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Corporate Social Responsibility: Neue Treiber für soziales Engagement von Unternehmen

von christian.ramthun@wiwo.de (Berlin)

Gesellschaftliches Engagement, das sich rechnet: Die deutschen Unternehmen suchen eine neue Rolle – und die Kooperation mit den NGOs.

Kiew: Metro-Vorstandschef Hans-Joachim Körber inspiziert in der schon heißen Vormittagssonne einen weiß getünchten Rohbau. Hier sollen 80 ukrainische Straßenkinder ein Heim finden. Der drittgrößte Handelskonzern der Welt hat sich verpflichtet, den Betrieb des Kinderheims „Our Kids“ in den kommenden Jahren zu finanzieren. „Mit jedem Cash & Carry-Markt“, erklärt Körber, „den wir hier errichten, verknüpfen wir die Förderung von zwei Kinderheimen.“ Für 24 Heime haben die Deutschen am Dnepr bereits die Patenschaft übernommen. Berlin: Im Festsaal des Ritz-Carlton-Hotels am Potsdamer Platz hält die Wirtschaftsprüfgesellschaft Deloitte ihr weltweites Partnertreffen ab. Ein heißes Thema: Wie können Accountants und Controller die Energieströme im Unternehmen am besten erfassen? Und zwar so, dass sich Effizienz optimieren und Kohlendioxyd-Ausstoß minimieren lassen? Spontanen Szenenapplaus erhält der niederländische Deloitte-Chef Roger Dassen, als er für sein Headquarter in Rotterdam CO2-Neutralität ab 2008 verspricht. Vor wenigen Jahren noch die Ausnahme, befassen sich Unternehmen heute zunehmend mit gesellschaftlichen Herausforderungen und suchen dafür nach betriebswirtschaftlichen Lösungen. „Corporate Responsibility wird zum Business Case“, sagt Deloitte-Deutschland-Chef Wolfgang Grewe in akzentfreiem Beraterdeutsch. Metro-Chef Körber spricht von „einem fairen Geben und Nehmen als Geschäftsgrundlage“. Lange wurden in Deutschland Corporate Citizenship (CC) und Corporate Social Responsibility (CSR), zwei im angelsächsischen Raum entwickelte Unternehmensstrategien für den verantwortungsvollen Umgang mit gesellschaftlichen Problemen, als „Gedöns“ für Weicheier und Weltverbesserer abgetan. Nun werden CC und CSR auch in der deutschen Wirtschaft als harte Managementinstrumente anerkannt. „Die Manager müssen heute die gesellschaftlichen und unternehmerischen Ziele in ihrer Management-Matrix aktiv in Deckung bringen“, erklärt der Konstanzer Wissenschaftler Josef Wieland, der die von der WirtschaftsWoche mitbegründete Initiative Freiheit und Verantwortung berät. Selbst unbequeme Nichtregierungsorganisationen (NGOs) müssen sie in diese Matrix einbeziehen, um von Konfrontation auf Kooperation umzuschalten.

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Auch die Politik hat das Potenzial der Unternehmen für die Lösung der Zukunftsprobleme erkannt. Beim jüngsten Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm hoben die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen die „Förderung und Verbreitung der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen“ hervor. „Nicht die G8-Demonstranten retten die Welt“, meint Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte, „sondern unsere Unternehmen mit ihren Ressourcen und Kompetenzen.“ An diese Leitlinie hält sich die Bundesregierung. Ob Umweltschutz oder Kinderbetreuung, Demografie, Diversity oder Bildung – bei fast allen aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen suchen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett nach Lösungen mit der Wirtschaft. Beim Integrationsgipfel am vorigen Donnerstag verpflichtete sich die Wirtschaft beispielsweise, „jeder interessierten Schule“ einen Partnerbetrieb zu vermitteln. Dabei sollen Firmen gezielt Mitarbeiter und Schüler mit Migrationshintergrund in Mentorenprogrammen zusammenführen. Die wundersame Wandlung der Wirtschaft vom Problemfall zum Problemlöser lässt sich derzeit am Umweltschutz gut beobachten. So wirbt die Lufthansa in doppelseitigen Anzeigen für „das größte Klimaschutzprojekt“: die Optimierung der Flugsicherung in Europa, wo 47 nationale Behörden mit 22 unterschiedlichen Betriebssystemen mehr neben- als miteinander arbeiten und die Flugzeuge zu unnützen Warteschleifen zwingen. Allein die Lufthansa könnte bei einer harmonisierten Flugsicherung ungefähr 142.000 Tonnen Kerosin im Jahr einsparen – zugunsten des Unternehmens und zugunsten der Umwelt.

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