Darknet: Das illegale Geschäft mit Waffen im Internet

Darknet: Das illegale Geschäft mit Waffen im Internet

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Der Handel mit illegalen Waffen auf dem digitalen Schwarzmarkt steigt.

von Kathrin Witsch

Der Amoktäter von München hat mit einer halbautomatischen Glock acht Menschen das Leben genommen. Die Pistole soll er auf dem digitalen Schwarzmarkt gekauft haben. Gegen diesen Handel kommt die Polizei nur schwer an.

Pistolen, Fernfeuerwaffen, Sprengstoff, Munition - die Auswahl ist groß. Fast 1400 Angebote finden sich unter dem Stichwort „Waffen“ auf nur einer von unzähligen Seiten im digitalen Schwarzmarkt. Hier finden sich auch kostenlose Bastelanleitungen für allerlei Sprengstoffe. Meist verbunden mit der Bitte, diese nur „zur Selbstverteidigung“ zu nutzen.

Eine scharf gemachte Dekowaffe der Marke Glock wird auf der Seite ab tausend Euro aufwärts angeboten. Wie bei Amazon legt man das gewünschte Produkt in den Warenkorb. Bezahlt wird meist über ein anonymisiertes Konto der Krypto-Währung Bitcoin. Verschickt wird die Ware anschließend mit der Post.
So oder so ähnlich könnte auch der Amoktäter von München an seine Tatwaffe gekommen sein. Ermittlern zufolge nutzte er eine wieder schussfähig gemachte Dekowaffe, die er im Internet gekauft hatte.

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Das Darknet ist der Schwarzmarkt des Internets.

Im aktuellen Lagebild zur Waffenkriminalität, stellt das Bundeskriminalamt (BKA) fest, dass der illegale Umbau von im Ausland hergestellten „Dekorationswaffen“ zugenommen hat. In Deutschland und vielen anderen Mitgliedsstaaten in der Europäischen Union können die nicht oder nur eingeschränkt funktionsfähigen Dekowaffen legal erworben werden. Wer das nötige Wissen besitzt kann diese dann ohne großen Aufwand wieder scharf machen. Das haben auch Kriminelle für sich entdeckt. Als Marktplatz für den illegalen Handel mit Waffen dient nach Einschätzungen des BKA immer öfter das Darknet.

Dunkle Tiefen des Webs

Der Begriff Darknet bezeichnet einen Teil des so genannten Deepwebs. Dieser Bereich ist tausend Mal größer als das für den normalen User einsehbare Internet – auch Surface-Web genannt. Das Deebweb macht den Teil des Internets sichtbar, den Suchmaschinen wie Google nicht finden.

Das Darknet geht jedoch noch darüber hinaus. Hier tritt man nicht über Internet Explorer, Firefox oder Chrome ein, sondern über eine spezielle Software, zum Beispiel den Tor-Browser. Dieser erlaubt es Menschen, sich fast vollkommen anonym im Internet zu bewegen.

In diesem System, das ursprünglich vom US-Militär zur verschlüsselten Kommunikation entwickelt worden ist, finden sich all jene, die auf Anonymität angewiesen sind: Whistleblower, Journalisten, Dissidenten. Zunehmend aber eben auch Kriminelle jeglicher Art.
Sandro Gaycken, Leiter des Digital Society Institute an der European School of Management and Technology in Berlin sieht den Drogenhandel im Darknet zwar an erster Stelle, aber auch der Markt für illegale Waffen wachse unaufhörlich: „Besonders häufig finden sich umgebaute Gas- und Schreckschusspistolen, Kalaschnikows oder auch historische Waffen beispielsweise aus der DDR.“ Allerdings seien natürlich auch viele Betrüger hinter „vermeintlichen“ Angeboten. „Die Gefahr ist groß, dass man den Betrag überweist, aber keine Waffe bekommt. An wen sollten sich die potenziellen Käufer einer illegalen Waffe auch mit dem Betrugsvorwurf wenden?“, wirf der ehemalige Hacker ein. Aber auch die Polizei stößt auf der Suche nach Kriminellen im Darknet an ihre Grenzen.

Das Problem bei der Strafverfolgung: Die Aufklärungsquote der Polizei ist relativ gering, gemessen an der Masse von Händlern, die sich im Darknet tummeln, erklärt Gaycken, der unter anderem die Bundesregierung im Bereich der IT-Sicherheit berät. Fliegen die Händler doch auf, erlaubt das Einblick in die kriminellen Machenschaften im Darknet.

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