Demografie: Deutschland riskiert die Bevölkerungskatastrophe

Demografie: Deutschland riskiert die Bevölkerungskatastrophe

von Ferdinand Knauß

Andere Länder stemmen sich mit aller Kraft gegen den demografischen Niedergang. Doch Deutschland bleibt blind auf Katastrophenkurs. Vermutlich beendet erst der Zusammenbruch des Rentensystems den Gebärstreik der Deutschen.

In den kommenden Tagen wird Japans Premierminister Shinzo Abe ein politisches Programm vorstellen, das die Zukunft seines Landes sichern soll. Die Drei-Kinder-Familie soll zum offiziellen Staatsziel erklärt werden, heißt es.

Japan gehört mit einer Fertilitätsrate von durchschnittlich 1,41 Kindern pro Frau zu den kinderärmsten und am schnellsten alternden Nationen. Wenn die Geburtenrate nicht steigt, wird es statt 127 Millionen im Jahr 2060 nur noch 87 Millionen Japaner geben.

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Aber Japans Regierung findet sich damit nicht einfach ab. Japan traut sich noch zu, das Ruder herumzureißen. Zumindest will die Regierung diesen Eindruck vermitteln. Es gibt mit Masako Mori eine „Ministerin zur Bekämpfung des Geburtenrückgangs“. Der Bevölkerungsschwund und die Alterung könnte zwar selbst mit der angepeilten Fertilitätsrate von 2,07 Kindern pro Frau nicht umgekehrt, aber immerhin deutlich gebremst werden. Etwas über 100 Millionen Japaner soll es dann im Jahr 2060 noch geben. Das ist ein Ziel.

Und Deutschland? Die Zahl der Kinder zu erhöhen, ist kein politisches Ziel der Bundesregierung. Manuela Schwesig, die Familienministerin, hat mehrfach deutlich gemacht, dass Geburtenzahlen nicht im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stehen. Sie will als Gleichstellerin wahrgenommen werden.

Das Land mit der OECD-weit niedrigsten Geburtenzahl pro 1000 Einwohnern (8,1) und einer Fertilitätsrate von 1,36 Kindern pro Frau, hätte eine ehrgeizige Bevölkerungspolitik mindestens so nötig wie Japan. Doch für die gesamte politische Klasse hierzulande  scheint eine Mischung aus Kümmer-Rhetorik und schierer Verdrängung angesagt.

Bevölkerung Der große Demografie-Bluff

Die Bundesregierung hat sich eine Demografiestrategie gegeben. Bei näherer Betrachtung entpuppt die sich als eine Propagandaveranstaltung.

Quelle: dpa/Montage

Das deutsche Gegenstück zu Abes Drei-Kinder-Politik ist die so genannte „Demografiestrategie“, die noch von der alten Bundesregierung stammt. Sie heißt „Jedes Alter zählt“ und handelt von der Entwicklung neuer Rollatoren und seniorengerechtem Nahverkehr. Von Kindern ist in der Demografiestrategie kaum die Rede und von dem Ziel der Geburtenförderung noch weniger.  

Möglich ist dieser Totalausfall auf einem Politikfeld, das in anderen Ländern zentrale Bedeutung gewonnen hat, weil Leute wie Christoph Schmidt den Demografie-Diskurs in Deutschland dominieren. Wenn der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), wie jetzt auf einer Tagung der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, zum Thema referiert, dann ist die Botschaft stets: Wir werden älter und „bunter“. Ein „Herausforderung“, aber kein Grund zur Aufregung.

Vom voraussehbaren Zusammenbruch des Rentensystems in den 2030er Jahren ist bei Schmidt keine Rede. Ebenso wenig wie in den Rentenprognosen der Bundesregierung, die zufälligerweise nie über  2030 hinaus reichen. Dann werden nämlich die stärksten Jahrgänge der deutschen Geschichte aus dem Arbeitsleben scheiden.

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34 Kommentare zu Demografie: Deutschland riskiert die Bevölkerungskatastrophe

  • 100% Zustimmung. Genau so ist es.

    Als Ergänzung wäre noch die massiv gestiegene Rentenbezugsdauer als weiteren Knackpunkt des Systems zu nennen. Diese entsteht aufgrund der erheblich höheren Lebenserwartung als in vergangenen Jahrzehnten bei nahezu unverändertem Renteneintrittsalter.
    Nur ist eine Rente mit z.B. 75 Jahren ein für die Politik sehr unbequemes Instrument und angesichts der baldigen Mehrheit der rentennahmen Jahrgänge wohl nicht umsetzbar.

  • Es handelt sich beim Rentensystem um einen Generationenvertrag und nicht um eine Familienversicherung. Die Diskussion geht an den Tatsachen vorbei. Wenn eben von Generation zu Generation die Kinderzahl sinkt, muss man eben an den Schaltschrauben drehen, und die bedeutet hauptsächlich ein sinkendes Rentenniveau und ein steigendes Eintrittsalter. Auch der DGB und die SPD werden die Mathematik nicht außer Kraft setzen. Der Systemfehler in Deutschland ist allerdings, daß nicht alle Bürger in diesem System verhaftet sind. Daher bedienen sich u a die Politiker und Beamten vollkommen hemmungslos aus den Steuermitteln. Hier muss das Grundgesetz eben eingefordert werden, keine weitere Besserstellung er Versorgungsverträge und damit Absenkung des Versorgungsniveaus auf 58 % bis 2030, wie auch ursrpünglich geplant. Zusätzlich ist wohl auch eine Höchstversorgung auf 58 % der Beitragsbemessungsgrenze fällig. Die bisher verpasste Umstellung uuf eine Bürgerversicherung ist überfällig. Die Gesellschaft sollte nicht weiter gespalten werden, die Politik muss endlich für Gerechtigkeit sorgen. Bisher ist das nicht der Fall, daher Schande über die Parlamente

  • @Horst

    Ihre Kritik an der überschiessende Versorgung der Beamten und Politiker ist m.E. berechtigt.

    Daraus zu schließen, die gesetzliche Rentenversicherung könnte kuriert werden durch Einbeziehung dieser Gruppen (Zitat: Systemfehler), das halte ich für falsch. Grund: Beamte und Politiker haben vermutlich nicht wesentlich mehr oder weniger Kinder als die anderen Gruppen. Ganz im Gegenteil. Ich warte auf den Tag an dem die Pensionslast der Staatskasse zu hoch wird und die Beamten an die RVs abgedrückt werden.

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