Demografie: Warum Däninnen fruchtbarer sind als Deutsche

Demografie: Warum Däninnen fruchtbarer sind als Deutsche

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Eine kluge Sozialpolitik kann entscheidend zur Steigerung der Geburtenrate beitragen.

von Ferdinand Knauß

Ein erneutes Armutszeugnis für Deutschlands Familienpolitik: Eine Studie zeigt, dass mehr Sicherheit die Geburtenrate positiv beeinflusst.

Die Familienpolitik in Deutschland ist so nachhaltig erfolglos, dass sich ihre Protagonisten nur dadurch zu rechtfertigen wissen, indem sie das Ziel der Steigerung der Geburtenzahlen einfach aufgeben. So als ob es darum ohnehin nicht gehe.

Im europäischen Ausland sieht das anders aus. Bekanntlich sank zwar fast überall in Europa im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts die Fruchtbarkeit unter das bestandswahrende Niveau von rund 2,1 Kindern pro Frau. Doch einige Länder schafften es, dieses Niveau, das eine halbwegs stabile demografische Entwicklung gewährleistet, zumindest annäherungsweise wieder zu erreichen. Zum Beispiel Dänemark.

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Warum das so ist, hat Michaela Kreyenfeld vom Max-Planck-Institut für Demografieforschung in Rostock anhand deutscher und dänischer Registerdaten zur Berufstätigkeit und zum Geburtenverhalten von Frauen untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine kluge Sozialpolitik eben doch entscheidend zur Steigerung der Geburtenrate beitragen kann.

Noch Anfang der Achtziger Jahre hatten Dänemark und (West-)Deutschland die gleiche niedrige Geburtenrate von rund 1,5 Kindern pro Frau. Dann entschieden sich beide Länder für ganz unterschiedliche Ausrichtungen in der Familienpolitik. Deutschland förderte de facto weiterhin vor allem die Alleinverdiener-Ehe. Dänemark baute die staatliche Kinderbetreuung aus, förderte flexible Arbeitszeitmodelle und führte deutlich früher als Deutschland eine Art Elterngeld ein, das das fehlende Einkommen während der Auszeit ausgleicht.

Seither stieg in Dänemark die Geburtenrate wieder  – zwar nicht auf über zwei Kinder wie vor dem Pillenknick der 60er Jahre, aber immerhin auf Werte um 1,8 Kinder pro Dänin. In Deutschland dagegen stagniert die Rate – die DDR einmal ausgeklammert – seit Mitte der 70er Jahre bei unter 1,5 Kindern.

Demografie Deutschland riskiert die Bevölkerungskatastrophe

Andere Länder stemmen sich gegen den demografischen Niedergang. Doch Deutschland bleibt auf Katastrophenkurs. Wahrscheinlich beendet erst der Zusammenbruch des Rentensystems den Geburtenstreik der Deutschen.

Quelle: dpa

Um zu verstehen, warum sich Däninnen öfter für Kinder entscheiden als Deutsche haben Kreyenfeld und ihre Mitautoren Gunnar Andersson von der Universität Stockholm und Tatjana Mika vom Forschungsdatenzentrum der deutschen Rentenversicherung die berufliche Situation ausgewählter Frauen untersucht. Nach dieser „Event-History-Methode“ betrachteten sie Daten zum Einkommen ein und derselben Frau vor und nach der Geburt des ersten, zweiten und dritten Kindes.

In Deutschland, so stellen sie fest, neigen Frauen mit relativ hohen Einkommen weniger oft dazu, ein Kind in die Welt zu setzen, als wenig verdienende oder arbeitslose Frauen. Auch zweite und dritte Kinder bekommen arbeitslose deutsche Frauen eher als arbeitende.

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