CSU: Wahlkampfhilfe aus dem Off

CSU: Wahlkampfhilfe aus dem Off

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An der Ausstellungseröffnung "Strauß - Ein deutsches Leben" anlässlich des 20. Todesjahres des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß nehmen unter anderem der bayerische Europaminister Markus Söder (CSU, l-r), Sohn Franz Georg, Tochter Monika Hohlmeier und der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber am Freitag (11.07.2008) in der bayrischen Landesvertretung in Berlin teil. Auf Stellwänden und in Vitrinen werden Bilder und Gegenstände aus dem politischen Leben des bayrischen Politikers gezeigt. Nach der Eröffnung bleibt die Ausstellung bis über die Sommerpause in der Bundeshauptstadt. Ab dem 3. Oktober, dem Todestag, soll die Wanderausstellung in München gezeigt werden.

Franz Josef Strauss soll im Wahlkampf noch einmal ran – per Wanderausstellung zu seinem 20. Todestag. Mit der Erinnerung an den legendären CSU-Politiker beschwören die Christsozialen glanzvolle Tage.

Fernsehkameras, Mikrofone, ein Pulk von Journalisten – in der bayerischen Landesvertretung im Herzen Berlins Nahe der Friedrichstraße herrschte heute um die Mittagszeit ein Personenkult wie lange nicht mehr.

Gehuldigt wurde allerdings nicht das derzeitige bayerische Führungsduo aus Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber. Nein, es sind zwei CSU-Spitzenpolitiker von gestern und vorgestern, die hier für ordentlich Wirbel sorgen.

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Zur feierlichen Ausstellungseröffnung „Strauß – Ein deutsches Leben“ anlässlich des 20. Todestages des langjährigen CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten war eigens Edmund Stoiber samt Gattin angereist. Außerdem die Strauss-Tochter Monika Hohlmeier, ihr Bruder Franz Georg und viel Lokal-Prominenz aus Bayern. „Der Strauss, ja, das war ein Pfundskerl, das war noch eine Persönlichkeit“, sagt einer der rund 200 Besucher, „so einen finden Sie heute gar nicht mehr“ – und alle nicken in der Runde.

Stoibers Rede klingt wie eine Art Liebeserklärung

Denn die meisten hier denken: Es sind nicht zuletzt auch die blassen Führungsfiguren Beckstein und Huber mit verantwortlich dafür, dass die Christsozialen vor der Landtagswahl Ende September eher frustriert dahindümpeln und um ihre absolute Mehrheit bangen.

Mit der Wanderausstellung, die von Berlin aus nach Bayern zieht, soll das politische Urgestein Strauss der CSU sozusagen aus dem Off noch einmal Wahlkampfhilfe leisten. „Er konnte den Menschen die Welt erklären und sie hörten ihm zu“ schwärmt Stoiber von seinem „großen politische Lehrmeister“. Und was dieser „gegen die politische Dämonisierung der Atomkraft heute sagen würde, das kann ich mir sehr gut ausmalen.“

Stoibers Rede klingt wie eine Art Liebeserklärung, noch heute ist die Bewunderung und Ehrfurcht spürbar, die der Erbe für seinen politischen Vater empfindet, dem er lange ein treuer Diener war. Und immer wieder werden knackige Strauss-Zitate rezitiert: „Wir sollten wissen, wie wir uns in der Kaviar-Etage benehmen müssen, aber zuhause sind wir in der Leberkäs-Etage“ etwa, oder: „Man sollte dem Volk aufs Maul schauen, aber nicht nach dem Mund reden.“

Ein bisschen ist es so, als redeten sie hier von einem Heiligen mit göttlichen Kräften

Ein bisschen ist es so, als redeten sie hier von einem Heiligen mit göttlichen Kräften. Dass Strauss’ Geist in diesen schwierigen Tagen erneut in die CSU fahren möge, wünschen sich hier wohl die meisten CSU-Anhänger. Zwar sieht eine aktuelle Umfrage die Christsozialen erstmals wieder auf 50 Prozent  – damit könnte sie ihre absolute Mehrheit knapp behaupten. Doch der Wahlkampf bleibt eine Zitterpartie.

Unausgesprochen steht im Raum, dass Huber und Beckstein dem politischen Talent Strauss in keinster Weise das Wasser reichen können. Doch etwas Positives könnte auch Strauss der jetzigen Situation abgewinnen, meint ein langjähriger Beobachter des legendären CSU-Politikers: „Wie die CSU derzeit gegen die Kanzlerin stänkert, das hätte Strauss sicherlich gut gefallen.“ Und fügt hinzu: „Der hatte ja auch oft ganz ordentlich Zoff mit der CDU und es hat ihm meistens genutzt.“

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