Deloitte-Studie: Konzerne fürchten Populismus und Handelsschranken

Deloitte-Studie: Konzerne fürchten Populismus und Handelsschranken

, aktualisiert 18. Mai 2017, 09:05 Uhr
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Trotz der politischen Risiken bewerten CFOs die aktuelle wirtschaftliche Lage als herausragend, überwiegend wird eine weitere Verbesserung erwartet.

von Norbert HäringQuelle:Handelsblatt Online

Die Finanzvorstände (CFOs) großer Konzerne stellen sich auf mehr Protektionismus im internationalen Handel ein. Trotzdem sind sie insgesamt zufrieden. Nur in einem Land herrscht kein Optimismus.

FrankfurtBrexit, Trump und Co. verschärfen die Angst der Unternehmen vor populistischer Wirtschaftspolitik. Das ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte, unter den Finanzvorständen (CFOs) der 150 größten deutschen Konzerne. Der Umfrage zufolge erwarten zwei Drittel der CFOs in wichtigen Märkten steigenden Protektionismus und 60 Prozent rechnen mit populistischer Wirtschaftspolitik. Die Hälfte der Unternehmen überprüft deshalb ihre Investitionspläne, ein gutes Drittel die Lieferketten. Die Sorge geht jedoch nicht so weit, dass die Unternehmen bereits konkrete Konsequenzen ziehen würden. Nur ganz wenige stoppen geplante Investitionsprojekte. „Dies ist ein Indiz, dass sich die deutschen Unternehmen momentan auf die politischen Risiken vorbereiten und damit auseinandersetzen, aber noch keinen akuten Handlungsbedarf sehen“, kommentiert Deloitte den Befund.

Das hat eine guten Grund: Denn trotz der politischen Risiken bewerten CFOs die aktuelle wirtschaftliche Lage als herausragend, überwiegend wird eine weitere Verbesserung erwartet. Ebenso schätzen die CFOs die wirtschaftliche Lage in den USA, China und der Eurozone gut ein und sehen eine Verbesserung der Aussichten voraus. Was für die Länder gilt, gilt auch die Geschäftsaussichten der befragten Unternehmen selbst. Die CFOs sehen diese sehr rosig. Die Investitionsbereitschaft steigt, und der Fokus auf offensive Strategien wird verstärkt. Dabei stehen allerdings zusätzliche Investitionen nicht im Vordergrund. Unter den „offensiven Strategien“ werden vielmehr Produkteinführungen und Unternehmensübernahmen deutlich häufiger genannt, als eine Steigerung der Investitionen.

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Die Investitionen haben sich im Verlauf des gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwungs deutlich schwächer entwickelt als in früheren Zyklen. Aber immerhin hat die Investitionsbereitschaft laut der April-Umfrage den engen Korridor der letzten Jahre nach oben verlassen. Der Saldowert von plus 36 ist der höchste seit Beginn der Deloitte-Umfrage 2012.

In anderen europäischen Ländern gehen die Unternehmen entschlossener auf Expansionskurs. Das gilt auch für den Nachbarn Frankreich, der hierzulande gern als wirtschaftliches Sorgenkind portraitiert wird. Während in Deutschland per Saldo 36 Prozent der befragten Großunternehmen steigende Investitionen planen, sind es in Frankreich 42 Prozent, in den Niederlanden sogar 52 Prozent. Einen Mitarbeiteraufbau beabsichtigen in Deutschland per Saldo 19 Prozent der Unternehmen, in Frankreich 23 Prozent.

Nur ein großes Land fällt aus der Reihe. Die Weltsicht der CFOs in Großbritannien ist düster. Hier scheint der bevorstehende EU-Austritt den Ausblick zu verdunkeln. Per Saldo planen 22 Prozent, die Investitionen zurückzufahren und sogar 28 Prozent die Mitarbeiterzahl zu senken.

Die Befragung wurde nach Angaben von Deloitte Online im Zeitraum zwischen dem 14.3.2017 und dem 4.4.2017 durchgeführt. 150 CFOs deutscher Großunternehmen haben teilgenommen. Knapp die Hälfte erzielt einen Umsatz über eine Milliarde Euro. Die Daten zu anderen Ländern stammen von Umfragen dortiger Deloitte-Partner.

Quelle:  Handelsblatt Online
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