Studie vor. Ergebnis: „Die deutsche Wirtschaft wird sich bei den aktuellen Klimazielen, einer Reduktion von 20 Prozent und in der Perspektive 30 Prozent der CO2-Emissionen, zur Zusammenarbeit mit Regierung und EU bereit erklären“, so BDI-Präsident Jürgen Thumann im Interview mit der WirtschaftsWoche. Bis 2020 könnten demnach 26 Prozent der Treibhausgasemissionen reduziert werden. Bereits verfügbare Technologien wie moderne Heizungsanlagen, elektrische Antriebssysteme in der Industrie und spritsparende Motoren hätten ein Einsparpotenzial von 141 Megatonnen Treibhausgas jährlich. Davon rechnen sich Investitionen in 127 Megatonnen sogar über die Nutzungsdauer selbst. Das hat allerdings seinen Preis: Bis zu 20 Euro pro Tonne kostet diese Investition die deutsche Wirtschaft und den Verbraucher. Tenor der Studie: Über 30 Prozent hinaus werde es unverhältnismäßig teuer. Und: Die deutsche Wirtschaft ist zum Klimaschutz trotz Kosten bereit, möchte aber innerhalb der EU nicht der einzige Zahlmeister sein. Rückversicherer: Seit Jahrzehnten Kalkulation mit dem Klimawandel Dass der Klimawandel auch jetzt bereits handfeste finanzielle Folgen hat, berechnen die Assekuranzen dieser Welt: "Gerade bei Wirbelstürmen sind starke Indizien für einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Naturkatastrophe erkennbar", sagt Klimaexperte Ernst Rauch von der Münchener Rück, der weltweit zweitgrößten Rückversicherungsgesellschaft. „Die Statistik zeigt hier sehr deutlich: die Schäden steigen kontinuierlich an.“ Die bis dato höchsten Schäden resultierten aus der Wirbelsturm-Saison 2005 – Hurrikane Katrina überschwemmte damals New Orleans. Vier der zehn stärksten jemals gemessenen Wirbelstürme wurden in den Jahren 2004 und 2005 beobachtet. Hurrikan Dean schaffte es im Sommer 2007 auf Platz neun der Liste der intensivsten Wirbelstürme seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850. Versicherte Rekordschäden von insgesamt 120 Milliarden US-Dollar schätzt die Münchener Rück alleine für diese beiden Jahre. Konkrete Schadenshöhen lassen sich hier nur schwer für die Zukunft vorhersehen. Aber: Schon seit 1973 Jahren kalkuliert die Rückversicherung den Klimawandel als Risiko in ihrem Geschäft fest ein: „Er nimmt immer mehr an Bedeutung zu“, so Klimaexperte Rauch. „Umgekehrt bieten sich große Chancen, wenn konsequenter Klimaschutz betrieben wird. Gerade ein Land wie Deutschland hat durch den Boom bei neuen Technologien enorme Möglichkeiten, wie das Beispiel erneuerbare Energien belegt.“ Mehr dazu auf wiwo.de: Vor UN-Klimakonferenz: Merkel hofft auf Fortschritte beim Klimaschutz

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